Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1849-12-29 · 52 (29.12.1849) · p. Spalte 821-822

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
52 (29.12.1849)
Date
1849-12-29
Page
Spalte 821-822 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/8555529-9893953-9894024--6201-3535461
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

822 Studien. Der Bibelkanon des Fl. Josesus. 821 E. A. die Quelle des Josesus erkannt, dann von diesem aus über jenes Buch Näheres zu erforschen suchen, s' -Diese und andere Untersuchungen über die Beschaffenheit des E. A. würden hier durchaus kein hör» d’oeuvre sein; denn wenn wir auch gesunden haben, daß Josesus ein apokryphisches Buch statt eines kanonischen in seinem Kanon gehabt, so ist es doch nicht gleichgilsig zu wissen, welcher Art und welchen Charakters dasselbe sei; da sie aber hier den Zusammenhang zu sehr unterbrechen würden, so wollen wir sie in eine besondere Abhandlung über den E. A., welche der beser als einen Anhang zu diesem ersten Artikel erhalten wird, zusammensaffen» Daselbst werden wir auch mehrere oben berührte Einzelheiten im Zusammenhänge erörtern (die Chronologie, die Umstellungen u. s. w.), zugleich das Verhältruß des apokryptischm Buches zu seinen kanonischen Vätern — oder Brüdern , — festst lllen und unser Hauptresultat: daß Zosefus ein apokryphisches Buch in feinem Kanon gehabt, nochmals ganz seriell begründen. Denn das oben Gegebene konnte und sollte nur Skizze des Beweises sein, dessen Gang andeuten; was zur Beruhigung gründlicher und aufmerksamer Leser (und solche zu finden schmeichelt sich doch einmal Zeder, der etwas schreibt) vorläufig dienen möge. Die Bemerkungen über die Art, wie Zosefus diesmal seiner Quelle folgt, was er zersetzt, austäßt u. s. w., was wir bei den früher betrachteten Büchern jedesmal zusammengestellc haben, wollen wir, um Wiederholungen oder Trennen des Zusammengehörigen zu vermeiden, ebenfalls auf den bezeichneten Anhang verspüren und kommen somit zu 13. Esther. Die in diesem Buche erzählten Begebenheiten hat Josefus Ant. XI Kap. 6. — Indessen weicht feine Erzählung sowohl in mehreren Einzelheiten als auch durch vier größere Zusätze von unserm hebräisch-kanonischen Buche Esther ab und stimmt darin'.meistens mit der LXX überein. Die vier Zusätze sind folgende: 1) in H. 6 das Edikt des Königs Artaxerxes turch Haman, wegen der Ausrottung der Juden; (wir werden es im Folgenden als das erste Edikt bezeichnen;') 2) in §. 12: das Edikt durch Mardcchai zur Widerrufung des früheren (das zweite Edikt); 3) §. 9: eine Ausschmückung der Audienz Esthers beim Könige (zu Esth. 5, l); 41 §« 8: die Gebete Mardechasts und Esther's (zu 4, 17). Diese Zusätze (mir noch zwei andern gewöhnlich „Stücke in Esther genannt) hat die LXX153 Num. 1 — hinter 132) Es wird sich nämlich noch fragen, ob E. A. aus unserm kanonischen Doppelbuche entstanden, oder eine selbstständige Bearbeitung gemeinschaftLicher Quellen sei. 133) In der LXX sind diese Stücke in den kanonischen Text verwebt, und in unfern Ausgabenfindet sich in ihnen keine Vers-Abtheilung und Zählung, weil die Verszahlen nach dem hebräischen geregelt sind. Ich werde daher, wo einzelne Stellen dieser „Stücke" zu citivcn sind, die Zahlen nach der III, 13 (Vulg. XIII, 1-7;) Num. 2 - hinter VIII, 12. (Vulg. XVI, 1-24) Num. 3 - bei V, 1. (Vulg. XV, 4-19) Num. 4 - hinter IV, 17 (Vulg. XIII, 8-XIV, 19). Während Josesus das letztere Stück nur in kurzem Auszuge hat, giebt er die drei anderen, besonders die beiden Edikte, dem Inhalt nach fast wörtlich, so daß sie ihm unzweifelhaft urkundlich Vorgelegen haben müssen. Und wie diese größeren apokrvphu'schen Stücke, so hat Josesus auch viele kleine Zusätze und- Abweichungen mit der LXX gemein. 134 ■ Wir würden demnach ganz einfach annehmen können, daß Josesus, mit Hintansetzung des hebräischen Originals, der' LXX gefolgt fei;135 eine genaue Betrachtung und Vergleichung wird uns aber zeigen, daß dies nicht der Fall sei, und was weit wichtiger ist, die hergebrachte Annahme der Jsagogiker, wonach die „Stücke in Esther" für sich stehende Zusätze seien und als solche von dem griechischen Uebersetzcr herrühren,1U wesentlich modisiciren. — Wir finden nämlich 1) daß Josesus an mehreren Stellen die LXX verlaßt und dem hebräischen Text folgt."' Man würde also anneh- Vulgata angeben. — Bei Luther findet sich Num. 1 als Kap. 1, Num. 2 als Kap 6; Num. 3 als Kap. 4; Num. 4 als Kap. 2-3 unter den Apokryphen. Wer damit vergleichen will, wird auch ohne genaues Citat sich leicht zurecht finden. 134) Es sind folgende: §. 2. Esther kommt zum König im zwölften Monat d. i. Adar, wie LXX 2, 16. — §» 6. Die Juden sollen am vierzehnten Adar (statt dreizehnten) getödtet werden; wie LXX im ersten Edikt (Vulg. XIII, 6) und 3, 7 wo im Hebräischen gar kein Tages-Datrrm steht — (im zweiten Edikt haben Josesus und LXX (Vulg. XVI, 20] den dreizehnten). — §. 7. Mard, ruft aus: ozc Hr]8lv ddLKfjöav h'&vog ävcuguvcu; wie LXX 4, 1: zca iftvog [irjdhv qdiH'QTtog. — §. 10. Hainan'6 Frau sagt: tov yag &eov zlvcu tfvv avzolg^ wie LXX 6, 13 nach hat: <m fri6g gcov (.iet avzov. — Hierher gehört ferner der Zusatz zu 4, 8 von dem weiter unten; auch daß Josesus von dem bei LXX 2, 19 fehlenden pprpi n\3E2 Di^rD nichts hat, kann als Uebereinstimmung betrachtet werden. — 135) So sagt Eichhorn Einl. — zum Buche Esther §. oll — daß Josesus die Edikte „aus der LXX wiederholt" habe 136) So de Wette Eilst. §♦ 42. „Im Buche Esther hat der Ueberfetzer zum Theil den Ueberarbeiter gemacht und sich Zusätze und Einschaltungen erlaubt." Bergl. das. §. 200. —. Valkcnaer hält die Einschiebsel für Zusätze nicht des Ueborsetzers, sondern eines spätern Juden; doch ohne Beweise dafür aufzustcllen. (So giebt Eichhorn §. 163 an.) 137) Es sind A) in der LXX, unserm Texte gegenüber kleine Lücken, während Jos. das Fehlende hat. So steht in der LXX nichts von sieben Rathen, sondern nur drei Namen (1, 14), Josesus hat es §. 1. — In der LXX fehlen die Worte pn HD) (L 18). Josesus (ibid.) cä'G%itiv diaysyovtvcu top ßtov- — Ebenso fehlen in den LXX die Worte OTiD Dj; — TD') (3/ 6). Josesus §. o hat v.ui TL(xoogrj6ca frUtfoag xov Magdo%alov avzov [ilv 52*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.