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Der Orient · 1849-12-29 · Heft 52 (29.12.1849) · p. Seite 226

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 52 (29.12.1849)
Date
1849-12-29
Page
Seite 226 (sequence 3)
Language
German
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226 Menschenfreund hat, rou so manchen Wohlthatigkeitsanstalten sich ganz besonders unsecm Vereine zugewandt. Er hat denselben nicht nur mit hervorgeruftn und durch Eifer und Aufwand von Zeit und Muhen in seiner Entwickelung gefördert, sondern auch durch das obenerwähnte Geschenk von cire& 2000 Lhlr. noch in seimr letzten Lebensstunde großherzig bedacht. Möge er in der Anerkennung aller Edeln und Guten den verdienten Dank, so wie durch Nachahmung und gedeihlichen Erfolg den gewiß nur allein von ihm gewünschten Lohn finden. Indem nun die Unterzeichnete Direktion glaubt ihrer Verpflichtung gegen das theilnchmende Publikum durch btefr Veröffentlichung entsprochen zu haben, giebr sie sich der Hoffnung hin, daß auch i» der Folge durch steigende Theilnahme an den Bestrebungen des Vereins die Wirksamkeit des letztere sich immer mehr erweitern werde. Hannover, im November 1849. Die z. Direktion des Vereins zur Beförderung vonHandwerken unter den israelitischen Glaubensgenossen im Königreich Hannover. Dr. Cohen, Sanicätsrarh, d. z.Präsident. Aler. Ab. Cohen, Banquier, d. z. Rechnungsführer. Dr. S. Frensdorfs, Oberlehrer, d. z. Sekretär. Adolph Meyer, Banquier. E. Simon, Advokat. München, d. Decbr. Unsere Regierung hat bekanntlich an die Kammer der Abgeordneten einen Gesetzentwurf gebracht, die E m a n c i p a t i v n d c r Juden in Baiern betreffend , der kurz und gut alle und jede bisher bestandenen Unterschiede zwischen christlichen und jüdischen Eiuwohncim in Bezug ans Politische und bürgerliche Rechte ein für allemal aufgehoben wissen will. Es hat nicht geringe Mühe gekostet, in den zwei gm* Prüfung des Entwurfs vereinigten Ausschüssen 11 unter 18 Stimmen für den Regierungöentlvurf zu gewinntn. Die ganze fromme Partei unter Anführung der meisten Geistlichen wehrt sich mit Händen und Füßen gegen Pen Frevel, dem christlichen Staate jüdische Elemente znz.uführen. Irren wir nicht, so muß das Gesetz als ein organisches zwei Drittel der Stimmen für sich haben. Dann wird es schwer, wenn nicht unmöglich sein, es int Sinne des Rcgierungsentwurfs dmchzubringm, auch wenn sich noch ein Theil des sogenannten rechten Ccntmms zu den Fraktionell der Linken schlagen sollte. Manche wollen übrigens behaupten, es genüge der Regierung, dm freisinnigen Entwurf zum Merkmal ihres Festhaltens an dem Märzprogramin eingebracht zu hahaben, nach dem Siege des Durchbringens desselben begehre sie unter dm obwaltenden Umständen nicht mehr. Ehe drei Tage vergehen, wird es sich zeigen, wie stark auf der einen Seite Fanatismus und Vorurtheil, auf der andern Einsicht und Humanität wiegen. Die nnterminircnde Thätigkeit der geistlichen Herren und sonstigen Frommen pur exeellenee scheint eine ganz außerordentliche, und so gnviß sotten sie ihres Sieges sein, daß sie das Mittel, einen AnLijudenemancipationS-Adrefsensturm im Land anzufachen, gänzlich verschmäht hacken, obschon es ihnc«. nicht schwer gefallen sein würde, dasselbe zu handhaben. Müttcherr, 8. Decbr. Ans den dem Ausschuß für das Judernemancipationsgesetz vom Ministerium gemachten statistischen