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Der Orient · 1849-12-22 · 51 (22.12.1849) · p. Spalte 807-808

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Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
51 (22.12.1849)
Date
1849-12-22
Page
Spalte 807-808 (sequence 4)
Language
German
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Studien. Literarische Analekten. 808 8V7 In Hinsicht auf das Buch Esra können wir nun einen schärferen Beweis, als diesen negativen, nicht geben,/denn cs enthält nichts, was sich nicht auch im E. A« fände; ganz anders aber steht die Sache beim B. Nehem. Aus der oben gegebenen Uebersichtstabelle geht hervor, dal; Iosefus, erstens, einen Theil dieses Buches (das achte Kap.) nach dem Vorgänge des E. A. versetzt, zweitens den ganzen übrigen Inhalt desselben (Kap. 1—7 und 9—13) in drei Paragraphen §Kap> V. §• 6—8) znsammendrangt.12(5 Sehen wir diese drei genauer an, so finden wir, daß §. 6 den Inhalt von Neh. 1, 1. — 11, 8$ §. 7 - - - - 11, 9. N—18 und NI. 1—32; 8. 8 - - - - IV; V, 14 ff; VI, 15/ X, V 33 — X!, 1; und Xll, 27. wiiedergiebt; dabei erzählt §. 6 in gewöhnlicher Ausführlichkeit, §. 7 entspricht auch noch ungefähr den bezeichneten Pa- 'rallelstellen, dagegen ist in Z. 8 der Inhalt der angegebenen Stücke nur obenhin und mit mehrfachen Versetzungen erzählt. Dies Alles ließe sich indessen noch erklären, aber die Berichte des Iosefus weichen auch noch stark vom Buche Nehemia ab und es fehlen bei ihm ganz und gar die Erzählungen von der Steuerung des Wuchers, (Neh. 5, 1 — 13) von den Nachstellungen und den falschen Propheten (6, 1—14), von dem Fasten (Kap. 9) von den neuen Maßregeln wegen der heidnischen Weiber (10, 1—31; 13, 1—3. 23—27), wegen des Sabbat (das. V. 32 und 15—21), von der zweiten Reise Nehemia's (13, 6), endlich und hauptsächlich jede Erwähnung des San dal lat und Lob ia (2, 10. 19—20; 3, 33—38; 4, 1 u. s. xv,)t sowie das über die Verschwägerung dieser Männer mir der Hohenpriester - Familie und deren Folgen erzählte (Kap. 13); vielmehr ist letztere wichtige Begebenheit^ von Iosefus unter Dari us Codomannus,den letzten Perserkönig, gefetzt, mit der Erbauung des samaritamschen Tempels auf dem Berge Garizim in Verbindung gebracht und nach dem Schlüsse der biblischen Geschichte Anr. XI, 7, §. 2 und 8, §. 2 erzählt. Mag man nun immerhin Gründe finden können, warum Iosefus die eine oder die andere jener Erzählungen absichtlich ausgelassen — wir werden diesen Punkt später selbst genau erwägen müssen — aber wie könnten alle diese Begebenheiten fehlen, wenn er von dem Buche Nehem., welches sie erzählt, irgend Notiz genommen hätte; wie könnte er namentlich die Geschichte von Sanballat unter Darms Codomannus setzen? Er geht zwar mit der Chronologie, oder genauer: mit dem Syrchronkömus der per- 126) Die Geschichten des B. Esra füllen zusammen 28 J§. 127) Ob es wirklich dieselbe Begebenheit sei, oder ob es zwei Sanballat's gegeben, ist eine viel ventilirte Frage (s. vorläufig Winers Real-WB. s. v. Nehemia, woselbst 4—6 verschiedene Ansichten angeführt —) die wir später näher untersuchen werden. Hier genügt, daß es dieselbe Geschichte sein soll, d. h. daß Jos. von dem Sanballat des Buches Nch^ nichts weiß. fischen und der jüdischen Geschichte etwas cavalierement uan, indem er letztere nach seinem Ermessen und ohne Rücksicht auf die in den Quellen verkommenden Namen auf die persischen Könige vertheilt; aber dar nach seinem eignen Prinzip,.' der Kanon mit Artaxerxes I. schließt, und umgekehrt das m kanonischen Büchern Erzählte nicht später als unter jenem Könige sich ereignet haben darf; so hätte er unmöglich Sanballat c. 100 Jahre später setzen können , wenn er von ihm in einem kanonischen Buche etwas gelesen hatte.. Es wird hiernach durchaus nicht mehr bezweifelt werden können, daß Iosefus die bei ihm fehlenden, o-ben genannten Erzählungen des Buches Nehemia in seiner Quelle nicht vor sich gehabt und die Geschichte Sanballats nicht mehr im Kanon, sondern in einem nachkanonischen Buche12& gefunden; mithin, daß er unser Buch Nehemia nicht berücksichtigt, daß es für ihn gar nicht vorhanden gewesen. - Nehmen wir hierzu, daß dasselbe in Hinsicht auf da6 Buch Esra. oben bereits wahrscheinlich gemacht wurde, sowie daß diese beiden Bücher zwar ursprünglich nicht Eins gewesen, aber doch sicherlich zu Iosefus Zeit, und schoy früher, als Eins oder wenigstens als zusammengehörend betrachtet worden sind, so werden wir unbedenklich jenes Urtheil auf beide Bücher ausdehnen und feststellen können, daß Iosefus alles in Kap. 1 — 5 seines eilften Buches Erzählte lediglich aus dem E. A. geschöpft hat, ohne sich um die kanonischen Bücher zu. kümmern. (Fortsetzung folgt.) Literarische Analekten. Tabarier und der Name rrryD. In dem LB. des Orients, Nr. 36, das mir erst vergangene Woche zukam, bemerkt der geehrte Hr. Redakteur wie folgt: ,,Die Bedeutung des geographischen Terminus rptyft für Tabaria weiß ich nicht zu erklären, und es würde der gelehrten Welt von Interesse sein, wenn ein Kundiger hier darüber einigen Aufschluß geben wollte." Ich glaube, wennauch nicht als Kundiger, doch hier einigen Aufschluß geben zu können, jyo heißt nämlich Festung. (S. Gesemuß ad v.) So heißt auch Tyrrrs Ies. 23, 4 o'n jyo. Tabaria war in der That schon von Natur aus eine Festung, denn es lag dicht am See, auf dem westlichen User, auf einer schmalen von Bergen umschlossenen Ebene, und war nach Megilla 6, 2 noch überdies mit Ringmauern umgeben. Herodes An- 128) Falls er nämlich überhaupt die nachbiblische Geschichte mit Ausschluß der Makkabaerkriege u. f. w.) aus schriftlichen Quellen geschöpft hat. Dies geht uns hier nichts an, doch will ich beiläufig bemerken, daß es durch IosefuS Satz: „Nach Artaxerxes ist auch Alles ausgeschrieben worden" (s. die zu Anfang dieses Aussatzes mitgetheilte HauptsteUe> sehr wahrscheinlich gemacht wird.

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