Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1850)
- Date
- 1850-01-05
- Page
- Seite 4 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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4 bürg er, ein Enkel des Elasar Mccketes, und Dr. Isaak Saul K ci tn jgj, ein Schüler des Akiba Eger. .Wahrscheinlich wird der Sohn des Vaters Stelle einnehmen, da er ein würdiger Mann und ein tüchtiger Tatmudgelehrter ist. —- Unsere Gemeinde hat ferner den Verlust eines ausgezeichneten Talmudistcn zu beklagen, nämlich des Hru. Eisck Nedisch. Er war trotz seiner tatmudischen Gelehrsamkeit ein einfacher, bescheidener Mann, und bescheidene Gelehrte sind in unserer Gemeinde selten, wenn sie auch nicht viel vom Talmud verstehen. — Unser Oberjurist Herr Freund fangt an sehr unfreundlich zu werden. Sein Berhältuiß zu seinen Kollegen ist weder davidisch noch nach Art des Jonatan. Er ist, bei aller Uneigennützigkeiß und Frömmigkeit, herrschsüchtig und gebieterisch wie sein Namensvetter Samuel, der aber als Prophet die Zukunft bedachte« — Daß die hiesigen Juden wieder in die Nationalgarde eingerciht werden, werden Sie bereits aus politischen Zeitungen erfahren haben. Unsere Nationalgarde ist aber mehr national als Garde. — Dr. K äm p f ist Docent der orientalischen Sprachen an der hiesigen Universität geworden. Lemberg, im Decbr. 1849. Ich theile Ihnen noch im Jahre 1849 eine sehr retrograde Maßregel mit, in der Hoffnung, daß sie im Jahre 185Ö beseitigt sein werde. Unser Pvlizeichef hat gegen §. 1 der österreichischen, für die gesammte Monarchie Geltung habenden Grundrechte, ein jüdisches Paßbürean erngeführt. Was nützt es, daß Se. Majestät der Kaiser aus vollem Herzen die Gleichberechtigung aller Konfessionen anerkennt, wenn ein subalterner Beamter sich anmaßen darf, gegen den offen ausgesprochenen Willen des Gesetzes zu handeln? Ueberhaupt wird die österreichische Konstitution in so lange keine Wahrheit sein, als die Büreankratie gespcnsterartig im Staate spuken darf. Pesth, 20. Decbr. 1849. Wenn ich gut unterrichtet bin, so hat die Regierung der Reformgcmeinde den Rath ertheilt, sich nicht zu schroff von der alten Gemeinde abzusondern. In der That würde die Gemeinde durch eine ktaffende Spaltung zu Grunde gehen. Uebrigens ist die Pesther Reform in ihrer gegenwärtigen Gestalt maß- und haltlos, und weniger aus innerem Bedürfnis als aus Emancipationöbestrebungen, Nachahmungösucht und Renommisterei hervorgegangen. Da sic kein organisches Gebilde ist, so kann sie sich nicht halten, wenn sie nicht in den Organismus des Judenthums eingepaßt wird. Viel Verdienst um das richtige Maaß der Reform hat der tüchtige Dr. Med. H onigswald. 4 — In SSröfcty fand am 15. Decbr. dic feierliche Beeidigung eines israelitischen Praktikanten b.ei Lek- Centralbehörde statt. Personalchronik und Miscellen. Leipzig. Rach der neuesten Volkszählung betrat die Anzahl der ansässigen Israeliten hier 274, nämlich 196 Männlichen und 76 weiblichen Geschlechts. Außerdem ist noch eins Anzahl Israeliten hier ansässig, die das Bürgerrecht nicht besitzen. -- Lemberg. Nach den Berichten aus den Zeitungen foJ $crt das Iudenamt wieder errichtet worden sein; allein es hat dort nie ein solches bestanden, und es scheint ein Jrrthum m der Mittheilung obzuwalten, es ist zum ersten Male eingerichtet. P r ag. Eine Deputation der Städte S1 er n b erg unfc Budweis bat Sr. Majestät den Kaiser um Wahrung ihrer ölten Privileg-en, d. h. daß auch ferner keine Juden unter ihnen sich niederlafsen sollen, indem dieselben den Handel ruimren. Se. Majestät erwiderte sehr geistreich, woher sie denn wüßten, daß die Juden ihren Handel ruiniren würden, dk sie doch bis jetzt keine in ihrer Milte gehabt hätten. Uebrigensmüsse der Staat für jeden Staatsbürger Sorge tragen, ohne Rücksicht auf vermoderte Privilegien. — In Oesterreich ist der Monarch seinem Volke voraus. Die Krämerseelen glanben, Gott habe die Welt nur für Christen geschaffen, wenn auch nicht erwiesen ist, daß Adam ein Christ war. Paris. Die Monatsschrift des Herrn S. Bloch „rUniver« israeiue“ hat einen sehr gedeihlichen Fortgang und vertheidigt sehr tapfer die Interessen der Juden. Leipzig. Hier hat eine Mischehe startgefunden„ die von Holdheim auf preußischem Gebiete eingesegnet imirde. Pari-s. Der Prof. Weil, ein Israelit, wurde alS Professor der Mathematik angestellt in Hagenau, aber durch die Intoleranz des dortigen Verwaltungsrathes zurückgewieseu, bis die höchste Behörde einschreiten mußte. Der Bischof von Luyon suchte die Anstellung eines Israeliten als 'Professor der Philosophie zu verhindern und als er bereits vom Ministerium angesteUt war, da wurde er dort zurückgewiesen^ Es ist also auch hier zuweilen, wie in Deutschland. Aus Mähren. Es ist endlich Aussicht vorhanden, Laß man sich über die Synagogen - Ordnung einigen wird. Nächstens mehr! Verlag von C. L. Fritz sch e. Druck von I. H. Nag kl.