Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 2 (12.1.1850)
- Date
- 1850-01-12
- Page
- Seite 8 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2360092-2360634-2360637--6989-3535494- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 8 - Neuigkeit ist, daß t>icr eine neue Synagoge gebaut werden soll, eine Neuigkeit, die für unsere Gemeinde wichtiger erscheint als man denkt. Endlich soll es hier nochmals mir einer Tiktin'schen Religionsschuie versucht werden. Näheres sollen. Sie nächstens erfahren. Berlin, im Dec. Obgleich der Proeeß Jacoby'ö und sein Ausgang nicht die jüdischen Verhältnisse speciell brrührt, so glaube ich doch hier die Adresse der hiesigen Volkspartei der Mittheilung werth, da nach meiner Ueberzeugung das Schicksal der Judensachc vom Schicksale der VoLkspartei abhängt. Hier die von der Volkspartei in Berlin an Dr. Jocoby ln Königsberg gerichtete Adresse, welche lautet: ,,Hochzuverehrender Herr! Viele Jahre bereits verfechten Sie die Sache des Volkes, und das Volk weiß es. Den Mann der vier Fragen haben die Wahlmänner von Berlin viermal zu ihrem Vertreter ernannt. Bedroht und angegrifr sen um der Freiheit willen, für welche Sie geredet und gewirkt, blieben Sie stets auf ihrem Posten, unzugänglich dem Wankelmut h, ein unbeugsamer Herold des Rechts und der -Wahrheit. Nehmen Sie, verehrter Herr, dafür unfern innigsten. Dank hin! Wir sprechen einen solchen Dank in dem Augenblicke aus, wo sie von Hast und Anklage befreit, abermals für uns einen Sieg errungen haben. Der gegen Sie erhobene Proceß war eine Anklage gegen die Volkspartei, war ein Verdammungsurtheil der Erhebung des deutschen Volkes; so wurde denn Ihre Vertheidigung, Ihre Lossprechung ein Sieg, für die Sache des Fortschritts, eine Niederlage für die Ritter der Knechtschaft. Darum wünschen wir Ihnen und auch uns Glück zu dieser Freisprechung, sie wird der Morgenröthe gleich eiü Vorbote jener Freiheit sein, die allein den Rechtsstaat zu gründen fähig ist. Rechnen Sie auf uns, wie wir auf Sie rechnen. Daß Bewußtsein, in dem Herzen des Volkes eine Stätte zu haben, wird hinreichen, Sie über vergangene Leiden zu trösten — wenn es noch des Trostes in einem Kampfe bedarf, in welchem die Gewißheit des Rechts die Gewißheit des Siegs verbürgt. Berlin, 19. Decembec 1849. Die Berliner Volkspartei. " Bevlrn, 31. Dec. Große Aufmerksamkeit schenkt das Publikum einer Seite sich gegen das Ministerium erhebenden kirchlichen Gesellschaft. Es bekundet sich diese auch in Adressen und Protesten gegen Einsührung der Civilehe und gegen Ausführung der Religionsfreiheit. Mögen es die materiellen Interessen der Pastoren sein, die sich durch Verwirklichung der verfassungsmäßig bereits anerkannten Institutionen gefährdet sehen, oder sei es die Erkenntniß einer großen, den Seelen drohenden Gefahr, welche den Proteststurm hervorruft, jedemfalls ist das Volk an dem Gelingen dieser Reaction wie an ihrem Mißlingen nicht wenig betheiligt. Der Fanatismus der bedrohten Pastoren geht so weit, daß er sich in sein Gegenteil verkehrt, daß er die protestantischen Aionswächter bestimmt, den sonst ängstlich gemiedenen „Römlingen" die Hand Verlag von C. L. Fritz sch e. zu gemeinsamen Handeln zu bieten. In den gesegneten Scmdgefilden der Mark, wo pietistisches Treiben allezeit einen fruchtbaren Boden hatte, versteigt sich ein Pfarrer bis zu einem Aufruf an die evangelische und katholische Geistlichkeit. Die Proselytenmacherei nimmt hier seit Kurzem unglaublich zu. In der Nähe von Berlin treibt jetzt ein ehemaliger Schuhmacher, der spater Kirchendiener der englischen Kapelle wurde, Missionswesen bei den Juden. Diese selbst und im Vereine mit ihren Geistlichen der betreffenden Oerter wollen jetzt bei der Regierung über dieses Unwesen Beschwerde führen. München. 21. Debr. 1849. Man vernimmt daß Frhr. v. Lerchenfeld, Gras Hegnenbcrg-Dur und Fürst Ludwig Waücrstein den Volksboten - Redakteur Zander wegen der schmählichen Beleidigungen, die in dessen Blatt gegen sie geschlendert wurden, und namentlich wegen Behauptung, daß ihr Urthcil und Handeln in der C'mancipationsftage durch Bestechung hervorgerufen worden, gerichtlich belangt haben. — Der Volksbote führt bis jetzt 3? Adressen, gegen die Emancipation der Juden, größtenteils aus altbairischen Gemeinden, auf. Frankreich. Paris, 24. Dcbr. 1849. Die Israeliten in Nizza haben kürzlich einen großen und unersetzlichen Verlust erlitten. Am 4. Nov. starb daselbst der Banquier I. S. Avigdor, preußischer Generalkonsul, ehemaliger Sekretär der von Napoleon im Jahre 1806 berufenen Versammlung der israelitischen Notabeln und später weltliches Mitglied de§ großen Sanhcdrin. Herr Avigdor war durch fctncu Charakter, seine Stellung, seine Wohlthätigkeit, seinen Hellen Geist, einer der bemerkenswerthesten Männer des neueren Jndentt-ums- Große Dienste leistete er in der Versammlung der Notabeln durch seine vortrefflichen italienischen Uebersetznngm der von dieser denkwürdigen Versammlung auögehmden Artikeln , und seine Rede vom 5. Febr. 1807, welche in Folge einer förmlichen Abstimmung in das Protokoll eingernckt und gedruckt wurde, ist ein herrliches Werk historischer Wissenschaft, religiöser Kenntnisse und wahrer und aufgeklärter Frömmigkeit. — Das Haus des Herrn Avigdor war der Sammelplatz der schönen Welt, die Zuflucht der Gelehrten, die Freistatt des Armen. Das Andenken des Gerechten sei gesegnet. Personalchrouik und Miscellen. Das in London erscheinende Jewish Chronicle versichert, Heinrich Heine sei auf stknem Krankenbette wieder zum Judenthume zurückaekehrt und warte nur seine Genesung ab, uw diesen Schritt öffentlich anzuerkennen., Druck von I. H. Nagel.