Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1850
- Issue
- 2 (12.1.1850)
- Date
- 1850-01-12
- Page
- Spalte 25-26 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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25 26 Studien. Der Bibelkanon des Fl. Josefuß. das Resultat gewonnen: daß die „Stücke in Esther" nicht von dem Verfasser der S,XX herrühren, sondern demselben in einem hebräischen (ober chaldäischen, wovon weiter unten), Originale Vorgelegen haben müssen. — Nun charakterisirt sich aber die LXX nicht bloß durch diese größeren, apokrypyischen Stücke, sondern sie ist durchgehends mit kleinen Zuthaten durchflochten, von denen sich bei JosefuS die oben (Anm. 134) angeführten finden, die sich wohl säirinnlich bei ihm finden würden, wenn er nicht hier, wie überall in den erzählenden Stücken der Urkunde keineswegs genau sich angeschlossen hätte; erwägen wir ferner, daß gerade jene zweite oben (sub 3, B.) angeführte Stelle, die ebenfalls in einem Original vorhanden gewesen sein muß, zu diesen kleinen Einschiebseln gehört; so können wir ganz unbedenklich annehmen, daß der LXX und dem zweiten Uebersetzer (resp. dem Jofefus) eine von unserm kanonischen B. Esther verschiedenes, durch größere und kleinere Aurhaten sowie allerlei Abänderungen kenntliches, Original, d. h. eine andere Rccension des ganzen Buches oder: ein a p o k r y p h i sch e s B u ch E st h e r hebräisch (oder chaldäisch) Vorgelegen habe; von besondern „Stücken," die der Uebersetzer selbst verfaßt und eingeschobm, oder atö Beilagen (so Ber tho ld) beigegeben habe, werden wir aber nicht mehr redend" wäre der Zweifel vollkommen gelöst. — Uebrigens bedarf es kaum der Bemerkung, daß unter einer „zweiten Uebersetzung" auch ebensogut eine bloße abermalige Recension, Durchsicht der altern, mit Zuziehung des Originals, verstanden werden kann; und zwar paßt dies wegen der hin und wieder übereinstimmenden Ausdrücke (oben Nr. 4.) noch besser als die Annahme einer ganz neuen Uebersetzung. 144) Ich führe hier nur noch diejenigen Eigenrhümlichkeiten der Erzählung des Jofefus an, die oben (Ainn. 134 und 137) übergangen wurden, weil sie dort noch zu leicht befunden sein würden, um etwas zu beweisen, jetzt aber zur Bestätigung des Gefundenen dienen können. Zwar versteht es sich von selbst, daß Jos. diese Geschichte, wie fast jedes Blatt seiner Archäologie, mit kleinen Zutharen, Verzierungen u. dergl. bereichert hat; (dahin gehört z. B. Arraxerxes desikhlt, im ganzen Lande Feiertage und Festlichkeiten während seines Susa- Gafilnahlls zu Hallen (§. 1); es findet sich, daß Einer eine Catrapie erhalten u. s. w. zu 6, 1 — 2; ein anderer Uebergang zwischen 6, 3 und 4; ein kleines Gespräch zwischen Haman uud Mardechai bei 6, il. (alles §> 10); njnnn hat den Galgen schon Tags zuvor gesehen u. s. w. (§. il.) und Aehnliches —) und solche Stellen kommen hier nicht in Betracht, da jeder mit b<c Schreibart des Jos. Vertraute weiß, daß er solche Zugaben ex ingenio genommen, und an abweichende schriftliche Quellen dabei nicht zu denken ist. Ob die Angabe von vierhundert Mädchen (zu 2, 12) §«.2* zu den Erfindungen gehöre oder im Jofefus Urkunde gestanden, lasse ich dahingestellt; daß aber das mDN nntt/D einen Monat dauert, (LXX 2, 18: sieben Tage, im Hebr. gar keine Zeitbestimmung), muß wohl einer Verschiedenheit in der Urkunde zugeschrieben werden; 40.000 Talente (statt 10,000, hebr. und LXX 3, 9.) §. 