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Der Orient · 1850-03-02 · Heft 9 (2.3.1850) · p. Seite 36

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 9 (2.3.1850)
Date
1850-03-02
Page
Seite 36 (sequence 7)
Language
German
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- 36 fre.uendann kamen Zweifel, ob, sie die Anderserzogene, Andexsgl.aube.nde mit denselben. Augen sehen würdeob ihre.Ee.ele durch bie Pforten der Poesie, wie sie ihm Vater und. Mutter unds Heimath, aufthaten, eintret,eykönnte.. Er zweifelte, und dW Zweifel führt, ein zweischneidiges. Messer. v Es gah Momente, wo sich Emaruel darüber freuete, daß sein Vaterdurch die ganze Woche nichts verdiente. So zeigte sich.ihm doch Mittel,, die Kluft, - die ihn nun ewig von ih:w^ trennen sollte-' zum Lheil.e. auszufüllen. Er wollte Gold hineinschütten,, so viel und so glänzendes Gold, daß es den Verpath überstrahlen sollte, den schwarzen brennenden Fleck semesj Lebens. Nichts sollte dem Wohlergehender Eltern mehr, glichen, er wollte sie mit einem Walle, von Glücksgütern umgebendann saß/der Vater in stiller Behäbig-,Leit zu Haus, und die Mutter sollte.-nicht mchr fragen : „Was hast Du für eine- Woche gehabt, Schimme?" seiner Schwester Rösele wollte ev die schönste. Hochzeit bereiten und Benjamin's Zukunft gesicherthaben,, damit der holde- Knabenicht zum Dorfgeherwerde Alles wollte er ebenen,, beschwichtigenstumm 'machen nur sollte man ihm dafür seine Claxa lassen. „Wiekommt das,. Gast,"- sagte- Rrbb Schimme an einem der letzten- Tage der Woche,, „.ichbin so müd' und matr., als hätt' ich mich mit einem. Wesen hrramgeschlagen; das kommt vielleicht-daher,, weit ich kein^ Geld verdien'?" „Vielleicht," en-tgegnete- Emanuel. beinahe gleichgiltig-, „ich weiß aber noch einen andern Grund. Soll ich ihn Euch sagen?" ' „Laßt hören," meinte-der Dorfgeher lächelnd. . „Es wird- Euch aber argen,, und dafür kann ich Nichts'. Weil Ihr Euch die,-ganze Woche keinen warmen Bissen gönnt, weil- Ihr- Zwiebel und! Käst' und Anderes was Eurem- Magen keine Kraft verleiht, genießt. Wir sollt Ihr nicht da-müd' und matt werden?" sM.e der. Dorfgeher, ,,Ihr könnt Recht haben, Fragt aber anders: Wo soll ich den warmen Bissen hernehmen?" Emanuel fühlte, hast er. ein. gewagtes Wort aussprechen wollte. „Gestern, als es gerade Mittag ward," begann er schüchtern, „kehret Ihr bei einem Bauer rin. Ich stand draußen und hörtesehr gut, wie- Euch die Bäuerin einlud, mitzueffen; Ihr-aber, was habt Ihr dazu gesagt? Ihr habt gesehen, wie Euch aus dem Staube machen-« Gleichdarauf verzehrten wir miteinander Brot mit schimmeligem Käst. Nun aber frag' ich Euchwas soll der Mensch-thun, wenn-ihm ein Anderer sagt: „Komm' her- und iß und sättige Dich , ich geb' Dir's gerne, Dubrauchst Dich nicht einmal dafür zu bedanken" — soll dader Mensch fliehen , als blickte ihn der Tod von jeder Gabelspitze an, und als läge Gift in jedem Tropfen Suppe oder soll er sich Hinsehen und fröhlich sein mit den Fröhlichen, und sich sättigen an der Gottesgabe, wenn sie auch manderen Töpfen bereitet wurde?" (F. f.) Notizen aus dem vorigen Jahrhundert. (Gesammelt von L. Weil in Lissa.) r 2. Jüdische Kinder in christlichen Schulen. In. K i! ssetö h ei m, einem Marktflecken tut Hcsscn- Darmstadt'schen (unters). Franks, a. M«) ist man schon vor 70 Jahren so tolerant gewesen, jüdischen Kindern den Besuch der christlichen Gemeindeschule zu gestatten. Einige jüd. Familienvater baten den wackern Lehrer,R. ihre Kinder in feigen öffentlichen Unterricht, schicken,'zu dürfen« Der Lehrer erlaubte es, und der Magistrat hatte seinerseits auch nichts dagegen. So besuchten denn, ungestört und nngeneckt von den Mitschülern, 8—10 jüd. Kinder die christliche Ortsschnle. Sie wurden lnach einem Berichte der ,,Deutschen Zeitung für fcte Jugend und ihre Freunde" Jahrg. 1781 Febr. Nr. 5) ini Lesen, Schreiben, Rechnen, wie in der Geographie und Naturgeschichte unterrichtet und machten tüchtige Fortschritte. — In Wyssek (Prov. Posen) sind vor noch nicht 2 Jahren die Inden-Kinder ans der Christenschule gejagt worden. * — •) Siehe Orient v. I. Personalchronik und Miscellen. Leipzig. Herr-Rabbiner Dr. Philippson in Magdeburg bat einen „Aufruf an die Rabbinen Preußens" bekannt gemacht, worin er auffordect, daß die Rabbiner endlich Schritte thun möchten, 'um die mit starken Schritten hereinbrechende Auflösung dtr Gemeinden zu verhüten. Die vielen Klagen, die über Zerrüttungen täglich emlaufen, machen es wünschenswert!), daß dieser treffliche Aufruf willige Herzen finden möge. Dessau. Wie in. allen Kirchen, so hat auch, in der Synagogeeiy. Trau ergo l.tesdien st, zum Gedachtniß der verstorbenen Herzogin: startge.funben. Rabb. Dr. Phi-lippson aus Magdeburg hielt dabei die. Predigt , die einen großen Eindruck gemacht. Wollstein lim GH. Posen). Die Gemeinde hat noch immer keinen Rabbiner und keine Religionsschule, seitdem Dr. Hirschfeld abgegangen. Prag, im Febr. Hier starb am 3. d. M. 45 Jahre alt der hiesige jüdische Wundarzt Israel Nachod als Opfer seines Dienstes. Er behandelte das Militär, unter welchem hier der Typhus rast. Der Leichenzug war in Anbetracht der Aufopferung und der Verdienste des Verstorbenen wahrhaft großartig und eine schuldige Anerkennung. Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.

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