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Der Orient · 1850-01-12 · Heft 2 (12.1.1850) · p. Seite 6

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 2 (12.1.1850)
Date
1850-01-12
Page
Seite 6 (sequence 3)
Language
German
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— 6 - Gemeinden auögesehen. Die besten Wünsche im Herzen, betraten wir die Schwelle des Jahres 1.849, von diesem Seffern ng der Z ustä n d e erwartend; aber das Jahr 1849 ist bald zn Ende gegangen , und siehe da l es ist noch nicht besser geworden! auch nicht mn ein Haar besser! — Ein n eue§ Jahr ist wieder im Anzuge, und wir haben noch immer dieselben Wünsche, wie wir ste vor 12 Monaten gehabt i haben und wie sie das jetzt scheidende Jahr leider nicht hat erfüllen können. -— Was sind unsere Wünsche? Du theilst sie, vernünftiger Leser! deß sind wir gewiß. Wir wünschen nicht, daß die alten Zustände wiederkehren, daß es wieder so werde, wie es vor 1848 gewesen. Nein, fern von uns solches Begehren! Wir wünschen, daß auf den Trümmern des Alten, Abgelebten ein Neues, aber Besseres aufgesührt werde! Vor Allem aber muß der Knaul entwirrt und überall die Qrdrrrnrg wieder hergestellt werden. Alsdann mögen sich alle Kräfte v er e i n i g e n, mn mit bauen zu helfen an dem neuen Gebäude, und nicht eher erschlaffen, bis aus dem Chaos hervorgegangen ist ein neues geregeltes G e m e i n d e l e b e n mit k r ä ftigen, segensreichen Institutionen und gesunden, wohlthätigen Reformen, wie sie das Jndenthum nöthig hat und wie sie die Zeit dringend gebietet. — In unfern nächsten Berichte wollen wir uns über diesen Punkt ausführlicher aussprechen. — L. W. Leipzig, 4. Jan. In einer hier erschienenen Weihnachtsgabe befindet sich folgendes Gedicht von Gustav Liebert: Zellinek. Dir waltete in schwacher Hülle Die starke Seele dieser Zeitz Die Blitzesftrahle des Gedankens Warfst du begeisternd in den Streit! . Kriegsmannen nahten, stark und stattlich, Sie packten dich, den schwachen Mann; Sie meinten, der Geist der Zeit sei getödtet, Als deines Herzens Blut verrann Sie wähnten, ein Zauber sei gebrochen, Als du im Staub' lagst todeswund, — Drum zuckt' im Lodesaugenblicke Mitleidig Lächeln um deinen Mund! Frankfurt a. d. O., 11. Deebr. Wie der Zufall häufig in einem Punkte diejenigen zusammenführt, welche sich fernstehen und durch Verhältnisse weit von einander getrennt sind, so that er dies auch in dem berühmt gewordenen Waldeck'- schen Prozeß. Gegen Waldeck traten auf ein Jude — O h m, ein Katholik — Gödsche und ein Protestant — v. H i nkeldey. So verdammenswerth aber auch das Verbrechen Ohm's ist, das noch dadurch erhöht wird, indem cs nicht blos auf das Verderben eines Unschuldigen, sondern auch auf die Verunglimpfung, eines Princips gerichtet ist, in dem Millionen die Lebensfrage der Gegenwart erblicken, so fällt doch die größere Schuld auf die zurück, welche die eigentlichen Triebfedern des Komplots sind und die den Ohm nur in den Vordergrund schoben, desto schurkischer aber im Hinterhalte agiren. Die Zeit dürfte interessante „ Enthüllungen bringen und Ohm vülleicht das Verdienst erlangen, einst das Mittel za sein, wodurch Lüge und Wahrheit an den Tag kommen werden. — Vor einigen Tagen reiste hier durch der Virtuos auf dem Stroh- und Holzinstrument Hr. Jacob Eben; er will nach Schweden gehen und den Herzen des kalten Nordens einen Funken für seine Kunst entlocken. Deutschland scheint aber für Herrn Eben nicht mehr der ebene Boden zu sein, auf dem früher das Glücksrad seiner Kunst ungehindert fortrollte. Es ist ein trübes Phänomen am Himmel der Zeit, wenn man diejenigen Menschen um eine leidige Existenz kämpfen sieht, die früher auf einer gewissen Höhe des Daseins sich befanden. — Die Freisprechung Jakobis wird sicher überall wo Menschenwürde kein leeres Wort ist, gebübrende Freude erregen: möchten doch viele Menschen jetzt bedenken, daß es leicht ist ein Genie zu morden, aber unmöglich ein Genie za schaffen; die Erhaltung Jakobis ist nicht weniger ein Triumph der Humanität als des denkenden Geistes. Breslau, 17. Dec. 1849. (Industrie-Schule.) Laut vorhergegangenen Einladungen durch Programme, so wie durch Anzeige in den hiesigen Zeitungen, ward am 16. Dec., Vormittags, im Saale des Cafe Restaurant, die alljährliche öffentliche Prüfung sämmtlicher Klaffen der hiesigen Industrie-Schule für arme israelitische Mädchen abgehalten. Die dritte Klaffe, deren Prüfung im Lesen und Wiederer« zählen das Ex.unen eröffnete, zeigte die dem Atter der Schülerinnen angemessene Fertigkeit hierin; ebenso bekundete die hierauf folgende Prüfung der zweiten Klaffe in-der biblischen Geschichte, .daß die Schülerinnen in diesem Gegenstände das Erforderliche geleistet hatten. Ein noch erfreulicheres Resultat aber lieferte die Prüfung der ersten Klasse im Rechnen und der deutschen Sprachlehre. Deutlich ging hieraus hervor, daß der Lehrer, Hr. Bloch, seinen Zöglingen den Unterricht theoretisch und praktisch auf das Gründlichste und Faßlichste errheilt. Die von zwei der abgehenden sechs Schülerinnen selbst verfaßten und mit innerer Rührung vorgetragenen Dank- und Abschiedsreden schlosst! die eigentliche Prüfung« Dieselbe gewährte im Allgemeinen die Uebeczeugung, daß in dieser Anstatt die Mädchen ntcöt. nur in den ihren Verhältnissen angemessenen Fächern des Wissens und in allerlei Handarbeiten, von d^nen Proben im Nebenzimmer ausgelegt waren, gründlich unterrichtet, sondern auch sittlich und moralisch erzogen werden. Nach hierauf erfolgter allgemeiner Censur erhielten, nach einem löblichen Gebrauche, vier vor einem Jahre entlassene Mädchen ihre Abgangszeugnisse, welche nicht nur über ihr Verhalten in der Schule, sondern auch über daö außer derselben nach ilMM Abgänge ausgestellt waren. Hierauf gab der Vorsiehtr und Revisor der Anstalt Dr. Geiger, nach einem kurzen Vortrage über Volksbildung, die auch in dieser Anstalt gründlich angcstrebt wurde, unge-

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