Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1850
- Issue
- 4 (26.1.1850)
- Date
- 1850-01-26
- Page
- Spalte 59-60 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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59 Kritiken. Dr. Studenzki's Rofe Ha-Jeladim, beurth. von Wunderbar. Hy vnwb NN'M vp O'IVN bhb rn.'n, vormehrte und verbesserte Auflage. Amsterdam, 1849, 12. Neueste Geschichte der Juden in Belgien, m englischer Uebersetzung in Jewish Chronicle, 1849. Kurze Ueberftchtem 2) D'lVn nsh D er Kinderarzt, vder: die Mittel, Kinderkrankheiten zu verhuteir, die Arten der schon ausgekrochencn zu unterscheiden, solche mit Hausmitteln zu heilen und zu erkennen, bei welchen Krnnkbeiten ärztliche Hilfe unentbehrlich ist, von M. Studenzki, Arzt 1. Klasse und Geburtshelfer in Warschau. (In hebräischer und deutscher Sprache geschrieben.) Warschau, 18-1?, 8. 324: S. Angezeigt von 3t« I. Wunderbar. Erwägt man die Form und den Inhalt derjenigen Schriften, welche ehemals einem großen Lheile, namentlich der Nutzern Volksklaffe unserer russisch - polnischen Glaubensgenossen und zwar bis noch vor wenigen Decennicn als unfehlbare Rathgeber in Kinderkrankheiten allgemein galten, die aber großtentheits nichts anderes als die Anweisung durch my’Dp und niöW diese oder jene Krankheiten zu heilen, viele Besprechungen gegen y-)?] py und höchstens dann und wann auch einige Quaksalbereien enthielten, — so müssen wir dm Zeitgeist, der mit mächtiger Kraft nunmehr auch hier, selbst bis zu der niedrigsten Volksklasse gedrungen ist, bewundern; indem dieselbe jenen abergläubischen und unästhetischen Mitteln bereits fast allen Kredit versagt, und sich nach bessern, natürlichen sehnt, zu der sie in Krankheiten ihre Zuflucht zuversichtlich nehmen möchte. Zu diesem Behufe sind bereits auch einige gute Gesundheits-Lehrbücher, und zwar meist Übersetzungen aus den Schriften berühmter Aerzte, in hebräischer Sprache erschienen, wovon Eliasberg's ay1? fcs'iß, welches eine Uebersetzung des Dr. Paulizki enthält, als das vorzüglichste zu betrachten isi. Doch war bis hierzu der Mangel eines solchen mediemischen Lehrbuches in populärer aber reiner jüdisch-deutscher Sprache sehr fühlbar, da nicht Alle, namentlich Frauen, der hebr. Sprache kundig sein können. Zw größerm Danke sind wir nun dem Hrn. Dr. Studenzki verpflichtet, der diesem Mangel, namentlich auf dem Gebiete der Kinderkrankheit durch obiges Buch abgeholfen hat. -Es ist ein Werk, welches nicht blos mit Benutzung vieler anerkannter mediemischen Schriften geschrieben, sondern auch noch mit den Resultaten der vieljährigen mediemischen Praxis des Verfassers bereichert worden ist, mithin seinem Zwecke vollständig entspricht. Es enthält in hebräischer und sinngetreuer deutscher Sprache aber mit jüdisch-deutschen Lettern 270 Paragraphen, welche in nachstehenden drei Hauptabtheilungen abgehandelt sind. 1. Ueber die Pflege der gesunden Kinder, die Erkenntmß der Krankheiten und Heilung derselben mit Hausmitteln, von der Geburt bis zum ersten Zahnen, oder 'des ersten Zeitraums des kindlichen Lebens. Diese Hauptabtheilung enthält 6 Abschnitte, wovon der erste derselben die Beschneidung sammt den krankhaften Zufällen nach derselben und deren Heilung mit Hausmitteln enthalt. 11. Ueber die Pflege der gefunden Kinder, die Erkenntnis; der Krankheiten und Heilung derselben, von dem Ausbruche der ersten bis zum Ausbruche der zweiten, oder der sogenannten bleibenden Zähne, d. h. der zweiten Periode des kindlichen Lebens. Diese Hauptabteilung enthält 5 Abschnitte. Ul. Ueber die Pflege der Kinder im dritten Zeiträume, oder vorn Ausbruche der zweiten Zähne bis zum Antritte der Mannbarkeit, enthält nur einen Abschnitt. Der hebr. Theil hat einen schönen recht flüssigen Styl, wobei der Verfasser seinem Vortrag, namentlich bei der Abhandlung über die Beschneidung, einen halachischen Anstrich zu geben wußte, und an einigen Stetten selbst die Mischna und den Talmud nicht unberührt gelassen, und auf diese Weise seinem Vortrag einen orthodoxen Nimbus verliehen hat. Dagegen ist der deutsche Theil streng theoretisch ohne vom medicinischen Ziele im geringsten abzuschweifen, in ziemlich reiner, aber nicht immer in fließender Sprache ahgefaßt, was dem Werke aber in sofern keinen Abbruch thun kann, da dieses Werk meist für populäre Leser berechnet ist. Bei aller möglichen Vollständigkeit, vermißt man dennoch in gedachtem Werke die Behandlung einiger wesentlicher Krankheiten, die unter der Jugend niedern Standes in Polen hier und da zu herrschen pflegten; namentlich gegen Krätze, Kopfgrind und Weichselzopf, welche gewöhnlich, in Folge übel angewandter Quaksalbereien, bedeutend um sich greifen, und eine fast unheilbare Plage zu werden pflegten, mithin gewiß doch hier nicht unerwähnt bleiben durften. Auch bedauern wir, daß der Verf. sein Werk nicht in der Art erscheinen lies, daß der hebräische vom deutschen Theil getrennt und besonders ausgegeben werden konnte, weil dasselbe dadurch sehr vertheuert worden ist (es kostet i Rubel 20 Kop. SM.). —- Zur neueste» Geschichte der Juden in Mähren. (Fortsetzung.) Wir waren nämlich von der Ueberzeugung durchdrungen, daß die Zukunft unserer innern religiösen Entwickelung nur dann zu einem heilsamen Ziele gelangen könne, wenn in unserem Kreise die allgemeine humane Bildung Hand in Hand mit der religiösen gehe, wenn namentlich diejenigen, die aus dem Born der allgemeinen Wissenschaftlichkeit getrunken, mit gleicher Liebe und gleichem Ernst den Geist den Juderithums in sich ausgenommen.