Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1850-01-12 · Heft 2 (12.1.1850) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 2 (12.1.1850)
Date
1850-01-12
Page
Seite 7 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2360092-2360634-2360637--6988-3535493
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

7 fäl)r noch folgende Notizen über die Anstalt aus dem verflossenen Schuljahre. Der Kursus wurde mit 83 Schülerinnen eröffnet und schließt mir 102. Der Vorstand erlitt einen fyrben Verlust durch den Tod eines Langjährigen und thäligen Mitgliedes, des Dr. Francolm, wurde oder durch die glückliche Wahl der Herrn S. I. Lewy,■ WoUheim, sowie der Damen Frank und Fanny Bauer ergänze und erweitert, die nun im Verein mit den früheren Vorstandsmitgliedern rüstig daran gehen wollen, dieser Anstalt, welche nur sehr geringe Mittel besitzt, ihre vollen Kräfte zu widmen, damit der segensreiche Wirkungskreis derselben .von den mancherlei Entbehrungen, an denen sie selbst und ihre nächsten Mitarbeiter, die Lehrer, durch ein höchst karges Honorar sür große und und erfolgreiche Mühe laboriren, endlich befreit, und dem gefühlten Bedürfnisse angemessen, auch noch erweitert werden Lonne. Möge daher die hierauf bezügliche Ansprache, dir Herr Dr. Geiger an die Versammlung in eindringlichen Worten richtete, recht beherzigt und der Anstalt auch in pekuniärer Beziehung die Teilnahme geschenkt werden, die sie Ln jeder Hinsicht verdient.' Leipzig, 23. Decbr. Der Prediger und Religionslehrer der hiesigen israelitischen Gemeinde, Ad. Iell inek, hat die von ihm am 22. Okt. 1849 in der großen Synagoge zu Ungarisch-Brot gehaltene Traurede bei der Vermählung seines Bruders in Druck gegeben. (Leipz. C. L. Fritzsche.) Text der Rede ist 1. Mos. 9, 16. Der Regenbogen soll dem Brautpaare sein eine Mahnung zum Glauben an Gott, zur Liebe zu w ott und zur Hoffnung in und durch Gott. Die Weihe erfolgt nach der Bejahung folgender drei Fragen: „Seid ihr entschlossen, aufrichtig und einmüthlg, den heiligen Kreis der Ehe um euch zu schließen, jenen endlosen Kreis, der durch den Ring euch dargeftellt wird? Seid ihr entschlossen, aufrichtig und einmüthig, gemeinsam aus dem Kelch des Lebens zu trinken, Freud und Leid mit einander zu cheilen, nachsichtig, geduldig und friedlich gegen einander zu sein? Wollt ihr vor Gott, dem Allwissenden und Allgegenwärtigen, ohne Vorbehalt geloben, die Sprößlinge der Hoffnung, mit Liebe im Glauben euer Vater zu erziehen?" Die dritte dieser Fragen scheint uns weder dem Orte, noch der Versammlung, noch dem Geiste der Handlung angemessen zu sein, und sodann bindet sie durch einen Schwur die stets freie Selbstbestimmung der Ehelichverbundenen. —- Die „nichtisraelitischen Brüder und Schwestern," die bei der Festfeier erschienen waren, bittet der Ridner: „Verkündet es laut den Söhnen und Töchtern eures Glaubens, daß israelitische Herzen dankbare Herzen sind. Fraget hier Männer und Frauen, Greise und Jünglinge, und alle werden euch durch Blick und Miene antworten, daß sie das junge Recht der freien Eheschließung mit heißem Danke ausgenommen, und daß durch dieses Recht das Band der Liebe um euch und sie noch enger geknüpft wurde. „In der Zeiten Gruft werft ihn hinab, Der» alten Haß der frühen Kinderzeu! Der Menschenliebe sei das neue Leben, Der Eintracht, der Versöhnung sei's geweiht!" Liebten wir alle, als alle uns haßten; warum soMn wir hassen, da alle uns lieben? Verbreitet die Kunde, daß wir Israeliten nicht Schlangen gleichen, die den Fuß dessen verwunden, der sie tritt; lagen wir früher im Stcmbe und krümmten uns wie der Wurm, so erheben wir uns jetzt nicht stolz und übermütbig; nein! wir verzeihen und vergeben allen unfern Gegnern und Widersachern, wir feiern in der neuen Zeit das große' Versöhnungsfcst der Menschheit, und jeder Israelit ist Hoherpriester, der für sich, sein Hms und die gesammte Menschheit Opfer der Sühne und der Versöhnung darbringt. „Der Siege göttlichster ist das Vergeben," und wir haben gesiegt, haben längst vergeben." Wie die angeführten Worte belegen, so benutzt der israelitische Prediger ohne Bedenken auch unsere deutschen Schriftsteller in feinen Vorträgen. Auch kann der Unterzeichnete nicht umhin, sich darüber zu freuen, daß der israelitische Prediger bei dem Druck seiner Vorträge, wo er die deutsche Uebersetzunq der angeführten hebräischen Stellen giebt, vorkommenden Falles die Psalmenübersetzung des Unterzeichneten, also eines Nichtiscaeliten, benutzt; nach dieser Uebersetzung ist der vorliegenden Traurede der 118- Psalm beigefügt. In solcher Benutzung von Seiten des sachkundigen Mannes liegt auch ein Urtheil, dessen Werth und Geltung der Unterzeichnete zu schätzen und zu würdigen weiß. Möchten sich auch noch mehr Christen bewogen fühlen, der Psalmenübersttzung des Unterzeichneten ihre Beachtung zu schenken.'— Durch die ganzeTraurede weht ein freier, edler, tiefreligiöser, ein mesft'anischer (christlicher) Geist. Die Gemeinschaft des messianischen Geistes unter den Mitgliedern der verschiedenen Konfessionen ist größer und verbreiteter, als wir meinen und ahnen. Von diesem Geiste erfüllt, be-glrmt die Menschheit ein großes Versöhnungsfcst zu feiern. Ern messianischer Bote des Friedens, der' zum Versöhnungsseste der Menschheit einladet, ist der israelitische Prediger Iellinek in Leipzig. „Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Boten, die da Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen; die da sagen zu Zion: Dein Gott ist König!" Jes. 62, 7. Rom. 10, 15. & Dies ist das Urtheil der „Allgemeinen Zeitung fürEhristenthum und Kirche." Allerdings ist daffelbe mehr vom christlichen als vom homiletischen Gesichtspunkte influirt. Jedenfalls ist es rühmenswert!), daß jüdische Prediger von einer Kirchenzeitung gewürdigt werde. Breslau, l. Jan. Hier gehen verschiedene Sachen vor, die der Mirtheilung wohl werth sind, und wenn ich gleich jetzt nicht die Muße habe, Ausführliches darüber mitzuLheilen so will ich doch vorläufig wenigstens die Hauptsachen berühren. Für's Erste bildet sich hier eine neue Kultusgememde, auf den Paragraphen in der Verfassung sich stützend, woden Gemeinden diese Freiheit gegeben ist. Allein ich glaube nicht, daß die Regierung dergleichen Neugestaltungen dulden wird, sobald sie nur im Enlfecntesten ihr mißliebig sind, da es im Posenschen allwärts der Fall ist, daß die Gemeinden gewaltsam unter Bevormundung gehalten werden. Die zweite

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.