Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1850
- Issue
- 5 (2.2.1850)
- Date
- 1850-02-02
- Page
- Spalte 75-76 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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75., Studien. Henrik Herz. bergs messen kann., von welchen er doch sich durch eine stärkere Entwickelung der Charaktermomente unterscheidet. Seine .Bekanntschaft mit der französischen Literatur war bisher auf '.Moliöre-beschränkt; dieser und Dclavigne's ,,1’ecole des 'viellardsu blieben nicht ohne Einfluß auf die neue Richtung 'in der dramatischen Poesie und dem Lustspiele in reimenden Versen, daß er -1830 mit „Amors Geniestreiche" begann, welches sofort ungewöhnliches Glück machte nnd heute noch zürn Schmuck der dänischen Bühne gehört. In dieser Richtung lieferte er noch zwei Stücke — 1831 und 1835 — nämlich die hübsche Idylle: „Ein Tag auf der Insel Alfen" und „der einzige Fehler", welches letztere, obwohl es in poetischer Schönheit und künstlerischen Vollendung unzweifelhaft seine Vorgänger übettrifft, doch wesentlich wegen der wenigen populären Idee nicht in der Weise wie das erste, sich im Repertoir erhalten hat. Da Oehlenschlägers mächtiges Genie in einer langen Zieihe von Jahren das poetische Bewußtsein, des ganzen Volkes verschlungen, und da später Jagemann sich ein zahlreiches Publikum erworben hatte, verleitete, des ersteren außerordentlicher.St.offreichthum und des letzteren romantisch-sentimentalc Formlosigkeit, im Drama und Epos — so vortrefflich er auch. als Lyriker war — die Menge dazu, diese Eigenschaften als das.wahre Wesen der Poesie zu betrachten. Es entband jetzt eine außerordentliche Schaar von Nad'ahmern, die am. glücklichsten darin waren, die schwaä)en Seiten der großen Poeten, nachzuahmen. Die Menge, welche nur dieser .äußern, zufällige Gleichheit mit Dem, was sie früher begeistert uyd hingerissen hatte, bemerkte, nahm im Allgemeinen -alles Dieses für gute'Maare. Dieses führte nach und nach , -eine bemerkliche Vekderbnng des ästhetischen Geschmackes in .Dänemark herbei, und Alles deutete auf eine vollständige -Anarchie im. Reiche des Geschmacks hin, wenn nicht eine kräftige Reaktion eintrelen würde. Heiberg hatte mir ästhetischem Muthe und. Talent eine solche begonnen, allein erstand so gut wie allein, bis er in dem Verfasser „der Briefe eines 'Gespenstes" einen mächtigen Alliirten erhielt, der seine Zeit und. seine Mission so wohl verstund, daß er dem Spießbnrgerthum jede.Möglichkeit zur Verwechselung einer bestimmten Persönlichkeit mit der Sache abschnitt, und dergestalt.einen vollständigen Sieg gewann. Indessen begann man hin und. wieder in privaten Kreisen Hertz als „den großen Unbekannten" zu nennen; 1832 fand er sich selbst veranlaßt, den Schleier für die Neugierigen zu heben., und erntete jetzt im vollem Maße für sein anhaltendes Streben den schönen Lohn, Ehre und Ruhm ein. Ein Jahr später trat er mit königlichen Stipendien eine Reise nach Deutschland, Italien, der Schweiz und Frankreich an. Seine ersten Arbeiten nach seiner Heimkehr waren eine Oper, „die Corsarcn" kornponirt von Hartmann , „die Wege der Liebe", „Sammlung von dänischen Gesängen" — 1836 — und endlich 1837 das Meisterwerk seiner Muse „Svend Dyrings Haus", das durch die glückliche Verbindung der - Literarische Analekten. 7g Heldenlieder — Kjämgewiser — mit einer dramatischen Komposition von hoher und edler Schönheit eine bisher unbekannte Wirkung auf der Bühne hepvoöbrachte. Dieses durchaus dänische Nationalstück verdient in Deutschland bekannt zu werden, eignet sich aber seines Nationalcharakters wegen nicht für deutsche Bühnen, wie sich dies auch hinlänglich auf der berliner Bühne .bestätigt hat. Es muß überraschen, muntern Lustspüldichter, den lyrischen Satyriker plötzlich den Kothurn besteigen zu sehen und heftige, dämonische Leidcnfdjaften, den höchsten Pathos der Gefühle in der Sprache stärksten und innerlichsten Tönen aussprcchen zu hören. Eine Novelle „Stimmungen und Zustände", welche er 1839 herausgab, erweckte fast noch mehr Aufsehen, aber es mangelte ihr an künstlerischer Einheit, indem die konservativ-politische Tendenz, die sich in derben Ausfallen gegen, die dänischen liberalen zeigte, sich, nicht harmonisch in die sehr schön behandelte Erzählung hinein zu fügen schien. Ein. Vaudeville, „die Flucht nach Sprogö" — 1838 — und ein historisches Drama „Waldemar Atterdag", Morgen ist wieder Tag — letzteres erschien im Frühjahr 1842, machten kein Glück. Durch seine „lyrischen und dramatischen Gedichte",.!. Band 1840, machte man eigentlich erst Bekanntschaft mit Hertz als Lyriker. Man findet hier in den leichtesten.und zierlichsten Versen eine Tiefe, Gemüthlichkei: und Melancholie, welche man. vorauszusetzen nicht berechtigt war, da die bisher nnter seinen Namen in verschiedenen Zeitschriften. gufgenomirieaen Gedichte nichts in. dem Grade Ausgezeichnetes, enthielten. Als Lyriker ist er durch seine seltene Formsertigkeit und seinen musikalischen Instinkt, gleich heimisch und meisterhaft in allen Gebieten, von der beschreibenden. Ruhe der,Idylle bis zum.Pathos der Leidenschaft, von. dem Dunkel der Schwermut!) bis zu dem,strahlendesten festen Amor und Bachus. Die Gefühle bieren hier oft mit überraschender Stärke und Innerlick)keil hervor, aber in Folge seiner oben bezeichncten poetischen Nutur, zeigt sich seine Geistestiefe auch hier mehr in den Gedanken als in den Anschauungen. Wollte, man ihn allein in Hinsicht auf seine subjektive Lösung der Ausgabe, welche ec sich gestellt hat, beunheilen, so möchte man sagen, daß unter den dänischen Dichtern Keiner, und unter den Dichtern des Auslandes nur Schiller das Beispiel von einem so aushaltenden, treuen und geistvollen Kampfe für ein ästhetisches Ideal, wie Henrik Hertz darbieter. Er ist, was wir den Lesern noch mittheilen wollen und was sie betrüben wird, leider gänzlich taub. Literarische Analekten. Eine Duriante im Pijjrrt zu Par. Schekalim. In meinem Werke „B i b l i f ch - talmuds sch e Medicin" erwähne ich einer Lesart des Gaon Elijja Wilna im Pijjut zu Par. Schekalim, welche in das zu Grodno, 1799