Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1850)
- Date
- 1850-02-09
- Page
- Seite 23 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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S alte Synagoge in der Seiteustättergasse, ein Werk des Architekten Kernhäusel, zu erweitern, wodurch nicht nur! der Beterraum auf 2000 Personen vergrößert werden, . sondern auch die bisher im Styl eines Wohnhauses gehaltene Stirnseite den Charakter eines Tempels erhalten - soll. Der Barr beginnt mit dein Frühjahre und muß ■, his zu den großen Festtagen fertig sein. — Aus Muhren, im Jan. Es wird Sie, Hr. 'Redakteur, gewiß nicht wundern, wo ich schon einige 0 Zeit mü meinen Berichten bleibe, da Sie nicht wissen, . daß »tut uns jetzt vor lauter Verfassungen fast nicht -'.1 fassen können. Wir haben bereits eine oktroirte, eine Synagogal- und eine Proßnitzer *-Verfassung. Die 0 auf den 4. November festgesetzte erste Landcs-Synago- " s gal-Versa»nu»lnug, wissen Sie bereits, daß sie sehr spcir- ’j lich urrd armselig ausfiel, da nur einige Rabbiner» ka- " men, und es konnte daher zu keinem Anfänge geschritten werden, und wem» auch ein verlegter Jahrmarkt selten jit gelingen pflegt, so »var sie am 31. s O Deeember weit besser und glänzender, es erschien an j i diesem Tage die Majorität. Daß man in einigen! ' Gemeiuder» für die Versammlung sehr euthusiasmirt »var, könne»» Sie daraus schließen, daß rnan in! der kleinen Judengerneiude in Prerau bei der die .Kassa schon tätigst an Abzehrung starb, von einigen j Mitgliedern j und Einlösungsscheine zmu Vorschein konrmcn ließ, um nur die Reisekosten des nach Nikols- : b»»rg zu seudmden Deputirteu bestreiten zu können, 's. Bei dem Entrvurf »vurde einiges vcnvorfen und einiges - äugenommen. Das Angenorutnene soll nächstens im 's Drucke erscheinen. Indessen befinden sich mehrere G<- »ueiltden in erbärmlicher Lage und in bedauernslverthem , Zerwürf»»»sse; Rabbiner und Lehrer »verden r»»cht besol- 1 dct. Die »nehrmalige Ge»neindeversa»n»uluug zurSteueranlage bleibt ohne er»vünschtes Resultat, »venn auch die s »nährischen Juden angebornes Talent zu zahlen Halen, 0 wen»» sie auch immer Anlage zu steuern zeigte»», ka»m 0 jetzt doch keine Steueranlage zu Stand korun»en. — In 1; emige»» Ge»»»einden »vill man die jüdisch-deutschen Normal- . s schulen total aufheben, »veil sie zlvecklos sind. Sach- 0 verständige Ettern haben vorinals, als der Privatuuter- -Kricht größerer Beschränku»»g unterworfen »var, ihre Kinder mittelst ärztlicher Dokumente zürn Vorrvande krank 0 melden lassen, darnit sie nicht zeit»)ersch»vendend die Schule ^zu besuchen brauchen. Der israelitische Gerneindevors standin L e ip n i k »vollte den 80jahrigen Normal-Schulsjlehrer Hrn. R o se n b a u m seines Dienstes entsetzen, »md!die Bedürfnisse auf den letzter» Stationen seiner irdischer» Lebensbahn nicht nur durch eine unbeträchtliche Pension; Mderu durch denselben Gehalt, den er früher hatte, te- 'i Ein von einigen Proßnitzer gelehrten Männern gefertigter cirkulirender Brief, der auch einen Entwurf einer mähr.-jüd. Gemeindeverfassung enthalt. D. E. friedigen. Die höhere Behörde ist dem Lehrer geneigt, und er verläßt nicht die Schule aus der von ihm selbst angegebenen Ursache, daß er nämlich die Schullokalität zu Verschiedenartigem verwenden kann; i»n MonatTischri zu einer einträglichen Synagoge; um Monat Adar zum Tar»zsaale; im Monat Nisan zur Fabrik der Mazot, dieses ist das elende Brod, »velches urrsere Eltern im Lande Mähren genießen; nachde»»» die Kinder aus der Schrrle vertrieben »vorder», konnten sich nicht säumen, »»»rd habe»» sich keiner» geistigen Vorrath bereitet. — In Boskvwitz soll der Israelit Hr. Lö»v Beer zum Bürgerrneister für die ganze Stadt gewählt worden sein. — In Proßr» i tz wüthet die Cholera heftig, urrd fordert daselbst edle Opfer, so starb auch M. Wannefried, einer der ausgezeichnetsten Talrnudgelehrten in Mahren. Friede seiner Asche! — B. Boseotvitz, 15. Jan. Durch die Bemührmg des hiesigen Bezirkshauptmannes ist es endlich gelungen, zlvischen der großen jüdischen Gemeirrde und der christlichen eine Versch»»»elznr»g zu Starrde zu bringen. Bis jetzt »var durch Ghetti's und andere mittelalterliche Gesetze eine völlige Scheidung. I»» dein nengewählten Gelneinderath »vurden in Folge dcssei» z»vei Israeliten ge»vählt. — Dänemark. Kopenhagen, 15. Jan. Vorn Kultusministerium »st iu Betreff der gemischten Ehen folgendes Gesetz ausgcgangen: ,,Mit Bezugnahme auf §§. 81 und 84 der Grundrechte ist es den Predigern der Landeskirche gestattet, Personen des »nosaischen Glaubensbekenntnisses mit Mitgliedern der Landeskirche ehelich zu verbinden, ohne dazu, »vie bisher, die kön. allerhöchste Erlaubniß uachzusuchen, jedoch mit der Verpflichtung für die betreffender» Personen, daß die Kinder, welche in einer solchen Ehe erzerrgt werden, in Uebereinstirnmung mit den bisher desfalls geltenden Gesetzen, in der evangelisch-lutherischen Retigior» erzogen »verden, und soll es »vie bisher den resp. Obrigkeiten obliegen, die Erfüllung dieser Vecpflichtur»g zu überwachen. Die Juden des östlichen London. Man beachte die Ueberschrift. Es soll hier lediglich von den Juden des östlichen London die Rede sein. Diese sind ein eigenes charakteristisches Geschlecht und haben »venig gemein mit ihren Stamm- und Glaubensgenossen in den übrigen Theilen Londons, namentlich mit denen im Westende, die von ihren christlichen Nachbarn sich so unsichtbar unterscheiden, daß ihnen blos ihre jüdische Herkunft verbleibt und sie »m Uebrigen als völlig auegearlet erscheinen. Der Jude des östlichen London ist desto echter, Israelit vom Scheitel bis zur Sohle, jeder Zoll ein Hebräer. Er lebt und stirbt, wo sein