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Der Orient · 1850-01-01 · 1 (1.1.1850) · p. Spalte 3-4

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Journal
Der Orient
Volume
1850
Issue
1 (1.1.1850)
Date
1850-01-01
Page
Spalte 3-4 (sequence 2)
Language
German
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3 Studien. Die literarischen Vorlagen des Talmuds. raust der talckubischett Periode (188—498 tu Chr.) bildet! die Vermittelungen zur Erhaltung und Förderung eines judenthümlichen Schriftenthums, und in der Betrachtung dieses Schriftenthums muß man immer auf diese Institute zurückkommen. Auch die Synagogen, wo in Vorträgen die Schrift natürlich oder allegorisch ausgelegt,-die Halacha eingeschärft und die Agava in den verschiedensten Formen zur Erbauung vorgeführt wurde, waren Statten der Kultur, die zu literarischen Erzeugnissen Veranlassung gegeben und die mannigfachen Erscheinungen im Familien- und Gemeindeleben, wie Hochzeirfeier, Sterbefä'lle, Begrüßungen, Gastmäler, Installationen und Verabschiedungen, haben als kulturgeschichtliche Momente die literarische Thätigkeit geweckt. Da sich uns Wetttrhiii noch Veranlassungen darbieten, gewisse Erscheinungen der jüdischen Kultur in Asien speciell und ausführlich zu behandeln, so wollen wir sofort zu dem Schristenthume des Talmud übergehen. — 2. Unter den literarischen Geistesiverken, welche den Lehrern und Meistern der mündlich überlieferten Weisheit an den Hochschulen Babyloniens Vorgelegen und gleichsam ihre volksmäßige Bücherei ausgemacht haben, nehmen die alten und daher heiligen jüdisch-volksthümlichen Urkunden, die lange vor Beginn des talmudischen Zeitraums abgeschlossen waren, den ersten Ehrenplatz ein, und cs verlohnt sich wohl der Mühe, die literaturgeschichtlichen Bemerkungen, die sich aus alten Ueberlieserungen bei den Talmudlehrern über diese altnationale Schriftensammlung finden, mit einigen kurzen Morren hier zu berühren. Wie die Egypter, Pdouicier und Babylonier ihre alten Schriftdcnkmale und Volksurkunden als heiliges Schrift enthum gesammelt und verehrt, ohne gerade auf den religiösen Gehalt oder sittlichen Werth derselben zu sehen,* * * 4 5 6 7 ebenso wurde die althebräische National-Literatur, ohne Bezug auf Inhalt und Werth, als die heiligen Schriftthümer des jüdischen Volkes schon früh gesammelt und als etwas Ganzes und Geschloffenes angesehen. * Diese Sammlung als ein Ganzes betrachtet, nannte man „das Buch"^ oder „die Bücher'^ e£otfiv, am Häufigsten jedoch „heiligeSchriften" 8 oder als die Schrift, welche man vorzüglich lesen auch die zu. Na har P eko d in einem Reim-Spruch charakterisirt: -jty Nim NTDty ND’itfD * "1"^ flNTOD iru (Chulliti 1. e.). — 4) Es gehörten bei diesen Völkern dahin die blos geschichtlichen Werke, bei den Egyptern auch die Verzeichnisse der Hausmittel, bei den Babyloniern die astronomischen Beobachtungen. — 5) Heilig wurde diese alte National-Lkteratur gehalten, wie das bei .allen alten Völkern mit ihren alten Nationalurkunden der Fall war; der Ausdruck kanonisch jedoch rührt blos von spärern Kirchenlehrern her. — 6) "HON Sabim 5, 12; Sabb. 13a; Pesachim 19b; vergl. yQctcprj 2 Tim. 3, 16; in der Volkssprache *050 11» Targ. zu Gn. 12, 42. — 7) d^DD Megilla 8 b; ßtßUa 2 Tim. 4, 13. 8) .anpn Sabb. 16, 1; Raschi zu Sabb. 115 a sollte;® der Ausdruck „älter Butid"^ aber erscheink selten, wenn auch nur von den mosaischen Schriften, denk! dafüö hatte man immer den Namen „Lehre Mosis"," als Gegensatzzuweilen zu dem Evangelium.12 In Bezug auf die drei Hauptbestandtheile dieser aktnationalen Literatur um, -faßte man sie unter der Trias „Gesetz (Lehre), Propheten und Schriften^,13 eine DtetttzeiluNg/. die so alt als die Abschließung und Ordnung dieser Literatur selbst ist. (Fortsetzung folgt.) Literarische Miscellen. Zusätze und Ergänzungen zu dem Denkmale „Maimors Fränkel's." (In Nr. 31 d. Literatmblatts des Orients Iahrg. 1849.) Mit wahrhafter Freude und Genugrhuung las ich im Laufe des verflossenen Sommers den dem Andenken eines wackern Mannes und Literators in Israel, des Dr. Maimon Frankel in Hamburg, gewidmeten.Aufsatz von dem geehrten Herrn Dr. G. Salomon. In unsren Tagen, wo man aus dünkelhaftem Leichtsinn sogenannte „vormärzliche sagt ganz richtig, daß darunter die drei Tbeile -ec Schrift, Gesetz, Propheten und Hagiographen verstanden werden. Vergl. isQcc ygc'^ccvcc 2 Tim. 4, 15; ygctopca dyiai Rom. 1,8.- 9) fcDpD/ vgl. Dieser Zlnsdruck für die heiligen Schriften ist in Mischna, Talmud und Midrasch sehr häufig und wird auch gegenüber der Mifchna (n3re), Gern ara Midrasch (t£mü) u. s. w. als ein eigenes Schriftenlhum, als Hibliuihe<va saneta betrachtet, top als Verb, heißt daher in der Mischna „die Schrift studircn" (Sabb. 13 a) und als Nomen ein Kmdiger der Schrift ^La'anir 27b; Kid/ ^9 a , Pesachim 117 a) wie auch, die aram. Form (Baba Barra 123 a) oder <1-)p (wa- Iikca rab. 6. 30). — 10) nalaia diccd'rjxr] Sirach 24, 25; LXX zu 2 K8n. 23, 2; 2 Kor. 3,!4. 10 HTO .Tnn , nroi NrvniN Sabb. 116 b. — 12) Das Evangelium hieß daher innriN' NrpniNl N1DD Sabb. 1!6b. — 13) D^rpl min (sehr häufig, oder aramäisch ■QTO) WQJ NiTmN iKidduschin 49 a). Ein schriftkundigec (iOp) ist nur derjenige, der diese drei Abrheilungen mit Genauigkeit (NplHIS) lesen und verstehen kann. Diese Dreirheilung haben schon ebenso Sirach (Pro! 1), Iosefos (Maecab. e. 18; geg. Ap. i. o. 8) und das N. T. (Luk. 24, 44), nur daß anstatt cynifD? bald neu 'ipetlfioi (Luk. 1. c), bald nca ctlla (ßißfoa), xa loina xmv ßißuajv (Jos. Macc. 1. c., Sirach 1. c.), bald endlich vfivoi rc. (Lobgesänge auf Gott und Lcbknsregeln für die Menschen, Jos.) steht, woraus man sicht, daß die griechisch schreibenden Juden für Kerubim noch keinen konstanten Ausdruck gehabt. Dio v{ivot und ipaXpoL sind identisch, und man bezeichnte die 3. Abth. damit, weil sie mit den Psalmen anfängt.

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