Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 52 (29.12.1849)
- Date
- 1849-12-29
- Page
- Spalte 819-820 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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819 820 Studien. Der Bibelkanon des Josefus. vor lenes Publikum, dessen Well nicht der beschränkte Kreis von Personalien ist, das für das Judcnthum und dessen Wissenschaft, für das religiöse Leven und dessen Entfaltung aufopfcrnugsfahig ist, daß alle tüchtigen Kräfte sich vereinen müssen, nur das einzige Organ der strengen Wissenschastzu unterstützen. Ihr Gelehrten, die Ihr die Grenzen des Wissens erweitern wollt, fordert ein Blatt, das EuchVie Schätze der verschlossenen• Bibliotheken eröffnet und auf Euren Forschungen den Ban der Wissenschaft weiter führt! Ihr Geistlichen, die Ihr an der Besserung und Veredlung des Volkes praktisch arbeitet, wisset doch, daß das Licht der Aufklärung an der Forschung, Prüfung und Kritik sich entzündet und daß die Männer der strengen wissenschaftlichen Form Euch die Vorarbeiten und MateUcilicu zu Euren Bestrebungen liefern. Ihr Jugendlehrer, die Ihr ein neues kräftiges Geschlecht hcraubildet, merket wohl, daß das Alte und Vorhandene erkannt, zerlegt und zersetzt werden muß, che ein Neubau gelingen kauuz von den festen, säst- und kraftreichcu Wurzeln im Boden hängen Gezweig, Laub und Früchte ab. Ihr Vorsteher, die Ihr die Ehre und die Wurde der Juden nach Außen zu wahren habt, bedenket daß nach der erlangten Emancipation, »vir unsere Ehre und Würde iu das Aufblühen unserer Literatur, ,in die Erforschung und Darstellung unserer Vergangenheit, in die Läuterung und Veredlung unserer religiösen Institutionen setzen müssen, was nur durch eine anregende und bewegende Zeitschrift möglich ist. Jeder, der mit dem Drucke der Vergangenheit nicht zugleich die ganze Vergangenheit anfgegebeir hat, muß sich für ein Organ des jüdischen Lebens in feilte» vielfachen praktischen und theoretischen Beziehungen lebhaft intcrcsfircn. Darum möge jeder Freund der Bildung, des Fortschrittes, der Entwickelung und der Wissenschaft den „Orient" nach Kräften und durch alle Fördcrmigsmittcl unterstützen. Wir sprechen dies ans im Namen des Judenthums und des jüdischen Fortschrittes, im Interesse der Kultur und der Wissenschaft, und in der festen Hoffnung, daß unser offenes Wort auch offene Augen und Ohren finden werde! Vis unita fortiori Leipzig, im Monat Dccembcr 1849. Die Nedaktion des „Orient." Netzer den Bitzelkanon des Fl. Josefus. Elster Artikel/ (Fortsetzung.) Aber wie kann Josefus das in den oben analysirten §§. 6—8 Erzählte aus dem E. A. genommen haben, da es gar nicht darin steht, da dieses Buch, wie schon oben angegeben, nur dreizehn Verse aus Nehemia enthält? Hätte es nie mehr enthalten, so wäre das freilich unmöglich; dem ist aber nicht so. Zuvörderst ist nämlich klar, daß das Buch in seiner heutigen Gestalt nur Fragment ist; das Ende fehlt, wie ein Blick aus seinen 'Schluß, verglichen mit Neh. 8, 13 geigt,139 denn es bricht mitten in einem Satze ab. Und sollte es wohl von jeher nur Fragment gewesen sein? Rödiger nimmt das an;^v afcx das ist gegen alle, Analogie; wie wäre es irgend wahrscheinlich, daß sich.ein solcher Torso, ein unvollerr- 129) Der.Schluß lautet nämlich E. A. 9, 54 sNeh. 8, 12]: Kcel:q)%ovTO tcuvzsq cpayslv zal 7uslv zed svcpQMii- VEG&cct-Kcä dovvai anoazoXag roig z%ov($iv, zed aJ- ■qjQ-u.vft'rivcu [isyalag. 55. "Oti ya$ zvzcpv<5i(ö%'y}6civ iv zolg QT^iaGiv otg zdtdccxß'qGOLv. [13* ] zed i/iu6V7nr]%&7]6Civ. — 130) In der Halle'schen EneyUopädie Bd. 38. S. 170. „Der Schluß des Buches erscheint sehr abgebrochen und das Ganze sieht wie unvollendet aus." Was ihn zu dieser Ansicht bewogen, ist gar nicht abzusehm; es scheint auch keinem andern Kritiker eingefallen zu sein. det gebliebener Uebersetzungöversuch aus dem Alterthum selbstständig erhalten haben sollte? Warum also nicht lieber annehmen, daß das Buch vollendet gewesen und nur für uns blos noch Fragment sei, wie unzählige andere Bücher? In der That giebt auch de Wette (§ 298) an, daß es ,B r u chstück eines größeren Werkes zu sein scheine. Gehen wir nun aber von IosefuS aus, erwägen wir, daß er n) so weit wir den E. A. noch haben, demselben, genau und getreu folgt; b) in dem Reste seiner Erzählung, der im @.. A. jetzt nicht mehr steht, doch dem kanonischen Buche Nehemia durchaus nicht gefolgt sein kann, c) daß es sehr verkehrt sein würde, etwa eine dritte, von den kanonischen und apokryphischen Büchern verschiedene, uns gänzlich unbekannte Quelle für diesen Theil von.Josefus' Bericht vorauszusetzen — so wird uns das von de Wette Vermuthete zur Gewißheit werden, wir können nicht mehr zweifeln, daß Josefus jene mehrerwähntm drei Paragraphen aus dem verlorenen Schluffe des E. A. geschöpft habe, und werden noch weiter zu bestimmten Bcrmuthungen. über diesen verlorenen Schluß berechtigt und zu dem Versuche veranlaßt werden, denselben mit Hilfe des Josefus wieder herzustellen, wenigstens inhaltlich nachzukoustruireu.Wir werden -so das “iD*? N&OJi amufnöcn, nämlich, nachdem wir mic Hilfe des 131) Auch das zweite der obcn iw der Ucbkrsichtstabelle als vaterlos bczeichnelen Stucke (s. Anm. 90) werden wir dem E. A. vindiciren.