Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1850-02-09 · 6 (9.2.1850) · p. Spalte 89-90

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1850
Issue
6 (9.2.1850)
Date
1850-02-09
Page
Spalte 89-90 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/8555529-9891031-9891037--6258-3535555
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

89 Studien, lieber den Bibelkanon des Fl. Josefus. 9V raffen/ sie zu den Büchern' „in denen die Propheten die Geschichte ihrer Acic geschrieben haben" zu rechnen? Wir haben gesehen, daß Josefus die von uns aufgezähllen 13 historischen Bücher benutzt, er laßt nichts vorbei, wo sr in ihnen irgend eine historische Notiz findet, da giebt er sie wieder; die Geschichte Jona's z. B. hätte in einer „vollständigen hebräischen Geschichte" ganz wohl fehlen dürfen, dennoch, erzählt er sie z von den 12 kleinen Propheten nennt er alle diejenigen, von denen' sich irgend etwas Faktisches angebcn ließ (s. Nr. 47, 743) — von Hiob aber schweigt er gänzlich; daraus wird cs höchst wahrscheinlich, daß er die Geschichte desselben nur für ein hielt, und wenn das auch nicht der Fall wäre, so rechnete er sie wenigstens gewiß nicht zur israelitischen Geschichte, also kann man auch das Buch nicht zu den 13 rechnen. Dagegen kann man es sehr wohl zu den „vier" zählen; mag er es als Lehrgedicht oder als Lehrerzählung betrachtet haben, immer ist das Didaktische die Hauptsache, also paßt es unter die Kategorie vitoQ'ri%c:i rov ßiov und wenn der Ausdruck zur Bezeichnung des B. Hiob auch passender hätte gewählt sein können, so ist ja klar, daß Josefus den Inhalt der vier Bücher nur kurz und beiläufig angeben wollte und da hat er (nach der Reihenfolge oder weil diese die bekanntesten waren) zunächst an Psalmen und Sprüche gedacht und a potiori die Benennung gewählt. Wir müssen also Hiob zu den vier Büchern rechnen und kehren nun zu der Frage zurück, wie wir aus den aufgezäylten 13 Büchern dreizehn machen, ob durch Verbindung von Sam. und Reg., oder von Jerem. und Klaget., oder dadurch, daß wir letztere auch zu den vier Büchern zählen. Diese dritte Weise hat gleich Mchreres gegen sich. Josefus legt die Klagel. einem Propheten bei/^ bezeichnet und citirt sie als historisches Dokument, den Ausdrücken v^voi und vTvo&faca würden wir ferner die größte Gewalt antl>un müssen, wollten wir die Klagel. darunter bringen, endlich wären wir dann genöthigt auch das H. L. dem Kanon des Josefus abzusprechen, und das werden wir doch ohneNoth nicht thun wollen. Aber auch gegen die Verbindung von Sam. und Reg. spricht ein wichtiger Umstand. Hätte Josefus sich nämlich an die Benennung der LXX gehalten und diese Bücher als ßactlsia betrachtet, so müßte er auch die Zahlung der LXX haben und vier B. d. Köm kennen, denn für eine Trennung der Benennung und Zählung fehlt jede historische Stütze. Da wir für vier aber keinen Raum haben, sondern höchstens für zwei, so müssen wir annehmen, daß sich Losefus an die jüdischen Namen bi<)£W 'D und 'D 164) Hierbei ist freilich nicht an den Unterschied zwischen HNO: nn unb. pnS zu denken, denn den kann Jos. in der Ärr wie er unsrer Eintheilung zu Grunde liegen soll, nicht gemacht haben; wir werden aber sehen, daß ihn doch ein ähnliches Prinzip geleint hat (vgl. Anm. 162). gehalten; dann müssen wir die Bücher aber auch getrennt lassen. Daher wird nichts übrig bleiben, als die Klagel. mit Jerem. zu verbinden und wir finden hier Mehreres, was dafür spricht. Wir haben nämlich erstens für diese Verbindung (ebenso wie für die von Richter und Ruth) ausreichende historische Belege;1G5 sodann bleibt auch schon deshalb nichts anders übrig, weil die Klagel. weder zu den vier Büchern gerechnet werden können, noch als selbstständiges Buch in die Kategorie der 13 paffen wollen. Daß sie aber als bloßer Anhang des B. Jeremia diesem seinen historisch-prophetischen Charakter nicht nehmen können, ist klar. (Uebrigens verweise ich auf das schon oben bei Besprechung der Klagel. (Nr. 48) Erörterte.) Wir hätten also den Bibelkanon des Josefus konstruirt, er besteht aus folgenden zwei und zwanzig Büchern in drei Klaffen: I. Kl. 1—5. Pentateuch; II. Kl. 6. Josua, 7. Richter-Ruth, 8. Samuel, 9. Könige, 10. Jesaja, 11 —12.Jeremias und Kläglicher, 13. Ezechiel [ober 11. Jerem. und Klgl. 12—13. Ezech.^j, 14. die Xll kleinen Propheten, 15. Daniel, 16. das crpokr. B. Esra, 17. das apokr. B. Esther, 18. Chronik; UL Kl. 19. Psalmen, 20. Sprüche, 21. Hiob, 22. Hohes Lied, Daß sich in den zuletzt gegebenen Berechnungen noch viel Hypothetisches und nicht fest genug Erwiesenes findet, wird 165) Nnch Hieronymus giebt die Verbindung dieser 4 Bücher zu zweien als genau in jüdische, die Trennung nur alsMeinung nonnuliorum an. Vgl. oben Nr.39. Sp.614. 166) Sollte man aber nicht Kohelet dadurch retten können, daß man es mit dem HL. zusammenlegte und annähme, Josefus habe beide für ein Buch gerechnet? Prideaux thut dies (s. Nr. 40, 63t), und wir selbst haben (das. Sp. 629) behauptet, daß auch diese Verbindung historisch begründet sei. — Diese Historische Begründung reicht aber für Josefus Zeit nicht aus. Zuerst in dem Kanon des Koncils zu Hippo (im I. 393. — Die Stelle bei de Welte §. 27 Anm. a) finden wir, „Salomoms iibri quinque*. sWeisheit und Sirach sind 4 und 5] für Eins gezählt. Diese Zusammenlegung der sämmtlichen salomonischen Schriften stammt erst aus dem Streben der katholischen Kirche alle Apokryphen in den Kanon zu bringen und doch die Zahl von 22 Büchern stehen zu lassen. Für Josefus Zeit ist keine Spur von Verbindung Kohelets mit dem HL., vielmehr sehen wir in der LXX wie bei den Juden und älteren Kirchenvätern ohne Ausnahme diese Bücher als zwei gesonderte betrachtetabgesehen davon, daß selbst bei dem Conc. Hippon. keine Verbindung dieser beiden vorkommt, sondern die aller salom. Schr. — Man wird uns ober nicht entgegnen; daß wir keiner historischen Belege bedürften um anzunehmen, daß Josefus diese beiden Bücher für uns betrachtet habe; denn wenn wir uns auf ganz unmotivirte Voraussetzungen einlassen wollen, so ist die ganze Berechnung vergeblich, weil man dann nach Beliebet) Bücher verbinden und trennen könnte, (z. B. Esra und Chronik, Josua und Richter u. s. w.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.