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Der Orient · 1850-02-16 · Heft 7 (16.2.1850) · p. Seite 26

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 7 (16.2.1850)
Date
1850-02-16
Page
Seite 26 (sequence 3)
Language
German
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26 Theiluahme zuznwenden. — Diese Einladung hatte cutcf) einen günstigen Erfolg; und wenn es allerdings wünschenswerth wäre, die Versammlung zahlreicher besucht zu sehen, als sie war, so muß man hierbei dessenungeachtet -den allgemeinen bekannten Hnmanitätssinn der Berliner nicht verkennen, indem nicht nur viele Beitrittserklärungen, unter andern auch die, des Gemeinde-Vorstehers Hrn. H. Jakob erfolgten, sondern es hat auch ein hiesiger Bankier, in Folge der an ihn ergangenen Einladung, an den Vereins-Vorstand 25 Thlr. Übermacht, um diese Summe an 5 bewährte, mit dem Studium der Theologie sich beschäftigende junge Leute zu verabfolgen. — Die Sitzung, welche gegen 7 Uhr Abends eröffnet wurde, ist vom zeitigen Präses zuvörderst über die Leistungen des Vereins und den finanziellen Zustand vom verflossenen Jahre 1849 Bericht erstattet worden, aus, dem wir folgendes entnehmen. Die Ausgaben, welche 210 Thlr. betrugen sind von dm Einnahmen ziemlich gedeckt worden; in den oben angegebenen Disciplinen sind den unbefähigteren Mitgliedern 910 Lehrstunden ertheilt worden und für das Gymnasium wurden im verflossenen Jahre 2 Mitglieder vorbereitet, von denen der eine nach Secunda, der andere nach Tertia kam. — Nach andern minder wichtigen Mittheiluugen stattete der Präses im Namen des Vorstandes den Freunden und Gönnern des Vereins öffentlichen Dank ab, dem wir uns gern anschließen, indem wir diesem schönen Institute das ersprießliche Gedeihen und reichlichste Theiluahme von Herzen wünschen. — Berlin, im Febr. Der von den gewählten Repräsentanten unserer Gemeinde ernannte Vorstand hat jetzt den Rechnungsbericht über das Vermögen der Gemeinde von den Jahren 184? und 1848 abgelegt. Diese Rechmmgsablegung ist mit einer Ansprache an die hiestgen Gemeindemitglieder begleitet, in welcher auseincmdergesetzt wird, daß durch die rückstälrdigen Zahlungen der steuerverweigernden Reformgmossenschast ein Deficit von 3000 Thlr. bereits erfolgt und das Jahr 1849 ein zwei Mal so großes in Aussicht stellt. Soll, heißt es in der Ansprache, unsere Zwietracht oder unsere Engherzigkeit das Muster werden für die andern Gemeinden unseres Vaterlandes? Soll, wenn man jüdische Lehrer und Arme zurückweist, soll bei dem allgemeinen Verfall man sich auf die Berliner Gemeinde berufen dürfen? Der Vorstand appellirt an ,,den Gemcinsinn und die über dem Parteigeist erhabene Großherzigkeit" der Mitglieder, und schließt mit der Aufforderung, daß Keiner, dem das Wohl der Gemeinde am Herzen liegt, seinen Beitrag ferner zurückhalten möge. — Wir wollen es wünschen. — Hr. Dr. Stern hält seit einiger Zeit im Hotel de Russie Vorlesungen über die Ereignisse des Jahres 1848, die sehr zahlreich besucht sind. Der Eintrittspreis für jede Vorlesung ist auf 5 Sgr. festgesetzt. Die vom Vorbeter der hiesigen Reformgcnoffenschaft Hrn. A. Bernstein redigirte ,,llrwählerzeitrlng", ein hier stark gelesenes politisches Blatt, ist in der letzten Zeit wegen ihrer radikalen Leitartikel zwei Mal von der Polizei konfiseirt worden. Diese Konfiskation hat jedoch noch mehr zur Verbreitung des Blattes und zur Achtung des Redakteurs derselben beigetragen. — So wurde Hr. Bernstein unlängst von dem edlen Berliner Volks- Tribun Geh. Ober-Tribnnat-Rath Dr. W a l d e ck mit einem Besuche beehrt und dann vom Hrn. re. Waldeck zu Tische geladen. — Berlin, 5. Febr. Ein interessantes Kuriosum. Ueber unsere zweite Kammer bemerkte unlängst, die Ihren Lesern gewiß bekannte ,,Kreuzzeitung", die gern im 19. Jahrhundert einen mittelalterlichen Kreuzzug gegen die Juden Europa's unternehmen möchte, vertritt das Präsidium die drei im Staate bestehenden Konfessionen, so ist der erste Präsident, Graf von Schwerin evangelischer, der erste Vieeprästdent, Hr. Simson (getauft) jüdischer und der zweite Vieeprästdent, Hr. Lensing katholischer Religion. Es wäre demnächst, fügt sie hinzu, ein schreiendes Unrecht, daß man der jüdischen Konfession den Vorrang vor der katholischen giebt. — 0 sancta simplicitas. — Ueber unsere Verfassungs-Feierlichkeit, soweit ein jüdischer Standpunkt dabei anzuwenden ist, werde ich Ihnen in den nächsten Tagen berichten. Wir Israeliten Preußens haben Ursache zur Mitfeier dieses Festes, da bei aller Reaktion das Prinzip der Gleichstellung der Konfessionen nach, sich aufrecht erhalten, ein Prinzip, für das wir immer noch warm empfinden. — In Bezug auf jüdisch-literarische Erscheinungen bemerkt man hier sehr wenig, ungeachtet hier einige tüchtige Gelehrte und viele junge Theologen leben; ich wundere mich übrigens auch, daß so wenige junge Leute sich an literarischen Arbeiten Ihres trefflichen Literatirrblattes betheiligen. — Potsdam, 30. Jan. Ein erhebender Akt eigcnthümticher Art bot sich gestern unsrer Gemeinde dar. Ein hiesiges Geiueindemitglied, Hr. H i r sch b u r g, vermählte sich nämlich mit einer vor wenigen Wochen in Berlin zum Judenthmne übergegangenen Christin. — Das Gotteshaus, in welcher die Trauung stattsand, war derart gefüllt, daß unser Prediger Hr. Apolant nicht auf seinen Platz kommen konnte, sondern mußte bei seinem Eintritt in den Tempel sofort die Kanzel besteigen. In ergreifenden Worten und unter der lebhaftesten Theilnahme hielt Hr. Apolant die Predigt, wobei so manche Thränen, selbst von. den anwesenden Christen sich ans den Augen drängten. — Beiläufig muß hier noch bemerkt werden, daß die junge Proselytin mit Leib und Seele dem Judenthmne ergeben ist und sie gab bei ihrem Uebertritt dem Rabbinat in Berlin freiwillig die Versicherung, den israelitischen Frauen in Religiosität und Moralität , als nachahmungowerthes Muster voran-

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