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Der Orient · 1850-01-19 · 3 (19.1.1850) · p. Spalte 43-44

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Journal
Der Orient
Volume
1850
Issue
3 (19.1.1850)
Date
1850-01-19
Page
Spalte 43-44 (sequence 6)
Language
German
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43 Verfasser derselben füglich - eine Bekanntschaft mit griechischer Litecamr voraussetzen, mithin die Abfassungszeit des apokryphifchen Buches nicht früher als in die Zeit der mittleren Ptolemäer setzen darf.153 wie es da steht, unmöglich ursprünglich griechisch geschrieben sein könne. Die Sprache ist so holperig, mitunter fast unverständlich, daß es nur eine etwas unbeholfene Uebrrsetzung aus einem, weil es neu und rhetorisch sein sollte, ebenfalls unbeholfen stylisirten Originale sein kann. Die Vulgata, die sonst ln den apokryphischen Stücken der l*XX getreu folgt, hat sich darum genöthigt gesehen, hier (XVI, 3 33.) ganz frei zu übersetzen. — Der Schluß des Ediktes ist übrigens mit vielem Geschick in den -Dxtvers (8, 14) eingepaßt; wieder ein Arguiuent dafür, daß es nicht für sich, als bloße Zugabe, aufgesetzt worden. 153) Etwas Näheres über die Abfassungszeit wird auch aus dem Epigraph des Buches in der LXX (Vulg. XI, 15 Luth. Kap. V, ein einziger Vers) nicht zu ermitteln sein. Dieses Epigraph, welches mit dem oben verurlheilten Epilog, obgleich es daran gehängt ist, nichts weiter zu thun hat, dessen vorsichtige Angaben seiner Glaubwürdigkeit vielmehr ein günstiges Zeugniß geben, lautet: „Im vierten Jahre der Regierung des P t 0 l e m ä u s und der Kleopatra brachte {elgrjvi-yue) £)otitt)euö, welcher sich für einen Priester und Leviten ausgab (o§ icprj tivcu iSQSvg nai AEvirqg — Vulg. qui se sacerdutem et Levitici geueris fcrebat), und sein Sohn Ptolemäus den vorliegenden Purim-Brief, wie sie ihn nannten (etuczoXtjv rav $>QOVQcd, tjv Ktpotoav slvcu) und »sagten) daß er übersetzt sei durch Lysiinachus, Sohn des Ptolemäus, zu Jerusalem." Zu sigrjveyM muß, glaube ich, nach Egypten hinzugedacht werden; Eichhorn (Einl. tz« 163) übersetzt: überreichten dem Könige. Vulg. übersetzt außerdem noch anders: baue epistolam l’hunni, quam dixeiunt iuterpretatum vsse Lysin». , was wegen des Kal 'tfQ(i7]vsvH8vca nicht wohl gehr. — Zuvörderst ist hicr nur die Zeit der Uebersetzung nicht näher bestimmt, (wie Eichh.!. l. annimmt; dagegen schon de Wette Z. 41, Anm. e. wie auch gegen das „Ueberreichen";) sondern nur die Zeit, wann das Buch nach Egypten gekommen; aber wir haben dadurch auch nicht einmal einen bestimmten terminus ad qut-m, weil es viele Ptolemäus und Kleopatra gab. Eichhorn (8- 163. 164. 511) setzt Prol. Philometor, aber ohne weitere Begründung. Man konnte nun folgendermaßen supponiron: Der Beisatz,.und Kleopatra" soll jedenfalls den Ptolemäus kenntlich machen, was sonst durch den Beinamen geschieht. Nun könnte dies entweder bei dem ersten Ptolemäer, der eine Kleopatra. zur Frau hatte, der Fall sein, und das wäre Ptolem. V. Epiphanes (204—181); oder man könnte an Ptol. VI. Philometor (181—145) denken, dessen M u tter Kleopatra Vormünderin und Regentim war. (Vgl. Jos. Ant. XIII, 3. „Ptolemäus und Kleopatra" wo auch Phi- Lom. gemeint ist, nur muß dort Kleopatra die Gemahlin sei, denn die Mutter starb 173 und das dort Erwähnte — die Erbauung des Tempels zu Heliopolis — fällt später.) Die Übersetzung dürfte dann, schon des oben im Texte angegebenen Grundes wegen, dem Ueberbringer nach Egypten nicht lange voraus gegangen sein. Wäre sie sonach, wie Eichhorn annimmt, älter als die der Propheten, so könnte man dies daraus erklären, daß das B. Esther, wie der Pentateuch in 41 Wir kehren nun, nach dieser Digression, zu der Frage: wie wir uns das Verhältnis' dcs Josefus zu diesem jetzt erwiesen apokryphischen^ Buche und seine Ansicht über dasselbe zu denken haben? Zwei ganz entgegengesetzte Auffassungen scheinen sich hier darzubieten. Man könnte rermuthen, daß hinter dem Original des apokryphischen B. Esther nur ein chaldäischesLargum zu suchen sei, dem Josefus, ohne der Kanonicität des hebräischen Buches zu nahe zu treten, unbedenklich folgen durfte. (Fortsetzung folgt.) Literarische Analekten Die BeZetttuttg des Wortes mp im Talmud. In Bezug auf den schon bereits von Hrn. Dr. Fürst in diesen Blättern erwähnten talmudischen Ausdruck {op für „Schriflkenner" , erlaube ich mir hierdurch etwas ausführlicher auf diesen Gegenstand zurückzukommen. Daß dieser Ausdruck im Talmud lediglich Demjenigen als Prädikat beigelcgt wurde, der sich als gelehrter Bibel.- kenner auszeichnete, eben so wie man einen gelehrten Kenner der Mischna und des Talmuds >rD nannte, oder etwa wie man jetzt einen solchen „pft1?" nennt —, glaube ich aus Nachstehendem zu beweisen. Schon des Grundsatzes wegen nrLV \\* sroDttf CTO1 HD ’pj/D DHlbyn1? \N5!n „Geschriebenes Gesetz darf nicht mündlich vorgetragen werden", wurden Abschnitte und Verse aus der heiligen Schrift nicht mündlich vorgetragen, sondern schriftlich verlesen, wie es in der Bibel auch ausdrücklich heißt: nxtn minn HN topn „Du sollst ihnen diese Lehre vorlesen" (5 Mos. 31, 11), und daß snp nicht eigentlich ein mündlicher Vortrag bedeute, sondern sich nach Umständen durchaus auf „Lesen" beziehe., geht aus Jes. den Synagogen gebraucht wurde, oder weil durch diese Uebersetzung und Verpflanzung derselben nach Egypten, das Purimfeft dort verbreitet werden sollte. So könnten wir die „Ueberbringung" ins Jahr 177 setzen (wenn Kleopatra die Mutter sein soll), die Uebersetzung durch Lysimachus um 200, die Bearbeitung (Redaktion) des apokr. Buches um 220. Neuere Kritiker sehen freilich die Abfassung des kanonischen B. Esther erst in die Makkabäerzeit (so auch Frankel in seiner Zeitschrift 1. S.. 111), dann wäre bei Ptolem. und Kleop. vielleicht gar an die letzte Kleopatra und ihren Bruder Ptolemäus (Lahr 4—48 v. Ehr.) zu denken. 154) Dieser gebräuchliche Name deckt freilich hier den Begriff durchaus nicht. Besser wäre „de uter 0 kan 0 nisch" oder mera ka n0 nisch, d. h. ein nach einem kanonischen frei bearbeitetes Buch. Studien.. Literarische Analekten^

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