Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 9 (2.3.1850)
- Date
- 1850-03-02
- Page
- Seite 34 (sequence 3)
- Language
- German
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- 34 Jugenderziehung und der allmäligen Entfremdung der. Retigionskenntniß, und stand auch das Judenthum Jahrhunderte lang wie ein Fels im Weltenreich der Zeit, so bewährt sich doch der alte Spruch: Gutta ca~ vat lapidem, non Ti sed saepe cadendo. — Unser bisheriger Religionslehrer, Hr. Dr. L ew ysoh n, ist mm desinitiv als Prediger der hiesigen israelitischen Gemeinde kreirt worden. Derselbe wird seine Schrift über die Opfer im mosaischen Kultus, von welcher das Literattrrblatt schon Proben gebracht, in Kurzem dem Druck übergeben. Aus Schlesien, im Jan. In G log au ging aus der Wahl für die Besetzung des sel. Cohn'schcn Legats Hr. Oberlehrer Arnheim hervor. Für dm Kandidaten galten die Bestimmungen, daß er 40 Jahre alt und im Besitze von 3 Hatarot Horaot sein müsst. Hr. A. erhielt letztere von dem Hrn. Rabb. Rapap ort in Prag und dem Dr. Gebhardt in Gnestn. Hr. A. tritt daher von der Leitung der Schule zurück, wodurch die Gemeinde der Gehaltszahlung von 400 Thlr. überhoben ist« Wir können diese Mittheilung nicht schließen ohne eine öffentliche Rüge über das Verfahren der Kuratoren des Legats zu äußern. Man durste wohl von diesen gebildeten Männern erwarten, daß sie die auswärtigen zahlreichen Bewerber, unter welchen sich viele sehr würdige Rabbinen befanden, die aber im Voraus eine Niete erwarten durften -— wenigstens einer Antwort gewürdigt hätten; statt dessen wurde sänuntlichen Bewerbern ihre Zeugnisse in einem leeren Stück Papier unfrankirt znrückgesandt. Da man wohl sehr früh wußte, daß jene umsonst sich bewerben, so wäre es billig gewesen, wenn jeder durch eine lithographirte Mittheilung von dem Wahtresuttat in Kenntniß gesetzt worden wäre. Berlin, 15. Febr. Das Jahr 1848, das uns so reichlich Verheißungen, Versprechungen, Kommissionen n. s. w. spendete, welche die Sichel der Reaktion im Jahre 1849 allmälig unter dem Vorwände ,,der rettenden Thaten" abmähete, hat, wenn Alles wieder genommen wurde, wenigstens im Privatleben einen gewissen Gemeinsinn und eine gegenseitige Anhänglichkeit zmückgelassen, deren Früchte uns einst so manchen Labsal werden bieten können. — So haben sich besonders viele Privat-Vereine und Gesellschaften, die sollst ganz edle Zwecke befolgten , die ater vor der Märzerhebung wenig oder gar nicht beachtet wurden, in dem letzten Jahre' bedeutend gehoben, wodurch sie auch in ben Stand gesetzt wurden, etwas Tüchtiges zu leisten. — Von einem Vereine ähnlicher Art, der sich schon im Jahre 1846 unter dem Namen „Gesellschaft jüdischer G ew er b t r e ib e n d er zur gegen s e i ti g e n Unterst ü tzu n g in Krankheitsfällen" hier konstituirte, kann ich Ihnen auch heute berichten. — Dieser Verein, der sein Entstehen dem hiesigen Breueeur Herrn Halle verdankt, beging am letzten Montag die sechste Generalversammlung. Diese Gesellschaft, welche außer den 130 ordentlichen noch 30 Ehrenmitglieder, zu denen mehrere der Nvtabilitäten unserer Gemeinde, als die Herren Stadtrath Dr. Mt. Veit, Alexander M e n d e l ö s o hn , Hosjuwelier Fr i e d b e r g, gehören, besitzt schon jetzt einen eisernen Fond von circa 800 Thlrn. Der Generalversammlung, in welcher über die Neuwahl des Vorstandes und über den Finanzbestand' Bericht erstattet wurde, folgte, wie, es heut zu Tage bekanntlich allgemeine Sitte ist, ein Zweckessen, bei welchem der ehrenwerthe Stand unserer jüdischen Gewerbtreibenden, durch die ausgebrachten Toaste und durch'die ganze Haltung überhaupt einen hohen Grad von Bildung deutlich bekundete. — Daß unsere Berliner bei ihrem Vcrgnügtsein auch nicht der Armen vergessen, versteht sich natürlich vor: selbst und eine veranstaltete Sammlung siel reichlich ans; wobei noch besonders hervorgehoben zu werden verdient, daß ein unter dem Gclde anfgcfundener Dreier verauktiouirt wurde und einen Ertrag von circa 12 Thlr. für den Vereiusfond brachte. Wir erlauben unS somit diesen Verein der fernem Theilnahme der Wohlwollenden bestens zu empfehlen. P. Berlin, 7. Febr. Zur selben Zeit als gestern im Rittcrsaale des hiesigen königl. Schlosses Se. Majestät der König vor den versammelten Mitgliedern beider Kammern und den Großen des Reiches feierlichst das Gclöbniß ablegte, die Verfassung unverbrüchlich zu halten und hierbei das vom 11. April 1847 bekannte: ,,Jch und mein Haus wir wollen dem Herrn dienen" wiederholte, fand die, vom hiesigen-israelitischen Gemeinde-Vorstände in der eigens zu diesem Zwecke festlich erleuchteten großen Synagoge veranstaltete Feierlichkeit statt. — Nachdem der Vorsänger mit Choralbegleitung Psalm 15 (der wahrscheinlich wegen Vers 4. ■VD' " er schwört zu seinem Schadens?) und ändert es nicht, zu dieser Feier bestimmt wurde) vorgetragen hatte, bestieg unser Prediger Hr. Dr. Sachs, die Kanzel und sprach in gewohnter Weise über Jes. 30, 15: üDmizu nvjn nnü-aDt pycyin nroi riDHSQ ,,durch Rückkehr und Ruhe wird euch geholfen, durch ruhiges Vertrauen gewinnt ihr neue Stärke." — Indem er darauf hinwies, daß auch wir, da wir lediglich das allgemeine Wohl im Auge haben müssen, mit ruhigem Vertrauen zum Ziele streben sollen, bemerkte er unter andern: „Ist dies oder jenes nicht nach nnserm Sinne, sind denn etwa wir so votlkonunen? — Nicht mit Grollen und Schmollen sollen wir das Verfassungswerk hinnebmer,, sondern wir müssen cd als einen Ausdruck des Wüten Gottes anerkennen." Die Predigt, welche im Ganzen nur eine Stunde dauerte und die mit einem kleinen Gebet, daß dieser Tag ald ein erlauchter und glückbringender für das Vaterland mld für den Kö-