Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 50 (15.12.1849)
- Date
- 1849-12-15
- Page
- Spalte 785-786 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Meralnrblatt des Orients. Berichte, Studie« und Kritiken für Mische Geschichte und Literatur. JW 50 Leipzig, den 15. December 1849. In ha lt. Offenes Wort. — Kritiken. Kurze Uebersrchten. Jellinek, Trourede. Travestie der Pesach-Haggadcr von Sommerpausen. Löwisoh'N, Mechkern Laschen. Rlle drei angez. von Dr. Fürst. — Studien. Ueber den Bibelkanon des Fl. Josefus. Von Rabb. A. Treuen fels in Weilburg. lFortf.) — Literarische Miscellen. Ueber einen Tr. Derech Erez jeruschalmi. Von Dukes. -— Sur neuesten Geschichte der Juden in Mähren. Entwurf einer Synagogal-Verfassung. (Forts.) — UnkündigANgen. Offenes Wort an die Leser des „Orient" und die Freunde der jüdischen Wissenschaft. Ein volles Jahrzehend hat unser Blatt an den politischen, religiösen und literarischen Fortschritten der Inden mitgearbeitet; ein Jahrzehend, reich an Kämpfen nach Innen wie nach Außen, an Erschütterungen inner- und außerhalb des Judenthüms, hat es Verläumdungcn und Schmähungen über sich ergehen lassen; ein Jahczchcnd hat es der Entwickelung des socialen und wissenschaftlichen Lebens der Inden schwere Opfer gebracht! Opfer an pekuniären Mitteln von Seite der Verlags- Handlung; Opfer an geistigen Kräften, an Zeit und Mühewaltung von Seite der Nedactkon. Wer die selbstgefällige Apathie der reichen Juden, den Mangel an Interesse für Judenthum bei jüdischen Zcitnngslescrn, den kleinlichen Neid und die neidische Kleinlichkeit kleinlicher Gelehrten, den wissenschaftlichen Terrorismus der jüdischen Koryphäen, den felbstvcrgötternde« Egoismus so vieler.Rabbiner» kennt; wer da weiß, wie so viele Hände geschäftig sind, nicht um dm stolzen Bau der jüdischen Wissenschaft in Schone und Pracht anfznsührcn, sondern um mit wahrhaft fanatischer Wnth zu hindern, zu stören, cinzureißm, damit kein geistiger Mittelpunkt des literarischen Strcbcns existirc; wem cs bekannt ist, wie wenig Begeisterung, Hingebung, Aufopferung für jüdisches Wissen vorhanden ist , wie es leider an jedem edlen Gemcinsüm fehlt, wenn es mehr gilt, als Bettler zu versorgen und Kranke zu pflegen; wer da erwägt, wie die meisten jüdischen Geistlichen vom modernsten Zuschnitte gerade, sich um Geschichte und Vergangenheit der Juden wenig kümmern: der wird es wohl begreifen, wemu »vir hier das offene Gcständniß ablcgcn, daß unser Blatt nur unter zahlreichen materiellen und geistigen Opfern bis jetzt erschienen ist; daß nur Liebe zu unfern Stamm- und Glaubensgenossen, Begeisterung für die Geschichtserkeuntnkß im weitern Sinne und die Sehnsucht, die politische Lage der Inden zu verbessern und deren religiöse Entivickelung zu fördern uns vermocht hat, Zeit, Kraft und Mühe ans unser Journal zu verwenden. Und das können wir mit vollem Bewußtsein aussprechen: Keine jüdische Zeitschrift hat so tief in die religiösen Verhältnisse ekngcgriffcn, so kräftig die jüdische Wissenschaft in allen ihren Verzweigungen gefördert, so mächtig das wissenschaftliche Leben und Interesse im Judenthum, wie die vielen tüchtigen Kräfte jüngerer Gelehrten angeregt, als der „Orient." Noch sind wir nicht müde! Der „Orient" wird, trotz der bedenteuden Verluste, die er durch die Stürme der letzten zwei Jahre erlitten und die den großen literarischen Zeitungen den Untergang brachten, auch im Jahre 1880 erscheine«. Mein mit dem offenen, freien und unumwundenen Gestandniß treten wir vor das Publikun», 50