5 beweisen wieder nichts, da sich Zahl-Varianten bei Jos. gar zu oft finden; wenn aber §. 4 angegeben ist: ein Jude Names Barnabazos entdeckt dem Mard. die Verschwörung der zwei Eunuchen, was sich weder .Wie haben wir uns nun das Verhältniß des Jofefus zu diesen beiden Büchern, dem kanonischen und dem apokryphischen zu denken? Wir haben oben bei den BB. Esra-Neh. annehmen müssen, daß er dieselben nicht gehabt (nicht gekannt); können oder müssen wir hier ebenso anncbmen? Eine Nothwendigkeit liegt diesmal durchaus nicht vor, — diese könnte nämlich nur dann erhärtet werden, wenn das kanonische Buch bedeutende Daten enthielte, welche in dem apokryphlschen und bei Jofefus gleichmäßig fehlten, wie das bei Esra- Nehemia der Fall ist — aber auch für wahrscheinlich wird cs wohl von vornherein Niemand halten, denn das B. Esther wurde ja jährlich vorgelesenund mußte darum dem Jostsus bekannt sein. — Aber vielleicht wurde damals das apokryphische fBuch vorgelesen; 'vielleicht ist dieses als das echte, das kanonische als eine abkürzende Bearbeitung desselben zu betrachten? Dies führt uns zu einer weiteren Betrachtung des Verhältnisses beider Bücher. 14<i D e Wette bemerkt (a. a. O.): „daß diese Zusätze unecht seien, erhellt aus den Widersprüchen, die sich zwischen ihnen und dem übrigen Texte finden — — und aus dem religiösen Tone." Die von ihm angeführten Widersprüche finden sich aber, bis auf einen nur in dem von uns bisher noch nicht erwähnten. Prologe der LXX. Dieser Prolog (LXX vor I, 1. Vulg. XI, 2 — Xli, 6; Luth. Kap. 7) enthaltend den Traum Mardechai's, charakterisirt sich, wie der dazu gehörige Epilog, (LXX nach 10, 3. Vulg» X, bei LXX findet (vergl. Anm. 147^ noch mit dem bekannten Midrasch überein stimmt, so kann, der Namenangabe wegen, wehl nicht gezweifelt werden, daß Jos. dies so gelesen habe. Um die dem Jos. eigenthümiichen Angaben vollständig anzuführen, werde noch bemerke, daß er §. 2 den Mard. in Babylon wohnen und von da mit Esther nach Susa ziehen läßt. Hat er (oder der Uebersetzer) vielleicht das ^22 (2, 6.) als accus, loc. — genommen, weil etwa gefehlt? — Won der LXX weicht auch noch ab, daß Jofefus den Mordechai Efther's fttlog (Oheim) nennt, während LXX 2, 7. nn fU „Tochter seines Vaterbruders" übersetzt, wo also Mordech. nicht ihr Oheim wäre. 145) Von der Vorlesung sagt zwar Jofefus selbst, wie die Urkunde nichts; wohl aber, daß das Purimfeft von allen Juden in der Welt [ituvxsg ol iv xrj ol'aov^svrj ’lovdo'ioO begangen werde; (und zwar überall zwei Tage, worauf einzugehen hier nicht der Ort); indessen wird an dem Alter des Instituts von pjb.lD frnpQ wohl Niemand zweifeln. — Ueberhaupt wird sich, in Hinsicht auf Jofefus Verhältniß zu Esra-Nehem. und Esther Jedem die Parallele unsrer (und früherer) Zeiten bieten, da auch jetzt das B. Ester den Juden sehr bekannt, Esra-Nehem. hingegen auch dem s. g. nDDjrn' terra incognita ist. Indessen ist dieSache doch damit nicht abgethan. 146) Wir haben schon früher hervorgehoben, daß es erforderlich sei, über den Charakter der von Jos. benutzten apokryph. B. genaue Auskunft zu erlangen. Beim E. A. haben wir diese Untersuchungen verschoben, hier, wo wir uns kürzer fassen können, mögen sie gleich folgen.