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Der Orient · 1850-01-26 · 4 (26.1.1850) · p. Spalte 61-62

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Journal
Der Orient
Volume
1850
Issue
4 (26.1.1850)
Date
1850-01-26
Page
Spalte 61-62 (sequence 7)
Language
German
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61 Studien. Zur neuesten Geschichte der Juden in Mähren. 62 Wir glaubten einen großen Lbeil der in unserem religiösen Gemeinwesen erlebten unerfreulichen Erscheinungen auf den Umstand als nntwirkende Ursache zurückführen zu müssen, daß unsere Jugend, sobald sie in höhere Bürgerschulen, Gymnasien oder technische Bildungsanstalten ein treten, sofort dem eitern Eingehen in das tiefere Heiligthum unserer religiösen Schriften fremd werden, nach wenigen Jahren selbst die im Zugendunterrichte gewonnenen religiösen Eindrücke verwischt sind, und während ihnen alles Hohe und Herrliche im Gebete des allgemein Menschlichen eröffnet wird, die Eckenntniß des Hohen und Herrlichen im jüdischen Gebiete ihnen verschlossen bleibt. Wir hielten es daher für äußerst wichtig, diesem Uebel zu begegnen, und hielten uns verpflichtet, wenigstens an Einem Orte im Lande, wo die besten und meisten höhern Bildungsanstalten zu finden sind, den jüdischen Schülern derselben auch Gelegenheit zu einem Fortschreittn im höhern Religionsunterricht zu bieten, und bestimmten daher, daß unsere theologischakademische Anstalt an einem entsprechenden Orte errichtet, und deren Unterrichtsstunden so vertheilt werden sollen, daß dort die Schüler der Höhern Bürger-, Real- und technischen Schulen, so wie die des Gymnasiums täglich einen Theil des Unterrichtes in den höhern jüdischen Religionsgegenständen mitgemeßen können. c) Eben so erkannten wir es als heilige Aufgabe, die künftigen jüdischen Religionsdiener, als Rabbiner, Relkgionsweiser, Prediger, Lehrer und Vorbeter vollkommen mit der jüdisch-theologischen Wissenschaft für ihren Beruf auszurüsten und zugleich die allgemeinste Pflege der Wissenschaft des Ludenthums anzustreben. Die Erreichung dieser höchst wichtigen Zwecke hielten wir nur durch die Errichtung einer eigenen jädisch-theologischen akademischen Anstalt und der entsprechenden talmudischen Borbereitungsklassen (8« 37) möglich. Die bedeutendste Schwierigkeit, die uns hier zu überwinden war, lag in der Ausgabe, einen solchen Weg zu ermitteln, auf welchem unsere künftigen Theologen gleichzeitig und gleichmäßig gründliche jüdisch-theologische Tüchtigkeit und allgemeine gelehrte Wissenschaftlikeit erlangen können, ohne das eine oder das andere Gebiet zu vernachlässigen, und ohne übermäßige Verlängerung der gewöhnlichen Studienjahre. Wir bestimmten daher, daß an den Schulen der Bezirksorte ein dreijähriger talmudischer Vorbereitungs - Curs, der übrigens auch mit jeder andern Ortsschule verbunden werden kann, eröffnet werde; daß die künftigen jüdischen Theologen überdies noch ein Jahr speziell den talmudischen Studien unter Leitung des Bezirks-Rabbiners leben und sodann in die erste Abtheilung der akademischen Anstalt übergehen sollen. Während des vierjährigen Kursus dieser Abtheilung sollen dieselben zugleich privatim den Unterricht des Untergymnastums daselbst genießen, hierauf in die zweite Abteilung treten und während deren ebenfalls vierjährigen Kursus zugleich dstentlich das Obergymnasium frequentiren; und glauben wir auf diese Weise hinreichend und zweckmäßig dafür gesorgt zu haben, daß sodann unsere jungen Theologen jüdisch-theologisch und allgemein wissenschaftlich genügend vorbereitet in die letzte akademische Abtheilung treten können, um dort die letzte theologische Reife zu erlangen. Die speciellen Lehrpläne für diese Lehranstalten liegen in ihren Umrissen fertig und werden dem erst zu wählenden Landessynagogenrathe zur allfälligen Anwendung übergeben werden. Wie bei allen Anstalten so auch namentlich bei den Lehranstalten haben wir uns die Aufgabe gesetzt, mit möglichst geringen Kosten das möglichst vollkommene Ziel zu erlangen, so daß selbst in der kleinsten Synagoge das Wesentlichste der religiösen und bürgerlichen Bildung erreicht werden könne. Wesentlich wird aber die Ausführung der allgemeinen ortssynagogalen Lehranstalten durch specielle, für dieselben verfaßte Lehrbücher und hinlänglich dafür qualificirte Lehrer bedingt. Sollten diese Letzter» erst aus der neu zu gründenden höhern Bildungsanstalt hcrvorgehen, so würde dieses so sehnlichst anzustrebende Ziel in eine weite Ferne gerückt werden müssen. Wir waren daher bedacht, wo möglich einen Weg ausfindig zu machen, auf welchem dieses Ziel wenn gleich nur annäherungsweise in kürzerer Frist zu erreichen wäre, und hält der Oberlandesrabbiner, wenn cs ihm gegönnt sein würde, für Ausarbeitung entsprechender Lehrbücher und die Eröffnung eines kurzen Lehrkurses für strebsame bildungsfähige Lehrer die erforderliche Muße und Kräfte zu gewinnen, dieses Ziel für nicht unerreichbar. Geraumere Zeit der Reife wird aber jedenfalls die Reorganisation unserer Schulen fordern, wenn nicht durch verführtes, unreifes und mangelhaftes Stückwerk diese unsere heiligsten Hoffnungen für alle Zukunft vernichtet werden sollen. (Motiv k.) Die in den §§• 59—70 enthaltenen Bestimmungen hinsichtlich der Versorgung verschiedener Funktionen durch Einen synagogalen Angestellten, so wie die Einführung ^es Reiligions-Weiseramtes nJOin mio gingen aus der mehrerwähnten Rücksicht hervor, eine solche Ordnung der Verhältnisse zu ermitteln, daß selbst in dem kleinsten Kreise und mit den verhaltnißmäßig kleinsten MittelNf doch die wesentlichsten Aufgaben der jüdischen Religionslehre ihre gehörige Lösung finden können. Eine Rücksicht, die bei der möglich bevorstehenden Gestaltung vieler kleinen und kleinsten Gemeinden nie aus den Augen verloren werden darf. Mit diesen Bestimmungen soll keinem jetzt in einer kleinen Gemeinde bereits.Angestellten irgendwie in seinem Titel oder seiner Würde zu nahe getreten werden. Eben so wenig in Zukunft auch nur der kleinsten Gemeinde das Recht verkümmert werden, sich Angestellte höhern Ranges und Anstalten umfassendern Personals zu schaffen, sobald sie die dafür erforderlichen Mittel haben und verwen-

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