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Der Orient · 1850-02-02 · 5 (2.2.1850) · p. Spalte 73-74

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Journal
Der Orient
Volume
1850
Issue
5 (2.2.1850)
Date
1850-02-02
Page
Spalte 73-74 (sequence 5)
Language
German
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73 Lebhaftigkeit des zeitigen Eindrucks auf das kindliche Gcmiilh» Die Liebe zu den Dichtern und der Dichtkunst war damals durch die wenig überwiegenden Interessen, die man halte, größer und allgemeiner als jetzt, und er war bereits als Jüngling mit Holberg, Ewald, Weste!, der ganzen nordischen Schule, Baggesen, Stahlbeck u. s. u\. wohl bekannt, r^j trat Oehlenschläger hervor und wurde, nachdem der ^rste Widerstand überwunden war, beinahe angebetet. Seine Gedichte und Dramen konnte Hertz, lange bevor er Student wurde, so gut als auswendig; doch mußte Shakespeare und Schack Staffeldt ihm im 16. oder 17. Jahre in die Hände fallen, um ihn desto mehr zu elektrisiren, und in mehren seiner ersten Versuche fand man Spuren der Nachahmung, besonders von dem letzteren. Die Meinung, die erst so viel später zur öffentlichen Gewißheit wurde, daß ein Poet in ihm stecke, wurde von ihm selbst und zunächst schon von seinem 14. Jahre an getheilt; und seine fruchtbarste Periode als Lyriker, tritt schon tn seinem 17. und 18. Zahre ein; allein von diesen Jünglingsarbeiten ist, so viel wir wissen, nichts gedruckt. Sein erstes gedrucktes Gedicht ist von 18l8, ein Lied zu einer Bellmannschen Melodie — in Semger Hilarius, Studentenlieder 1819. — Anstatt aber, wie oftmals andere Dichter sich genöthigt sehen, sich öffentlich vor Aller Augen zu entwickeln, bevor sie die Erkennung des Eigenen und des Wesens der Poesie erreicht haben, hatte Hertz das Glück, in ein paar gleichgesinnten Freunden, die mir Ernst gleiche Studien trieben, ein ganz privates Publikum und eine wachende Kritik während seiner ersten poetischen Entwickelung zu haben. Einer von diesen war der Metriker Dr. Thootsen, deffen Scharfsinn, Urteilskraft und Vertrautheit mit den alten Klassikern gewiß sehr fruchtbringend für Hertz und namentlich in Hinsicht der verständigen und formellen Elemente der Poesie gewesen ist. Aber im Gegensatz zu diesen für cinen werdenden Dichter sehr günstigen Umstände, zeigte jetzt auch, außer unglücklichen privaten Verhältnissen, die wohlbekannte Lebensprosa sich in Gestalt des Examens. Nachdem er 1817 Student geworden war, und die zwei ersten akademischen Proben mit bestem Charakter bestanden hatte, brachte er die nächsten sieben Jahre in einem mit seiner natürlichen Neigung und dem praktischen Ziele einer juristischen Amtsprüfung zu. Nach der Mutter Tod — 1814 ~ war er in dem Hause Nathanson's, des jetzigen Redakteurs der „Berling'schen Zeiiung" ausgenommen worden, dem er größtentheils seine Bildung zu verdanken hat. Aber dieses Haus, das damals der Sammelplatz der Ausgezeichnetsten der Literatur und Kunst war, gab mit seinen Zerstreuungen kaum starke Antriebe zu cinem beständigen Examenstudium ab. Er sah hier oftmals ^uggesen, gehörte aber selbst zur Oehlenschläger'schen Partei. Duß er nicht Lust fühlte, ein praktischer Jurist zu werden, ist begreiflich, obwohl einzelne Theile dieses Studiums ihn interessirten, so peinigte ihn doch der Gedanke an das Exawm, und er setzte dasselbe stets länger und länger aus, in- 7i dem er sich in heterogene Regionen z. B. .nordische Mythologie und persische Literatur und Mythengeschichte vertiefte. In einer Art Verzweiflung warf er sich 1824 über eine juristische Preisfrage — über den Rcchtsbegriff der Infamie — welche ihm die Goldmedaille der Universität verschaffte. Erst als er ein Jahr später das Zeugniß mir dem besten Charakter bekam, konnte, er mit Freiheit und erneuerter Lust der Poesie und Aesthetik sich hingeben. Wohl hatte er in jener Zwischenzeit nicht einen jeden Besuch der Musen fortgewiesen, aus dieser Zeit stammen viele Gedichte, und darunter verschiedene von' ausgezeichneter Schönheit und Frische, mitgetheilt in der von seinem Bruder, Sylvester Hertz, 1829— 1831 herausgcgebenen Monatsschrift für Unterhaltung"; jetzt folgten indessen mehre. Im Jahre 1828 gewann er durch Beantwortung dir ästhetischen Aufgabe der Universität — über die Einwirkung der Nationen auf ihre Dichter und dieser auf jene — wieder eine Preismedaille, und öffnete in demselben Jahre seine Bahn als dramatischer Dichter mit „Herr Burchard und seine Familie". Dieses Stück — aufgeführt 1827 — verrieth einen Verfaffer, der gründlich seinen Helberg studirt hatte, und wohl nicht deffen sprudelnde Laune, aber größerer Korrektheit und Konsequenz in der Charakterschilderung und Verständniß der Anordnung eines künstlerischen Ganzen besaß. Zwei weitere Komödien von fünf Akten, „Der Umziehtag" — aufgeführt 1828 — und „Emma, oder die heimliche Verlobung" — 1831 — zeigten Fortschritte in den oben erwähnten Vorzügen, ob auch nur die zweite, durch ihr kräftiges Lokalkolorit des gegenwärtigen Kopenhagener Lebens, auf der Bühne Glück machte, wo sie bis in letzterer Zeit sich zu erhalten gewußt hat. Diese drei Lustspiele kamen erst 1832 im Druck heraus, und die darin angegebene Richtung, die dänische Komödie als eine Malerei der Sitten des Mittelstandes unserer Tage zu erwecken, oder reichte seine Vollendung in ,,die Sparkasse" — aufgesührt 1836 — ein Stück, das mit seiner Einfachheit und Gediegenheit in Anlage und Ausführung höhere Anerkennung zu gewinnen scheint, je älter cs wird. Zum Vaudeville war sein Debüt weniger glücklicher, vielleicht weil das hier nochwendige Skizziren ihm nicht so natürlich ist, als die gründliche Ausführung. In dem ersten: „Liebe und Polizei" — 1827 suchte er einen neuen Effekt durch Verbindung des lyrisch-pathetischen und und des komisch - spießbürgerlichen Elementes; aber wiewohl die Wahl der Melodien ein ungewöhnliches Talent für diese Dichtungsart verrieth, war doch der Gegensatz der zwei Welten zu schwach und deren Tummelplatz zu beschränkt, um die vom Verfasser beabsichtigte Wirkung auf dem Theater Hervorbringen zu können. Das nächste „die Erben" — 1829 — zeichnete sich durch einen witzigen Dialog und komische Scene n aus, fand aber Widerstand wegen einiger Unwahrscheinlichkeir in der Auflösung. Im Jahr 1836 hatte Hertz, der nicht eher ein Gebiet verläßt, bis er Herr über dasselbe geworden, in „die Debatte im Polizeifreunde", ein Vaudeville hervorgebracht, welches im Ganzen sich mit den besten Heil- Studien. Kurze biogr. Skizzen. Henrik Herz.

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