Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 50 (15.12.1849)
- Date
- 1849-12-15
- Page
- Seite 217 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte, Studien und Kritiken Lekmtsr Das Abonnement auf sin Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen llöbl. Postämtern und .allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von vr. JM«s Fürst. Jahrgang. Den dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das bitcraturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Sonnabend regelmäßig. Ms«. Leipzig, i>cn 15. Dcccmbcr 1841h I n ha l t. Deutschland. Aus Baiern. Die Emci^cipatkon vor der Kammer. Prag. Vermischte Nachrichten. Triest. Die Cholera. Der Versöhnungstag. Hamburg. Ueüer Bernay's Vortrage Vou M. Mendelson. München. Entwurf zur Emancipation der Juden. Wien. Jüdische Deputation aus Krakau. — Der Oorfgeher. Eine Ghetto-NoHelle von Leop. Komper t. (Forts.) - LB. d. Or. Deutschland. Ans Baiern, im Rvbr. Noch immer läßt sich nichts Bestimmtes über unsere küilftige Stellung im Staate sagen, noch immer find die Meinungen darüber schwankend, ob die so stark um sich greifende Reaktion in Baiern auch die Entwickelung unserer .politischbürgerlichen Zustände uiederdrückt, oder ob nicht wemgstens dieser Eine schon so lange alö Bodürfniß gefühlte Punkt der Märzverheißungen durch unsere Kammern in Erfüllung gebracht wird — sei es aus der lieben alten Gewohnheit, keiner Vorlage des Ministeriums die Zustimmung zu verweigern — sei es aus einer gewissen Scheu, in der Entscheidung einer Frage, bei der das Prinzip der Humanität fast in der ganzen elvilisirten Welt dmchgednmgen ist, isolirt dazustehen. Denn ein Aussprechen für die Gleichstellung der Juden aus reinem Sinne für die gute Sache läßt sich von unserer jetzigen Volksvertretung nicht erwarten. Dem,,Nürnberger Kumr^ zufolge hat der Abg. Scharpf als Referent den EuraneipationS-Entwurf, welcher noch immer im Ausschüsse liegt, schon seit vier Wochen bearbeitet und dessen unveränderte Annahme nach' der Regierungsvorlage begutachtet: allein im Ausschüsse wurden mehrfache Einwendungen gemacht — wie ich Ihnen schon früher berichtete — und alle möglichen Zögerungen veranlaßt. Der Ausschuß, beliebte Erhebungen darüber von der Regierung zu verlangen, wie viel Juden ln Baicrn überhaupt wohnen, wie viel auf den einzelnen Omadratmeilen wohnen, welche Gewerbe rc. sie treiben, und wie sie seit dem bekannten Edikte vom Jahre 1813 sich sittlich und bürgerlich gehoben haben. Ferner beliebte dieser Ausschuß darüber Recherchen anzuordnen, was seither in den einzelnen deutschen Staaten für die Verbesserung der staatsbürgerlichen Verhältnisse der Juden geschehen sei, und was in den einzelnen LandtLgSkammern für und wider, die Emaneipation vorgebracht wurde. Endlich erfährt man in jüngster Zeit, daß der Ausschuß, in welchem Schnitzlein, Dr. Ruland, Fomdran, v. Steinsdorf u. s. w. sitzen, sich zwar für nvilrechtliche Gleichstellung der Juden entscheiden wolle, keineswegs aber für ihre staatsbürgerliche Gleichstellung, unter welcher auch die Ansässigmachung begriffen werden soll. Das sind die Erwartungen, welche inan von diesen Männern der so mächtigen Kammermajorität hegen kann. Im Jahre 1849 markten und mäkeln die Vertreter des Volks im Sinne des Rückschritts bei dieser ersten und einzigen Regierungsvorlage, die daö Prädikat ,,freisinnig^ verdient, während in allen deutschen Staaten bereits die volle politische Gleichstellung anerkannt und garantirt ist', während selbst die vktroyirtm Verfassungen von Oesterreich und Preußen den Grundsatz der politischen Gleichstellung aller Konfessionen anssprechen und selbst bei uns den Inden das wichtigste politische Recht — das Recht der Volksvertretung — verfassungsmäßig zugeftanden ist I Prag, 2. Dcbr. Nachdem Prof. Wcffely den jüdischen Gelehrten Oesterreichs die Bahn gebrochen, 50