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Der Orient · 1850-01-01 · 1 (1.1.1850) · p. Spalte 7-8

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Journal
Der Orient
Volume
1850
Issue
1 (1.1.1850)
Date
1850-01-01
Page
Spalte 7-8 (sequence 4)
Language
German
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Studien. Michel Joseph Esq. Won Dukes< 8 7, Besondersind die Anmerkungen zu den ersten beiden Aufsätzen dieser Schrift (auch für die jüd. Theologie) lehrreich And bezeugen die vielfache Belesenheit des Verfassers. Zn dem „Sammler" Jahrg. 557l. 2. Quartal S. 36 seq. befindet sich von ihm die hebräische Uebersetzung eines LheilS von Geßner'6 „Tod AbelS". — Dresden. Dr. B. Beer. Michel Joseph Esq. (ged. in Königsberg, den 8. Oktober 1763, gestorben in Lovdoii, den 9. Februar 1849.) Ein Ehrengedächtniß von Leopold Dukes» (Verspätet.) —■ 130H OB0Ä "DT DN D^Pl D'HOH „ Edle Seelen — sagt Schiller — zahlen mit dem was sie sind." Diese Worte sielen mir ins Gedächtniß, als ich das erste Mat den liebenswürdigen Greis gesehen habe, welcher mich mit einer Cordialitat ausgenommen hat, wie sie nur unter Personen von gleichem Alter statt findet. Als ich einige Wochen später an seinem Grabe gestanden hatte, sielen mir abermals die erwähnten Worte ein. Wir haben hier dem Leser die Schilderung eines Mannes zu geben, der durch die ganze Dauer eines langen Lebens den Deutschen und den Engländern Ehre machte. Den Deutschen gehörte er durch Geburt, den Engländern durch Nationalisirung an. Sein Andenken verdient auch in weitern Kreisen aufbewahrt zu werden. Es ist unsere Absicht nicht, weder eine Biographie des Verstorbenen, noch eine Kritik seiner literarischen Produktionen zu geben, wir wollen blos in kurzen Umriffen das geistige Wirken eines Mannes schildern, der sein ganzes Leben hindurch Kaufmann war. Wir haben hier verschmähet rhetorisches Flitterwerk über diesen Mann auszudreiten. er bedurfte cs nicht. Michel Joseph kam als sechzehnjähriger Jüngling «ach London. Die große geistige Bewegung, durch Mendelssohn herbcigeführt, hatte damals schon begonnen, und der Jüngling kam schon davon berührt nach England. Zn diesem Lande reifte der Jüngling zum Manne heran, in diesem Lande starb er als Greis. Diese geistige Aufregung drang auch von Deutschland über den Canal, sie gab sich daselbst aber mehr äußerlich kund, du dorr kein besonders günstiger Boden für literarische Cultur war; vaö Studium des Talmuds war dort nicht üblich. Indessen harre man nun doch in diesem Lande angefangen den Blick nach Deuschland zu richten, und Ankömmlinge aus diesem Lande verbreiteten die Liebe zur hebräischen Literatur, zur hebräischen Stylistik, welche als Hauptmittel der damals sogenannten Aufklärung diente, wie die lateinische zu Luthers Zeit. Gute Kenntniß der heiligen Schrift und Talent zum hebräischen Schreiben brachte unser Jüngling vo« Deutschland mit, welche derselbe immer fortentwickelte. Derselbe hatte besonders fürs Epigramm die glücklichsten Gaben. Geistreiche Wendungen in Prosa und Wersen charakterisiren alle seine schriftstellerischen Arbeiten. Viele seiner Epigramme und Gedichte sind in verschiedenen Zeitschriften zerstreuet, z. B. in den neuen D'OONQ Viele liegen handschriftlich zerstreuet theils in deffen eignen Papieren, theils in Briefen, die ec an Freunde geschrieben hat. Manche Briefe und Epigramme hat uns der edle Greis selbst vorgelesen. Für das große Diner, welches alljährlich in London von den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde gehalten wird, zum Besten der wohlthätigrn Institute, hat derselbe seit 3V Zähren ein hebräisches Gedicht verfaßt, welches ein Knabe an der Freischule gewöhnlich vortrug. Das letzte Gedicht vortragen zu hören erlebte der edle Mann nicht. Wir hörten es von einem Zöglinge vortragen, der edle Mann führte uns 14 Tage vor seinem Tode selbst in die Freischule, um dieses große Institut uns zu zeigen, und dort hörten wir dieses Gedicht. Der 86jährige Greis legte begeisterte und begeisternde Worte dem Knaben in den Mund und war voll Freude als wir überrascht von der geistigen Frische des Gedichts unsere Bewunderung aussprachen. Nicht nur als geistreicher Stylist wirkte derselbe, tx hinter!ieß auch der englischen Jugend ein schönes Geschenk, nämlich ein englisch-hebräisches Wörterbuch, welches Werk seine Bestimmung vollkommen erfüllt; Ausländern die hebräisch verstehen ist dieses Werk als sehr nützlich besonders zu empfehlen. Es ist vielleicht das einzige in der englischen Literatur, und eins der wenigen Werke überhaupt, welche von englischen Juden ausgegangen sind. Mit zitternder Hand schrieb uns der Verfasser einige Worte in ein Exemplar, welches derselbe uns zum Geschenk machte, und wir bewahren dies alS kostbaresAndenken. In seinem hohen Alter schon har derselbe in Zion einen kleinen Brief einrücken lassen unter der Ueberschrift: pjüber das Treiben der Missionare in London und über das Buch c^ij; nDTO der Verfasser wollte hierin anregen, daß man jüdischerseirs diesem literarischen Unwesen gelehrt und anständig entgegentrete und damals lebte der alte Londoner Rabbiner noch, dessen rechte Hand Mair Josef war, da erfterer kein gutes Hebräisch zu schreiben vermochte. Derselbe hatte aber für den Werth und die Nothwendigkeir solcher Arbeiten keinen Ginn. Und so blieb die Stimme in Zion eine Stimme in der Wüste. Der alte Rabbiner ist tobt — aber auch bis jetzt ist von Seiten der Znden — wir meinen von Seiten des Rabbiners — nichts dafür geschehen. Eine literarische Beantwortung des ist bis jetzt nicht erfolgt. Wir brauchen dem Leser nicht zu sagen, daß wir durchaus die Zeiten der alt?n Polemik nicht zurückwünschen, daß aber ein gelehrter Jude das nirm betrachte und beantworte, dies nehmen wir nicht Zur gewöhnlichen Polemik. Gelehrsamkeit und der beste Anstand können hier Hand in Hand gehen und den Standpunkt zeigen, von welchem man verschiedene Stellen des Tai-

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