Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 50 (15.12.1849)
- Date
- 1849-12-15
- Page
- Spalte 787-788 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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787 Offenes Wort. 788 vor jenes Publikum, dessen Welt nicht der beschränkte Kreis von Personalien ist, das für das Judenthum und dessen Wissenschaft, für das religiöse Lebe» und dessen Entfaltung anfopfcruugSfähig ist, daß alle tüchtigen Kräfte sich vereinen müssen, um das einzige Organ der strengen Wissenschaft zu unterstützen. Ihr Gelehrten, die Ihr die Grenzen des Wissens erweitern wollt, fördert ein Blatt, das Euch die Schätze der' verschlossenen Bibliotheken eröffnet und ans Euren Forschungen den Bau der Wissenschaft weiter führt! Ihr Geistlichen, die Ihr an der Bcsseriuig und -Veredlung des Volkes praktisch arbeitet, wisset doch, daß das Licht der Aufklärung an der Forschung, Prüfung und Kritik sich entzündet und daß die Männer der strengen wissenschaftlichen Form Euch die Vorarbeiten und Materialien zu Euren Bestrebungen liefern. Ihr Jugcndlchrcr, die Ihr ein neues kräftiges Geschlecht heranbildet, merket wohl, daß das Alte und Vorhandene erkannt, zerlegt und zersetzt werden muß, ehe ein Neubau gelingen kann; von den festen, fastuild kraftreichen Wurzeln im Boden hängen Gezweig, Laub und Früchte ab. Ihr Vorsteher, die Ihr die Ehre und die Würde der Juden nach Außen zu wahren habt, bedenket daß nach der erlangten Emaucipätwil, wir unsere Ehre und Würde in das Aufblühen unserer Literatur, in die Erforschung und Darstellung unserer Vergangenheit, in die Läuterung und Beredlnng unserer religiösen Institutionen setzen müssen, was nur durch eine anregende und bewegende Zeitschrift möglich ist. Jeder, der mit deur Drucke der Vergangenheit nicht zugleich die ganze Vergangenheit ausgcgebeir hat, muß sich für ein Organ des jüdischen Lebens in seinen vielfachen praktische!: nird theoretischen Beziehungen lebhaft intcressireu. Darum möge jeder Frenild der Bildung, des Fortschrittes, der Entwickelmig und der Wissenschaft den „Orient" nach Kräfte,: und durch alle Fvrdcriingsinittel unterstützen. Wir sprechen dies .aus im Namen des Judenthums und des jüdischen Fortschrittes, im Interesse der Kultur- und der Wissenschaft, und in der festen Hoffnung, daß unser offenes Wort auch offene Augen und Ohren finden werde! Yis unita fortiori Leipzig, in: Monat Decembcr 1849. Die Redaktion des „Orient." Kurze Ueborsichten. 34) rp-On nw HN7 Traurede bei der Vermählung seines Bruders am 22. Oktbr. 18^9 in der großen Synagoge zu Ungarisch - Brod geharten von Ad. Iellinek, Prediger und Religion,slehrer der isr. Gemeinde zu Leipzig. Leipzig, 1849, 8. C. L. Fritzsche.' Selten ist mir eine Rede vorgekommen, die so abgerundet in Form und Inhalt, so edel in Ausdruck und Sprache, so künstlerisch und doch fa einfach und natürlich ist, als die vorliegende/ undgern empfehle ich sie den Laien zur angenehmen Lektüre und den Fachgeooffen zur Nachahmung. Obgleich ganz von örtlichen und Familien-Verhältnissen bestimmt, wußte doch Hr. I. dem Gegenstände eine allgemeine Seite abzugewinnen und diese Seite mit einer. Fülle von schönen sinnigen Gedanken zu schmücken, daß man wohl gLaubcn kann, die Rede habe auf Herz und Sinn der Hörer gewaltig eingewickt, da selbst ein fernstehender Leser davon ergriffen wird. Ein Motto von Göth-e über den höchsten Zweck der priesterlichen Einsegnung und eines von Schiller, das vortrefflich zu den besondern Familien-Verhältnissen paßt, bilden zusammen den Eingang, und der 118. Psalm, der in metrischgereimter Uebersctzung folgt und das kurze aber schöne Gebet, das die Rede cinleitct., alles das zusammen ist sehr gut geeignet, die rechte Stimmung vorzu bereiten. Der Grundsatz, daß das Individuellste, Besonderste und Eigenthümlichste auch das Richtigste ist, bestätigt sich auch bei dieser Traurede vollkommen. Dis erste öffentliche Ehe-Einsegnung nach Aufhebung der Ausnahmsgeskhe, die erste Aufathmung der Israeliten von dem schweren eisernen Joche der Familianten, die Anwesenheit der Christen bei der jungen Freiheit, welche das Verständniß und die richtige Auffassung dazu noch nicht haben, dann das Andenken an den für die Freiheit gefallenen Bruder, Alles das hat der brüderliche Redner mit großer Geschicklichkeit zur Staffage des Proömium benutzt. Zum Tkxt ist der Wochenabschnitl Gn. 9, 16: „Entsteht der Bogen im Gewölk, so werde ich ihn ansehen, um zu denkendes Bundes für die Ewigkeit" gewählt und diesen Text sucht der Redner einzntheilen in: a) der Regenbogen als Zeichen des Glaubens; b) der Regenbogen als Zeichen der Liebe; =0 der Regenbogen als Zeichen der Hoffnung und alle diese drei Theile in sinniger und ergreifende« Weise auszuführen. Doch hier ist nicht der Ort, specieller auf die Predigt einzugehen, ks genüge darauf aufmerksam zu machen, daß unter den Kasualreden diese einen der schönsten Ehrenplätze verdient. Druck n-»d Ausstattung der Offfcin des „Orient" sind ausgezeichnet. 30) D'"1W W6 nun. Travestie der Pesach-Haggada für die Purim-Feier, vermehrt mit einer Travestie der nwnpO unb nn’ör. Bearbeitet von Dr. Hirsch S o m. wer hause» in Brüssel: rlmst. 1849, 8. (Schluß.) Einige dieser Werke, wie nic^n C'“,15 'o und pDpun besitzt Hr. S. handschriftlich und hat sie bereits