Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1850)
- Date
- 1850-01-26
- Page
- Seite 14 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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14 hat, cingelaufen. — Unsere Theatillcrkirche hatte vor einigen Tagen einen Anschlag mit der Aufschrift: „Maxmilia II, König der Inden.^ Man kann daraus auf den Patriotismus unserer guten Baiern schließen. Es ist das-derselbe ehrenvolle Titel, welchell die Heiden dem Heilande des Christenthums, Jesus Christus, gaben. Berlin, im Jan. Ihr Berliner Korrespondent mit dem Stern scheint in der letzten Zeit fernen Sitz 1 unter die Sterne versetzt zu haben, oder das orientalische Interesse hat dem politischen den Platz räumen müssen. Denn wenn es allerdings nicht geläugnet werden kann, daß seit der März-Erhebung, oder besser um mich ministeriell auszndrncken, seit den Zuständen der Anarchie %ax s^o^v Berlln den Centralpunkt von ganz Deutschland bildete und hierdurch alles andere mehr oderweniger beachtet wurde, so dürfte sich dennoch, in einer Gemeinde wie die hiesige, so manches darbieten, das Ihre Leser interessiren fbunte. Gestatten Sie mir demnächst, Ihnen folgendes zu berichten. Unser Prediger Hr. Dr. Sachs hat vor Kurzem wiederum, wie vor ungefähr 4 Jahren, einen Cyklus von Vorlesungen, die er einmal wöchentlich hält, eröffnet. Auf eine leichte, verständige und faßliche Weise entwickelt er die in den Psalmen enthaltenen religiösen Ideen und interpretirt die schwierigern Stellen mit Hilfe des Midrasch und andern alten jüdischen Kommentatoren. — Die Theiluahmean diesen Vorlesungen scheint jedoch geringer zu sein, als man hier erwarten dürfte, dessenungeachtet beabsichtigen viele Zuhörer, zu denen auch beiläufig bemerkt, Hr. Major Burg gehört, Hm. Dr. Sachs nächstens einen silbernen Pokal, als Ehrengeschenk zu überreichen. . Die Zahl der am hiesigen Orte studirenden jungen Theologen, die seit dem Jahre des Heils 1848 ohnehin nur eine geringe war. indem viele von ihllen,- gelockt durch die schönem Aussichten, die die längst ersehnte Emancipation bot, dem Studium der „Gottesgelahrtheit" den Rücken wandten und es vorzogen, dem Staate ihre Dienste und Leistungen zu widmen, verringert sich fast mit jedem Tage. So sind in der letzten Zeit, von den vorzüglichem und tüchtigem, mehrere theils als Prediger, theils als Rabbiner installirt worden, von deren Wirkungen wir uns mit Recht viel versprechen dürfen. Zuvörderst müssen wir hier des Hm. Dr.Lazarus erwähnen, eincs jungen Theologen mit vielem Talent. Hr. Dr. Lazarus, der, was sein talmudisches Wissen betrifft, so manchem polnischen Rabbiner zur Seite gestellt werden kann, und außerdem mit einer gediegenen philosophischen Bildung ausgerüstet ist, übernimmt vom 1. März d. I. ab, die in Prenzlau erledigte Rabbinatsstelle. Wir erwarten sehr viel von den Leistungen dieses allseitig gebildeten jungen Rabbiners und wünschen der Gemeinde Glück, welcher es gelang, eine sv l ch e Apmsition zu machen. Doch nehme ich mein Wort zurück, oder ich möchte überhaupt an die Möglichkeit eines guten Rabbiners zweifeln, wenn Hr. L. in feinem Amte dann nichts für die Theologie und die Wissenschaft des Rabbinismus thut. Auch unsere Nachbarstadt Potsdam, in der schon seit den Zeiten Friedrich des Großen eine israelitische Gemeinde besteht, die sich jedoch bis vor wenigen Wo-! che:: mit einem bloßen Schächter und Vorbeter behalf, kreirte unlängst Hm. Dr. Apolant von hier zum Prediger. Hr. Apolant, der bereits feit Oktober v. I. sein Amt mit vieler Umsicht und Gewandtheit verwaltet, hat sich sowohl durch seine gediegenen Predigten, wie auch durch gewissenhafte Leitung des Religionsunterrichts, die Liebe und Achtung aller Gemeindelnitglieder erwor-> ben und so ist es ihm, schon während seiner nur kurzen Alutsthätigkeit gelungen, so manches schöne Resultat zu erzielen, ohne hierdurch irgend eine Spaltung in der Gemeinde hcrvorznbringett, wie es gewöhnlich teil angehenden Rabbi neu geschehen pflegt. Auch die Wissenschaft erwartet so Manches von ihm. Berlin, im Jan. Wie ans fast allen hiesigen Zeitungen ersichtlich ist, soll das hier bestehende jüdische Seminar, dem Hr. Dr. Zn uz als Direktor vorsteht, vom zeitigen Vorstand der Gemeinde aufgehoben werden und wird das politisch-radikale Streben des Dr. Znnz in den hiesigen demokratischen Vereinen als Grund des Auflösens ailgegeben. (Uns fällt hierbei die vor einigen Jahren vom E.rminister Eichhorn ungeordnete Amtssuspcllsion, des sich um dieVolksbildlUlg in Preußen so sehr verdient gemachten Seminardirektors Diesterwcg ein.) Ml novi sub sole. Oesterreich. Krakau, 5 Jan. * Wir haben wieder in die Annalen des österreichischen Kriminalgerichcs einen Fall zu verzeichnen, wo .bei der anerkanntesten Unparteilichkeit des Gesetzes und der Richter die Schuldigen ungestraft entlasten wurden, trotz der moralischen Neberzeugung, daß die Urheber des furchtbaren Mordes dem Gerichte überantwortet waren. Im Monat September 1848 wurde der israelitische Prediger Dr. Kohn in Lemberg sammt seiner Familie mit Arsenik vergiftet. Die Frau und zwei Kinder wurden gerMet, der Vater und das jüngste Kind starben, und die ftattgefundene Vergiftung wurde von den Aerzren -konstacirt. Als Mörder des edlen Mannes nannte die öffentliche Stiinme die Führer der jüdisch-orthodoxen Partei, welche Jahre lang einen verzweifelten Kampf gegen die israelitischen Lichtsrennde und ihren Prediger führten, diesen schon mehrmals moralisch und *) Obgleich dieser Artikel, von einem fanatischer, Reformisten ausgehend, mit Parlelteidenschaft geschrieben ist, so stehe ich doch nicht an, üm hier mitzurheilen, zumal die Data darin vollkommen richtig sind. ■ '■ pH f lie Ji , ih! po 1)0 > ge - R!; bic . §f zu ge, m kei •■i zu IDC mi /. wl 9n " M; : zu! I i1>c ■; üVi feil; . lig ' i u >1 ' Sc un :j gei ./ -i cee ' ”! du; M P. ■•ä es m , 'j m;:lhx i de S1 NI il V ' di ■1 2 V w u di :‘-?§ n d :11 d h :3 i;| b \ n B ti