Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 50 (15.12.1849)
- Date
- 1849-12-15
- Page
- Seite 218 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- 218 — indem er zum Professor 'befördert wurde, giebt cs bereits mehre Aspiranten bei uns. So bewerben sich H-r. Dr. Kämpf und Hr. Dr. Lowositz um eine Docentnr der hebräischen Sprache cm unserer Universität. Vielleicht beabsichtigen unsere frommen Juden, die hebräische Sprache als Gerichtssprache einzuführen. AuchHr. C'. Tewel es soll sich auf ein Doemten-E)'amen vorbcreiten. — Es ist rühmenswcrth, daß,Hr. Oberrabbiner R apap ort jede Gelegenheit benutzt, um zum Studium der Bibel anzneiftru. Die Unwisseuheit macht in Prag solche Fortschritte, daß es der unablässigen Mahnung bedarf, die hebräische Sprache nicht ganz zu vernachlässigen. — An unserer jüdischen Hcniptschnle ist eine Directricestelle vakant geworden. — Der junge Kaiser hatte bei seiner Anwesenheit sich sehr freundlich zur jüdischen Deputation ausgesprochen. Rapaport hatte zuerst den üblichen Segensspruch gesprochen, den sich Se. Maj. der Kaiser übersetzen ließ, worauf der Kaiser zur Deputation sagte: ,,Grüßen Sie Ihre Gemeinde in meinem Namen." Natürlich war auch die Judenstadt illumimrt (sie könnte überhaupt etwas Licht gebrauchen). Besonders schön erleuchtet war die sogenannte Neuschule, welche die Worte fron “jnn im Transparent zeigte. — Der Abgeordnete Trojan, ein bekannter Erzczeche und Erzfeind der Juden ist wegen Defraudation und Fälschung eiugezvgeu worden. So ist mcl;t blvs Troja, sondern auch Trojan gefallen. Triest, Ende Sptbr. (Aus einem Privatschreiben.) Hier wüthete seit 18 bis 20 Tagen die Cholera mit großer Heftigkeit, von ungefähr 1200 Erkrankten sind nahe an | der Krankheit erlegen, darunter auch viele Israeliten, obfchou nicht im Verhältnis ihrer Anzahl zur Gesammtbevölkeruug. Am Montage in der Bußwoche wurde hier in allen Synagogen ein allgemeiner Bettag gehalten, wobei auch ein bei den italienischen Israeliten auch für Einzelne oft angewandter sog. ]THD oder “iDD mit der den Italienern eigen thnmlichen religiösen Feierlichkeit stattsand. Diesem Akte haben sicherlich .J der ganzen Gemeinde beigewohnt. Dagegen fand am Nüsttage vor dem Versöhn»ngstage eine lange und ernste Berathnng darüber statt, ob unter den obwaltenden Verhältnissen dieser anstrengende Fasttag in irgend einer Weise gemildert werden könne, nachdem 2 Aerzte von israelitischer Religion sogar brmgend gerathen hatten, denselben wegeil durch Abschwächung zu vergrößernder Gefahr ganz und gar auszusetzcn. Der Oberrabbiner versammelte sämmtliche, freilich auch in dieser großen Gemeinde nur noch spärlich sich vorfindenden Talmudgelchrten um sich, und man erwog lange und reiflich einerseits die große Verantlvortlichkeit bei Festhaltuug unbeugsamer Rigorosität, andererseits die weilgreifenden Folgen einer Herabsetzung des dem Israeliten heiligen Buß- und Fasttages. Mmi erbat sich den Aufschluß der Aerzte darüber, ob nicht die Essenden in eben so großer Gefahr, wie die Fastenden, schwebten? Ja j ob nicht durch Speise- und Trank-Genuß die Gefahr leichter erhöht werden könne, als durch völlige Nüchternheit? Und man kam hierdurch zu folgendenr Resultatüberein: 1. Der Verföhnungstag bleibt i" ungeschwächter Verbindlichkeit bestehen. 2.- Wer im geringsten sich bereits unwohl fühlt, oder im Laufe des Tages sich fühlen sollte, hat unverzüglich nach einem Arzte zu schicken, wovon in jeder Apotheke immer einer anwesend sein muß und sich gänzlich nach dessen Anweisung zu richten. 3. Zur Verminderung der Gefahr des Beisammenseins in engen Räumen/ sollen n) zu den vier gewöhnlichen Synagogen noch zwei weitere hinzu- ^gefügt werden; b) die Wachskerzen gleich nach dem erstell Abendgebete ansgelöscht, und erst zürn letzten Schlußgebet wieder angeznndet werden; und 6)' zwischen Mussaf und Mincha der Gottesdienst eine Stunde unterbrochen, während welcher Thüren lmv Fenster der Synagogen offen stehen und überdies alle Räume durch Auzündcn von Wachhelderholz durchräiuchert werderl sollten. —' Der Genleinde gereichte es auch zrrr großen Ehre, daß alle Parteien sich willig diesen Anordnungen gefügt haben; dem Allmächtigen aber sei Preis und Dank dafür, daß er die auf ihn vertrauet, in seinen erhabenen Schutz genommen; tu allen sechs Synagogen wurde ohne Ausnahme gut gefastet, bis zwei Tage nach dem Fasten hat man noch von keiner Seite den geringsten Nachtheil davon vernommen, was auch bei unseren christlichen Mitbürgern zur Heiligung des göttlichen Namens gereicht. Hamburg, im Deeember. Etwas über des se!. Dernay' 6 S y n a g o g a l - V o r tr ä g e. B. war eine außergewöhnliche Erscheinung am Horizont -es orthodoxen Judenthums. Ein Meteor, welches hellen Glanz aber keine Warme giebt und spurlos verschwindet. Er hiaterlüß weder mündliche nach schriftliche Lehre. Die Schullag nicht ganz an ihm; denn er stand durchaus nicht ans seinem Platz. Fast gezwungen nahm er das Rabbinctt an, eine Stellungen der er, wie er oft selbst äußerte, gar nicht befähigt war. — Schon (mm ersten Auftauchen in der wissenschaftlichen Welt, zeigte B. der Jüngling was er als Mann werden konnte; die frühkeimende Knospe verkündete eine herrliche'Blülhenpracht. Von der Natur mit einer edlen Form, und einem noch edlern Geist begabt, faßte er schnell die schwierigsten Aufgaben auf, löste sie eben so schnell und leicht, und durch eine merkwürdige Gedachtnißkrast behielt er das Aufgefaßte für immer. Bei dem ersten Lag futnu* Ankunft, zeigte ihm mein frL Vater eine Stelle in Ra m bum, die derselbe nebst Mendelssohn und dem damaligen berliner Rabbiner nicht erklären kennte. B. hatte sie kaum gehört, als er sie schon so richtig löste, daß gar keiir Zweifel über blieb. — Bis zum 13. Jahr erhielt er dlos in Talmud Unterricht, er hatte aber das Glück einen Lehrer zu haben der ihm diese hohe Lehre, ganz ohne Pilpul-Sophisterei beibrachre, wovon B. selbst ein abgeschworner Feind war, und den Talmud so; begriff, wie Maimuni, Saadja und alle die Großen, die keine Idee vom Ehiluk-Schwmdel halten. Alsdann eignere sich B. auch profane Wissenschaften an; blieb aUx in der Philosophie bei Schelling stehen, rind ging als Rabbiner nicht weiter, trieb auch als solcher nur Talmud, Exegese und Kabbalm LetztereWissenschafc hat ihm, wie er mir oft versicherte, mehr Anstrengung und Kopstwcchens gekostet, als all sein anderes