Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1850
- Issue
- 1 (1.1.1850)
- Date
- 1850-01-01
- Page
- Spalte 13-14 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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IS Studien. Die Familie Kimchi. gestehe». Man findet selten Spinoza's theologisch-politischen Traktat citirt in den modernen Werken, obgleich derselbe doch die neuen Anschauungen zuerst offen dargelegt hat. Was aber die bloß betrachtende Kritik ist, so haben die alten nach dem Vorbilde der Talmudisten ihre Bemerkungen nicht verschwiegen, nur die Resultate haben sie nicht so konsequent daraus gezogen als die neuern. Es stand dies mit den Gtaubensansichtcn in Verbindung. So z. B. hat De Wette's Buch über die Chronik (CTET) nm) dem Verfasser vor einigen 30 Jahren den Namen eines großen Kritikers verschafft, derselbe hat viele Stellen dieses Buches mit den ersten Propheten zufam men gestellt, und gefunden, daß beide von einander diffcriren. Diese Zusammenstellung aber findet der jüdische Leser bereits bei Raschi, David Kimchi. Die Talmudisten haben dieses oft selbst gelhan, eine oberflächliche Ansicht des Midrasch Jalkut zu diesem Buche bezeugt dies dem Leser genugsam, (vergl. auch Minchat Schaj des Salomo Norzi zu Chronik 11, 13.). Die alten Kommentatoren haben nur nicht die Resultate bestimmt ausgesprochen. Die alteren jüdischen Kommentatoren haben die Bibel als eine kompakte Masse betrachtet, die in sprachlicher als in anderer Hinsicht fest zusammcnhängt, welches jetzt nicht mehr zu trennen ist. Was die Sprache anlangt, so sind wir selbst der Meinung, daß sie als ein Ganzes zu betrachten ist, und daß wir jetzt wohl sagen können, dieses oder jenes Wort findet sich nur in diesem Buche, sonst aber keine bedeutenden Resultate daraus ziehen können. Der übriggebliebene Sprachschatz des Hebräischen ist zu klein, und die einzelnen Perioden liefern zu wenige Beispiele, um Manches sestzusetzen. Manche biblische seltene Form kann ein P r o v i n ci alismus sein, manche ein Archaismus, manche ein Neologismus, aber wir können nicht Nachweisen, daß es ein solcher ist» Es ist dies bei Ezechiel der Fall. Zn den Seestädten mochte die Sprache korrumpirt sein, und schon Cicero (vom Staat 11, 2) hat angemerkt, daß in den Seestädten durch das Zusammentreffen der verschiedenen Nationalitäten die Sprache zu verderben pflegt. Was die biblische Gesammtanschauung betrifft, so können wir eben aus Mangel an hinreichenden Quellen nicht immer über die Gegenstände so exakt urtheilcn als wünschenswerth ist. Wo die Geschichte uns verläßt, kann die Kritik nicht dieselbe ergänzen. Wir werden übrigens diesen Gegenstand später ausführlich behandeln. Indem die Gegenwart sich mit den Werken einer vergangenen Zeit beschäftigt, trägt sie eine Schuld ab, da sie derselben Manches verdankt. Mögen wir Sorge tragen, daß kme spätere Zeit von uns auch etwas finden kann, was der Nede rverth sein würde. Aber von dieser humanen Betrachtungsweise abgesehen, unsere Zeit kann auch etwas von der altern lernen. Und wenn sie vielleicht Manches auch ohne ihre Hilfe selbst gesunden hat, so wird sie doch aus dem Studium der ultera Zeit ersehen, daß eine frühere Zeit ebenfalls schon im Besitze desselben war. m Die jetzige Zeit hat ihre Aufgabe in dev Ordnung und Sichtung der Produktion vergangener Zeiten auf vielen Seiten rsicht gelöst. Auf dem Gebiete des Gedankens selbst giebt es vielleicht nichts mehr neues. Vielleicht sind alle Formen auch schon verbraucht. Die neuere Zeit, indem sie die Werke der alten erklärt, bestätigt nur was die frühere gesagt hat, Der größte Theil der Kommentarien, insofern dieselben nicht lexikalische Auszüge sind, was besonders bei fremden Sprachen nothwendig ist, sind nur Jdeenaffociationen des Kommentators, welche demselben, wenn er geistreich und belesen ist, bei der Lektüre des zu erklärenden Buches einfallen, so die Kommentarien des Immanuel aus F e r m o, des Simon den Z e m a ch D u r a n u. a. m. Es wäre sehr interessant gewesen, wenn wir zu berichten gehabt hätten, daß man in neuerer Zeit viele Rabbinen in den Reihen derjenigen trifft, welche mit hebräischer Literatur sich beschäftigen. Es ist dies aber nicht der Fall. Nur sehr wenige ausgenommen, beschäftigen sich ernstlich damit, sie überlassen dies Geschäft, welches Zeit erfordert und wenig einbringt den von der Rabbinerversammlung ins Leben gerufenen Laien. Den Gegensatz zwischen Laien und Rabbinen hat -es bei Juden nie gegeben, sondern nur zwischen DDH Tobn und pNn Dy d. h. Leute die etwas gelernt haben und Unwissende. Wer wird zweifeln, daß jetzt das Wort pN»n oy auch einen sihr großen Theil der Rabbinen cinschließt. Die meisten der modernen Rabbinen haltenTrau- und Trauerreden, einige derselben machen hebräische Choleragebete und theilen den Lorbeer mit den marinirten Häringen und begnügen sich mit dem Ruhme unter Unwissenden der Gelehrteste zu sein. Manche unserer Leser sind gewiß neugierig, und wir selbst theilen ihre Neugierde, was im pjcwnn OltfT fcODD, der ältesten iSiblioiheca judaica, von diesen Herren zu lesen war. Bei vielen derselben mochten nur, umgekehrt als bei Samuel (Baba Mezia Abschnitt 7, S. 40) die Worte stehenr npn1 n!? Don nprp ’3"v „Er wird Rabbiner aber nicht Gelehrter genannt". Wir wären eben so begierig zu wissen, was die Nachwelt, eine andere Art von yjyjon D7NT josdd, von diesen Herren sagen wird. Wir verlassen jetzt die Cholrragebete und das Buch Adams, wir werden wieder darauf zurückkommen, und gehen zu Josef Kimchi über. Bis sich das echte DIN"! N1DD pvtfNYl findet, worin Josef Kimchi's Werke vollständiger verzeichnet waren als bei Wolf, bitten wir den verehrten Leser sich mit dem zu begnügen, was wir über denselben mitzutheilen haben. Ueber die Stellung des Zosef Kimchi zur Exegese und zur Geschichte der hebräischen Sprachforschung überhaupt, wird zu einer andern Zeit Näheres mitgetheilt werden. Hier wollen wir bloß mit einigen Worten die Vorarbeiten erwähnen, die Josef Kimchi vorgefunden hat. (Fortsetzung folgt.)