Aufschlüssen entnehmen wir, daß in den acht Provinzen Baierns 12,369 Jndenfamilicn mit 57,498 Seelen sich besinden. Hiervon waren im Jahre 1848 ansässig: 16ft6 auf Groß- und Detailhandel mit ordentlicher Buchführung; 3009 auf ordentliche Gewerke- und Handwerke; 1004 auf selbstständigen Betrieb der Landwirthschast: 2391 ans Kram-, Vieh-, Noth- und Schacherhandel; endlich 1736 auf andere als vorbcuannte Erwerbszwcrge, z. B. Aerzte, Advokaten, Rabbiner, Lehrer re. Die Nachmessungen aus frühem Jahren zeigen, daß sich der Andrang zu ordentlichen Gewerben und der Abgang vorn Kleinhandel' auffallend schnell mehrte. München, 10. Decbr. Die Verhandlung über die JnD en em.rn cipa li o n hat heute in der Kammer dör Abgeordneten begonnen und fünf Stunden lang gedauert. Dem Vorschläge dcö ersten Präsidenten folgend, wird allgemeine und specielle Debatte, da. das Gesetz eigentlich nur einen Artikel hat, verbunden. Fünfzehn Redner sind eingczeichnet. Abg. Römisch spricht für den unveränderten Entwurf; seine Beweisführung nach den Grundsätzen von Billigkeit und Recht schließt er mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß die bestellten Diener des Christen thmnö mit Milde veranlenchten werdm. Um diese Hoffnung gleich thatsächlich zn widerlegen, spricht Abg. Pfarrer Ruland 1| Stunden lang gegen den Entwurf. Die Verschiedenheit des Stammes und des Charakters, das religiöse Bewußtsein von der Errungenschaft des Kreuzes laßt den heutigen Vorkämpfer der eßclesia miiilans in der Emaneipation einen Volksmord erblicken. Abg. Frhr. v. Harold sieht in dem Entwurf mu unabweisbare Gerechtigkeit, in den Bedenken dagegen nur die Frucht der Verfolgung. Abg. Fink ist nicht principiett gegen das Gesetz, befürwortet aber anS,,Nützlichkeitsgründen^ eme Vtodisikation, wonach in Gemeinden, in welchen noch keine Inden wohnen, deren Ausnahme von der Einwilligung der Gemeindebehörde abhangm sott. Abg. Erämer erklärt sich in einer glänzenden und warmen Rede auS religiösen und politischen Gründen für den Entwurf und appetlirt unter großem Beifall an den christlichen Sinn, namentlich der HH. Geistlichen und Lehrer. Abg. Sepp hält eine Emancipation der Christen von dm Juden, namentlich von den Gläubigern, für nothiger; er nimmt seine B-clege ominöserivcise ans dem Hcidertthmri, dem Mittelalter und der Türkei., und schließt, indem er die Christen schon geopfert sieht, damit daß er vor Allem cine Judennotablenversammlnng wünscht, durch welche die Elnaiteipation faktisch und rechtlich ermöglicht werde. Schließlich befürwortet Minister v. d. Pfordten den Entwurf: er beweist die Nutzlosigkeit der privatrechtlichm und die Grausamkeit der polizeilichen oder familiemechtlichen Ansnahmebestimlulmgen; die politischen müssen konsequmterweisc satten, da Juden Abgeordnete und Geschworene werdcn können. Em Zusatz wie der des Abg. Fink sei uurckthig, könne aber zur Sicherheit amienmmuen werden. Um 3 Uhr wird die Sitzung geschlossen, morgen fortgesetzt. München, 12. Decbr. Mit dem heutigen dritten Tage der Diskussion des Ju d en emaneip a ti o nsg e se tz es ist noch immer kein Resultat erreicht. Gegen den Regiermigsentwurf sprachen heute Abg. Domkapitular Schmidt, welcher meint: wenn man jetzt dem alt-, bairischen Landvolk außer der Anleihe auch noch die JudenemarreiPatiori zum Weihuachtsangebinde gebe, so

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