Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1850)
- Date
- 1850-02-09
- Page
- Seite 22 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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22 meindeangehörigen oder von beiden zugleich ausgkngen; 4) welches die wahre und nicht gemachte, Stimmung in ihrem Bezirke in Ansehung derJudenemancipation überhaupt sei? Gegenwärtiges Circular ist durch Eilboten bei Tag und Nacht weiter zu befördern. Werneck, 17. Jan. 1850. Kön. Landgericht. Angermann. — Gegen dieses Circular richtete der berühmte Kreuzritter Sepp eine Interpellation , worin er in , diesem ein bureaukratisches Verfahren, ein Treibjagen gegen die Unterzeichner der bekannten Adressen findet. München, 24. Jan. Als eins der vielen Zeichen des furchtbaren Ingrimmes, mit welchen in Baiern die Emancipation der Juden dem weniger gebildeten Theile der Bevölkerung als ein öffentliches Unglück dargestellt wird , verdient ein Büchlein erwähnt zu werden, das kürzlich in Augsburg ans Licht der Wett trat und den interessanten Titel führt: „Jüdischer Guckkasten, darinnen zu sehen ist: 1) der Jud in seiner Wnth gegen Christus, seine Kirche und seine Anhänger, die Christen; 2) der Jud in seinem Betrug, Wucher, C'idesbruch, überhaupt in seinem ganzen redlichen Wandel und Handel. Gemacht für Bürger und Bauern, welche nicht von den jüdischen Wanzen wollen geplagt und gefressen werden. Von Jakob Giebtsnichtszuschachem."— Wenn der Katholicismns keine bessern Blüthen treiben kann, so beweist er, daß er bereits verfault ist. München, 24. Jan. Der Abgeordnete Fürst Wallerstein hat heute nachstehende Interpellation in der zweiten Kammer eiugereicht: 1) Ist dem königt. Ministerium bekannt, daß königl. Beamte ihre amtliche Autorität zur Förderung jener Agitation benutzen, welche von gewisser Seite gegen die Bestimmung der Grundrechte in Betreff der politischen Gleichheit aller Glaubensbekenntnisse ,, gegen den darauf gestützten und von den Ministern warm vertretenen Gesetzentwurf überEmancipation der israelitischen Glaubensgenossen, gegen den zustimmenden Beschluß der Kammer der Abgeordneten und die diesem Beschlüsse beigctretenen 91 Mitglieder der Abgeordneten - Kammer hervorgerufen wurde? 2) Ist dem königl. Ministerium bekannt, daß ein königl. Landgericht sämmtliche Gemeindevorsteher seines Bezirks ohne Angabe des Grundes vorgeladen, ihnen die Unterzeichuer einer solchen Adresse Namens ihrer Gemeindeverwaltungen angesonnen, ihrem Wunsche, sich erst mit der Gemeinde benehmen zu dürfen, kein Gehör gegeben und später gegen Gemeindeglieder, welche der abgedrungenen Adresse eine Gegcnadresse entgegen stellen wollten, Untersuchung eingeleitet hat? 3) Ist dem königl. Ministerium bekannt, daß während solche Adressen amtliche Unterstützung finden , Adressen des bairischen Landvolkvereins an die Kammer der Abgeordneten bezugs des gerechten Vollzugs der Ablösungsgesetzes u. s. w. hin, wcggenommen worden? Oesterreich. Krakau, 16. Jan. Endlich beginnt auch unsere Lage fich zu bessern. Die Bestimmungen des judenfeindlichen Stadtrathes, die 14,000 Juden ans den Kastmicrz zu beschränken, und trotz alten von ihm angeregten Petitionen gegen die Inden wurde von Wien aus die Gleichberechtigung mit aller Konsequenz anbefohlen und die Juden verlassen bereits zahlreich den Kasimierz. Wäre der Stadtrath nicht auch sonst als gutes Werkzeug zu gebrauchen, er würde entschieden abgesetzt worden sein. Pesth, 9. Jan. „Thut nichts, der Jude wird verbrannt"! sagt der Patriarch in Lesfings „Nathan". So oft die Zeitungen schon meldeten, daß den Juden in Ungarn die ihnen auferlegte Strafkontribution ganz oder theitweise erlassen wurde, und so sehr auch die hiesigen Juden schon selbst daran glaubten, so oft trifft diese immer eine ledige Enttäuschung. Gestern erhielt der Vorstand der Pesther Israeliten die ernstliche Aufforderung, Anstalten zu treffen, die erste Rate der noch zu zahlenden Summe von 2,300,000 fl. CM., die auf sämmtliche Juden in ganz Ungarn „mit Ausnahme der als loyal erwiesenen von Preßburg und Temcswar", reparilrt ist, zu erlegen. Die Summe von 2,300,900 Gulden muß in 4 Jahren in vierteljährigen Raten erlegt sein. Alle Juden müssen zahlen, ohne Ausnahme ob gut oder schlecht, keine Entlassnngs- oder Mildernngsgesuche werden angenommen, wer Jude ist muß zahlen, und wenn er auch sein Gut und Blut für Kaiser und Dynastie hergegeben, er wird bestraft, weil „der größte Theil der in Ungarn befindlichen Israeliten", so heißt es wörtlich in der Zuschrift an die Pesther Gemeinde, „durch schlechte Gesinnung und schändliche Handlungsweise die hierländige Revolution befürdert hat, indem ohne ihre Mitwirkung dieselbe nie eine solche Ausdehnung hätte gewinnen können"!! Also Kossuth, Baithyani, Perczel, Damjanich rc. thaten nichts gegen die Israeliten, sonst hätte man ja die verschiedenen Glaubensgenossen der Genannten (Lutheraner, Katholiken, Altgläubige) ebenso apart bestrafen müssen, wie die Israeliten, von denen bis jetzt, so viel wir wissen , nicht Einer des Hochverraths wegen zum Tode verurtheilt wurde. Aber es thut nichts, der Jude wird verbrannt — oder mit andern Worten: die Regierung braucht zwei Millionen dreimal hunderttausend Gulden, und die müssen die Juden zahlen — ob in Folge der „Gleichberechtigung" steht dahin. Wien, 14. Jan. Die Vergrößerung der hiesigen israel. Gemeinde, die fast 10,000 Seelen beträgt, läßt einen Umbau der Synagoge als nothwcndig erscheinen, da sie kaum 1200 Menschen saßt. Dieses Räumlichkeitöbedürfniß sowohl, als auch die cmaneipirte Stellung der Israeliten haben die Gemeinde bestimmt, die V: € i a