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Der Orient · 1850-01-01 · 1 (1.1.1850) · p. Spalte 5-6

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Journal
Der Orient
Volume
1850
Issue
1 (1.1.1850)
Date
1850-01-01
Page
Spalte 5-6 (sequence 3)
Language
German
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0 Studien. Literarische Miscellen. Von Dr. Beer, 6 Verdienste" d. h. dasjenige zuweilen geräuschlose aber mühevolle Streben und Wirken der Männer der letzten Jahrzehende, wodurch sie in Schrift und That die weile Kluft, welche Intoleranz und Partikularismus errichtet hatten, allma'lig zu vermindern und endlich zu schließen sich anschickten, fast der Vergessenheit übergiebt, thut es wohl, wieder einmal auf jene lichte Höhe geführt zu werden, wo man Aussicht gewinnt zu hem „Thale des Teübsals" (dem alten Druck), wie es sich öffnet zu einer „Pforte der Hoffnung/' (einem freundlicherem Entgegenkommen), welche eine bessere Zukunft verhieß. Da nun aber einige für die Geschichte der Juden nicht unwichtige Momente in dem Leben M. Fränkel's während seines Aufenthalts in Dresden Herrn Dr. Salomon nicht bekannt zu sein schienen, mir solche aber aus der Erinnerung noch vorschweben, so will ich sie hier als Ergänzung mittheilen. Das erste Aufsehn machte eigentlich M. Frankel in Dresden durch einen im I. 1815, bald nach der Wiederkehr des Königs Friedrich August 1. vonSachsen aus derGefangenschaft, in dem Gothaer „Allgem. Anzeiger der Deutschen" veröffentlichten, „Randglossen k." betitelten größeren Aufsatz über die bürgerliche Stellung der Juden in Deutschland und insbesondere in Sachsen. Während des russischen Gouvernements in Sachsen (18!3—15) war nämlich ein Gesetzentwurf zur Verbesserung der bürgerlichen Verhältnisse d. I. vorbereitet worden und selbiger schon der Publikation nahegebracht; nach der Rückkunft des Königs ward jener Gesetzentwurf aber wieder beseitigt und die Sache blieb beim Alten. M. Frankel nahm nun in dem gedachten Aufsatze Gelegenheit, die sächsische Regierung deshalb auf eine Weise zu geißeln, wie man es damals kaum zu hören gewöhnt war, am Wenigsten von einem Juden. Selbst 2>ci den Rathen der vormaligen fächs. „Landesregierung" (eines Kollegiums, welches sich durch den konsequentesten Judenhaß auszeichnett) machte der erwähnte Aufsatz gewaltigen Eindruck, so daß einer jener Räthe geäußert haben soll, „wie es ihm schaudere in einer Zeit zu leben, wo ein Jude so etwas öffentlich zu schreiben befähigt sei!" Von Seiten der israetit. Gemeinde ward hierdurch die Aufmerksamkeit auf Frankel gelenkt und man übertrug ihm die Abfassung einer Petition an den König um Gleichstellung, Diese Bittschrift zeichnete sich von den früheren, seit 1807 wohl alljährlich fruchtlos eingereichten, dadurch aus, daß sie nicht in den gewohnten kriechenden Ton verfiel, sondern mit männlicher Würde, ohne die schuldige Ehrerbietung gegen den König und seine Räthe im Entferntesten zu verletzen, auf den Gegenstand einging. Besonders war darin zum erstenmale eine Rechtfertigung der jüdischen Religionsbegriffe (welche damals von deutschen Gelehrten — wie jetzt noch an der Isar -- als Haupthinderniß der Gleichstellung der Juden ausgestellt wurden) enthalten und die Nichtigkeit der Behauptungen nachgewiesen, welche dem Judenthume „eine partikulsLre Nationalgottheit" aufdrjngen wollten. — Die Petition fand bei den Einsichtigeren in der Gemeinde Beifall, ward aber, so viel ich weiß, aus Gründen die nicht hierher gehören, nicht überreicht. Die Bekanntschaft Frankels mit dem „berühmten Böttiger," welche Hr. Dr. Salomon Kol. 484 erwähnt, entstand auf folgende Weise. — Im Sommer 1818 gab der damals als Komiker berühmte Schauspieler Wurm mehrere Gastvorstellungen auf der Dresdner Hofbühne, hierunter war auch die Rolle des „Schewa" in dem Schauspiel „der Jude" von Eumberland. Bötnger recensirte die Gastspiele Wurm's ausführlich in der vielgelesencn „Abendzeitung" und nahm hierbei Gelegenheit bei der Eharaklerisirung und Beurtheilung des „Schewa" auf Juden und Judenthum loszuziehen, nannte sogar Letzteres „unverbesserlich," in dem Sinne, daß alle Reform- und Verbesserungsversuche moderner oder gutgearteter Juden nicht im Stande sein würden, das Judenthum zu humanifircn. Frankel ließ in eine der nächsten Nummern der Abendzeitung eine tüchtige Replik gegen jene absurde und gehäsige Aeußerung Böttigers einrücken, worin er zugleich auf manches Fehlerhafte in dessen Auffassung des Charakters „Schewa's" aufmerksam machte und am Schlüsse eine spezielle Charakterisirung der dramatisch bearbeiteten Juden, namentlich des „Shylok," des „Nathan" und des „Schewa" verhieß. Böttiger, damals ästhetischer Alleinherrscher in Dresden, ward von diesem Aufsätze überrascht, doch mußte ihm die darin dargelegte KeniUniß und Urtheilskraft Achtung gegen den Verfasser einflößen, er vertheidigte 'sich daher in einer kurzen Duplik so gut es ging, und suchte die Bekanntschaft Frankels zu machen, um seinen herben Ausdruck in srenndschafllichem Verkehre wieder mildern zu können. Noch ist mittheilenswerth, daß M. Frankel bereits im Jahre 1815 Vorträge „ über jüdische Glaubensgrundsätze nach Maimuni und Aldo" vor einem kleinen Kreise gebildeter und lernbegieriger Israeliten in Dresden hielt, die jedoch in Folge der Gegenbesirebungen einer fanatischen Partei, welche hiervon einen Ruin des Judenthums fürchtete, bald wieder eingestellt wurden. Ach, wie wenig wußte jene Parthci was sie that! Jene Vorträge beabsichtigten die Wissenschaft des Judenthums in der jüdischen Gemeinde zu erhalten und die jüngeren Gemächer dafür empfänglich za machen. Nicht Erkenntniß, nicht Philosophie, selbst nicht offenbare Irrlehren schaden dem Judenthume (nrniN Wp HJrW njJH r6ru sagt schon der Talmud.), wohl aber Ignoranz, dies ist „der schrecklichste der Schrecken!" — Aus dem Stamme und Kerne der damaligen Zuhörer Fränkel's ging später (1823) der wissenschaftliche Unterhaltungsverein hervor, wovon ich bereits in meinem 1833 bei Fest in Leipzig erschienenen Werkchen„Jmrc Joscher" S. 17.ff. desMchreren erwähnt habe.— Zu den Kol. 486 des Litervturbl. verzeichneten gedruckten Schriften M. Frankens ist noch hinzuzufügen: „Trifolium. Ueber Prophetismus, Zahlensymbolik und BücherreiZ. Von M. Frankel. Hamburg, Perrhes 1832. (Vgl. Fürst, Bibliotheca judaica* U Th. S. 293.) 1*

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