Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 2 (12.1.1850)
- Date
- 1850-01-12
- Page
- Seite 5 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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rwm Berichte, Studien und Kritiken Elfter ' r — ■ —' - für Jahrgang. — jüdische Geschichte und Literatur. — Das Abonnment auf Von dieser Zeitschrift ein Jahr ift '5 Thlr. Man abonmct bei allen löbl» Postämtern und Herausgegeben erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, allen solid. Buchhandvon und zwar an jedem lungen auf ein Jahr. Dr, Julius Fürst. Dienstag regelmäßig. 1350, Leipzig, den 12. Januar Jnhalr. Deutschland. Aus der Provinz Posen. Zustande durch die Märzerrungenschaften. Das Darniederliegen der Schulen. Wünsche. Leipzig. Ein Gedicht über einen Märtyrer. Franks, a. d. O. Gedanken über Waldeck's und Lakoby's Prozeß. Breslau. Die jüdische Industrie-Schule. Prüfung. Leipzig. Christliches Urtheil über jüd. Predigten. Breslau. Vermischtes. Berlin Adresse an Iakoby. Judensache und Aussichten. München. Adressen gegen die Emancipation. — Frankreich. Paris. Nekrolog eines Verstorbenen zu Nizza. I. S. Avigdor. — Personalchronik und Mkscellen. — LB. d. Or. Deutschland. Aus der Provinz Posen, im Docbr. 1849. Seitdem ich Ihnen zum letzten Mat geschrieben, ist aus bctt Gemeinden des Großherzogthums Nichts zu meiner Kenntniß gelangt, was ich der Mühe wertch halten könnte, den Lesern Ihres Blattes nützntheileri. Lassen Sie uns abwarten und sehen, was uns das nächste Jahr, das Jahr 1850, bringen wird. Von dem Jahr 1849 scheiden wir ebenso. wie wir dasselbe betreten haben, nämlich unbefriedigt. Und wie könnte man auch befriedigt sein, wenn die Zustände nicht anders, nicht besser geworden, als wie sie der Märzrausch des vorigen Jahres hervorgerusen. —- Als in unfern Gemeinden die Kunde von den: S turze des a l t e n Regier u n g s s y st e m s gedrungen war, da waren Viele verblendet genug, zu glauben, daß es nunmehr Pflicht sei, Alles, was bisher verbunden war, aufzulösen, und was sich nicht gutwillig auftösen ließe, gewaltsam a u s e i n a n d e r z u r e i ß e n. Dtan wähnte, der Göttin der Freiheit zu dienert und ganz im Sinne der Demokratie zu handeln, wenn man sich Knall und Fall von der alten Gern ein de lossagte und an beten Kasse jede Abgabe verweigerte. Was sonst nicht den Mund zu öffnen wagte, trat jetzt keck hervor und rief: ,,Was sollen uns jetzt die alten Synagogen-Verbände? Wozu ein gemeinsamer ^Schochet? Was frommt uns ein Rabbi? Wir brauchen keine Gcmeindeschule. und. folglich auch keine Gemeindetehrer.— Wir haben Freih eit errungen, und wir wollen sie genießen." — So und auf ähnliche Weise räsonnirte die Masse, und die Intelligenten im Volke stimmten mit ein in dieses Räsonnement. Das gemeinsame Losungswort aber war: ,,For t ntit dem Alten!" oder ,,Alles Alte muß über den Hausen gestürzt werden!" — Und so stürzte man das Alte, ohne auf dessen Trümmern Neues aufzubauen, und so entfernte man das anscheinend Schlechte, ohne Besseres an seine Stelle zu setzen. — Was war also gewonnen? Ein Wirrwarr war herbeigeführt worden, ein schrecklicher Wirrwarr, wie man sich denselben kaum trafen kann, wie viel weniger daß wir ihn zu beschreiben vermöchten. — Lostreunungen, oder — wie sie es nannten — A bz w ingu ngen fanden in Menge statt; alte Abgaben wurden nicht entrichtet, neue Repcrrtitionen nicht vorgenommen; in Folge dessen gerieth die finanzielle Verwaltung der Gemeinden in Stockungman. zahlte keine Gehalte arrs, lies vakante Aemter unbesetzt, kümmerte sich wenig oder gar nicht um das Acmenwesen und überließ Alles, was einer kräftigen Leitung und Unterstützung bedarf, sich selbst und seinem eigenen Geschicke. Dadurch .ist so manche sonst blühende Institution in ihren Grundpseilern erschüttert worden, und . die Schule — sie hat leider! den h arte st e n Schlag erlitten. (Siehe hierüber unfern Bericht ,,Aus dem Netzdistrikt" in Nr. 31 des Orients 1849.) Sv lieber Leser, so und nicht anders hat es am Ende des Jahres 1848 um unsere 2