Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 51 (22.12.1849)
- Date
- 1849-12-22
- Page
- Seite 222 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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222 tiexn das Gegentheit der Revolution".. Und so wollen wir hoffen, daß der Verein, unbekümmert aller Anfeindung seine Wirksamkeit recht bald beginnen wird und sollte es selbst Pilatus einfallen, zu sprechen, ,,kreuzigt den Sohn der neuen Zeit", so glauben wir einerseits, daß er keine Henker finden, andererseits blos nach dem Schatten greifen wird. — Bevor wir diesmal unser Schreiben schließen, gestatten Sie uns noch, Herr Redakteur, Ihrem Oder- Korrespondenten in aller Geschwindigkeit die Schuppen von den Augen zu reißen. Ihr Oderkonesp., welcher vom aqu% tofana des ,,neuen Geistes" begnadigt zu sein scheint, kann es über sein Gewissen sucht bringen, daß die Gemeinde zu Lublluitz im Gegensatz der Gemeinde zu Oppeln, welche in Dr. Cohn eine große Requisition gemacht, Herrn Wreschner zum Rabbiner kreirt,. ohne in ländisch er Dr. zu sein, weil dadurch die 'Inkarnation der Aufkläricht nicht stattfinden kann. — Ohne Ihrem Korresp. den Satz yvh nsnn imiy pTTP ins Gedächtniß zu rufen, wollen wir zur Steuer der Wahrheit hiermit erklären, da wir über Dr. Cohn besser unterrichtet sind, daß Hr. Cohn, von seiner talmudischen Gelehrsamkeit zu schweigen, weniger rite Dr. als Hr. W. ist. Was die Aufkläricht anbetrifft, so kann, der Umstand dem Korresp. zur Beruhigung dienen, wenn wir ihn auf die Koryphäen des Fortschritts, wie Dr. Holdheim re. Hinweisen, die keine inländischen Dr. sind^ doch darum ihre Tüchtigkeit nicht in Abrede zu stellen ist. Um jedoch über Hm. Cohn unsern Korresp. eines Bessern zu belehren, verweisen wir ihn auf eine Arbeit im „heiligen Zionswächter" von Hrn. Cohn (worauf wir vielleicht zurückkommen), woraus er sehen kann, welches Geisteskind Hr. Cohn geworden. Zum Schluß bemerken wir, daß wir die ganze Sache für eine Ironie von unserm Korresp. angesehen haben würden, wenn uns nicht oft Wölfe im Schaafspelze im Leben begegneten, weshalb wir unserm Korresp. „entre nous"“ sagen wollen „haust du meinen Inden, haue ich deinen". 8apienti sat. — F. Ans der Provinz Posen, im Nvbr. Es ist heutzutage gar nicht angenehm, der Korrespondent eines jüdischen Blattes zu sein, weil man fast immer in Verlegenheit geräth, wenn man referireu. will, indem man nicht weiß, waö man veröffentliche n und was man verschweigen soll. Denn Alles, was in unfern Gemeinden geschieht oder geschehen sollte, der Oesientlichkeit preiSzngeben, wäre ebensowenig wünschenswert!), als es recht wäre, Alles zu iguonren, Alles mit gleichgiltigem Stillschweigen zu übergehen. Aber die Zustände, in denen unsere Gemeinden seit dem März v. I. sich befinden, sind so bunt, ja man möchte sagen, so chaotischer Natur, daß dem, welcher referiren will, die Wahl des Stoffes schwer, sehr schwer wird, und diese Unannehmlichkeit ist es eben, welche ich heute ganz besonders empfinde, weßhalb ich — obgleich ich bereits über 6 Wochen geschwiegeir — auch diesmal wieder nur auf einige kleine Notizen mich werde beschränken müssen. — In Posen ist aus den Gemeindeangelegenheiten ein Knänt geworden, den man wohl nicht mehr so leicht wird entwirren können. Das Ablösungs-Manoeuvre, wovon ich Ihnen im 'Juni c. geschrieben (Nr. 26) , hat das Wirre noch zehnmal verwirrter gemacht. Wären die Zustände friedlicherer Natur gewesen, so. hätte cm Vorsteher wie Kaatz viel, sehr viel leisten können» — Das jud. Schulwesen ist . leider nicht viel besser geworden, als wir es im v. I. in diesen Blättern geschildert haben. — Der Brüderverein hat anfgehört, an seines Kantors Melodien sich zu ergötzen^ weil diese alt geworden, und Dr. Gold st ein fängt wieder an, die religiöse Reform zu predigen, weil -- nun weil der politische Stoff ansgegaugcn. — In Lissa fühlt man sich durch die Last der Gemeinde-Abgaben sehr gedrückt, und gerade die Mittlern und ärmern Klassen sind es, welche von diesem Drucke cmt härtesten getroffen werden; denn die Reichen und Wohlhabenden sind bei der neuen Schätzung sehr begünstigt worden. Das sieht man augenscheinlich. — Die Aufhebung der Krupka kann mau durchaus nicht klug nennen, weil die Krupka eine Institution ist, welche die Steuer sehr erleichtert. — Au Fortschritt in Kultus und anderen Angelegenheiten ^ist durchaus nicht zu denken; denn das Gemeindeschiff bewegt sich zwischen zwei gewaltigen Klippen — sie heißen: auf der einen Seite In di sfere n ti s um 8f auf der andern gesinnungslose Opposition. In Fraustadt herrscht Ruhe und Ordnung; ebenso in Schmiege! und Kosten. Alle 3 Gemeinden hören von tüchtigen Männern das Wort Gottes in deutscher Sprache verkündigen. — In Grä tz ist das Bier weit besser, als der Zustand der süd. Gememdeangelegenheiteu. — In W ollste in eine Kanzel ohne Prediger, waö aber Manchen doch weniger unangenehm ist, als ein Prediger ohne Kanzel. — In Rawicz haben die von der alten Gemeinde Abgezweigten für ihre Kinder einen eigenen Lehrer engagirt. — S chn eidemühl hat durch den plötzlichen. Tod des Kaufmann A. Mosessohn eines feiner wohlthätigsten Gemeindemitglieder verloren. Die Mitglieder der dortigen Reform- Genossenschaft sollen nach einer neuen Min. Vers, so lange auf administrat. Wege (durch Exekution) zu Gemeindebeiträgen herbeigezegen werden, bis sie sich wegen ihres Austritts mit der alten Gemeinde geeinigt haben. — Der Reformgenossenschaftsprediger hat am Sabbat sf) 1h die erste öffentliche Konfirmation vorgenommen, welche sehr befriedigend ausgefallen sein soll. — Der neugebildete Brüder - Verein (vergl. Nr. 42) hat sein Statut veröffentlicht, aus welchem wir nächstens, die wichtigsten Paragraphen mittheilen werden. W. Aus der Provinz Posen, im Nvbr. Am 20. d. M. hat in Gnesen eine jüdische Hochzeitstattgefuuden, bei welcher die Orthodoxie so weit ging, den Trauungsakt durch den dortigen Rabb. und Pred. Dr. Gebhardt darum nicht vollziehen zu lassen, weil dieser die heilige Handlung im Tempel und nicht unter freiem Himmel vornimmt, die Keluba in deutscher Sprache vorträgt, den Bräutigam ohne Sterbekteid erscheinen läßt und zngiebt, daß während der Feierlichkeit auch das weibliche Geschlecht nt dem Raume sich befinde, wo sonst nur das männliche'seinen Platz hat. — Das sind lau-