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Der Orient · 1849-12-08 · 49 (8.12.1849) · p. Spalte 781-782

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Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
49 (8.12.1849)
Date
1849-12-08
Page
Spalte 781-782 (sequence 7)
Language
German
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781' 782 Studien. Replik an Fr. Lebrecht. Ankündigungen. Irr diesen Ankündigungen werden Anzeigen aller Art, besonders in so weit sie jüdische und orientalische Geschichte und Literatur betreffen, gegen Sgr. für die gespaltene Petit-Zeile oder deren Raum ausgenommen. Ernste und wohlgemeinte Replik an Herrn Dr. Friedrich Lebrecht in Berlin. Zu den Uebelständen, die auf das Entfalten, Gedeihen und Emporkommen der beinahe schon halb vergessenen altehrwürdigen hebräischen Literatur im Iudenthume selbst feindselig und hemmend einwirken, ja zu dem Fluche, der auf ihr lastet, gehört auch das verabscheuungs- und hassenswürdige neidische und scheelsüchtige sich Anfeinden ihrer wenigen Jünger und Priester unter und gegen einander. Es ist diese zwietrachtliche bis zur mikrologischen Kleinheit sich vergessende skandalöse öffentliche Boxerei in der Neuzeit leider so zur Mode geworden, daß eben jene, die als gerüstete Bannerträger das Palladium der jüdischen Literatur mit allem Aufwande ihrer Kraft aufrecht erhalten mV schirmen sollten, es sind, die aus Eitelkeit deren völligen Untergang herbeisühren, so daß Jedem, der unsere zun Förderung und Hebung des Judenthums und seiner Literatur begründeten Zeitblätter immer gelesen hat, leider die betrübende Ucberzeugung sich aufdringen muß und wird, daß beinahe nicht ein glänzender Name .von allen jenen, welche dem Judenthum und seiner Literatur zum Schmuck und zur Zierde gereichen, sage nicht ein einziger sich leider finden wird, der nicht mit dem Kothe schimpflicher Persönlichkeiten schon beworfen wurde! Es ist dies der fluchwürdige und fluchbringende ätzende Bernfraß, der den kargen Markesrest der in ihren letzten Lebensffadien stehenden und dem Grabe der Vergessenheit zuwankenden hebräischen Literatur aufzehrt, und es ist dies der bösartige Gifthauch der Zwietracht, der den ohne Alles und jedwedes Oel der Theilnahme und Aufmunterung nur noch schwach glimmenden Funken der. heiligen Lampe leider seinem baldigen gänzlichen Erlöschen zuführt! Dieses Treiben mir Persönlichkeiten, zu deren Tummelplätze sich unsere journalistischen Institute unvorsichtiger Weise hergaben, hat den ohnehin nur florartigen schwachen Flitter und Heiligenschein, der die Männer, des Wissens und Verdienstes vor den Augen der Laien umgab, zerrissen und zerstört, den Ruhm jener Koryphäen, zu denen das Volk theilweise mit ehrfurchtsvollem Stolz emporschauere, profanirt und in den Staub der Alltäglichkeit gezogen, den Priestern der jüdischen Wissenschaft die Krone des heiligen Salböls vom geweihten Haupte gerissen, so der Wissenschaft und Kulturförderung selbst den Gnadenstoß gegeben und haben die Macht dieser literarischen Institute so in Mißkredit gebracht und entkräftet, daß sie leider weit minder erfolgreich, gemeinnützig und heilbringend geworden, als sie es zur Zeit ihrer Begründung zu werden hoffen ließen! Ein Beispiel einer derartigen Polemik hat Hr. Friedrich Lebrecht vor kurzem in Nr. 40 der diesj.Zeit. d. I. zum Skandale der jüdischen Gelehrtenwelt, zu liefern für gut befunden, und bei dieser Gelegenheit haben auch wir es paffend gefunden, obiges ernstes und wohlgemeintes Wort, das uns schon lange auf der Zunge schwebte, für die Oeffentlichkeit niederzuschreiben und nebst dem für die so feindselig angegriffene Ehre des durch seine weithin anerkannten Leistungen rühmlich bekannten Herrn Leopold Du des eine ritterliche Lanze zu brechen. Jedoch möge — keinesfalls darob — unser Gegner es uns freundlich zu Gute halten, wenn wir nicht gleiche Waffen auf den Wahlplatz mitbrpngen, unsere Flinten nicht mit den Kugeln der Grobheit und Indiskretion laden, unser Schwert nicht mit dem Gifte der Beleidigung wetzen, unsere Schußweite nicht außerhalb der Schranken der Mäßigung bemessen und — nicht dreinschlagen. Schmerzlich, tief betrübend und kränkend ist es, Hrn. O. von Hrn. L. in einem Anfalle wahrhafter Wuth, mit dem Epitheton Schaß-Pollak, Plagiator, sieten- und charakterlos regalirt zu sehen! Wahrlich, man muß eine gar hohe Meinung von sich und seinem Werthe haben und in närrischer Aufgeblasenheit es bis zum Aeußerften gebracht haben, wenn man durch die Empfindlichkeit ob einer kleinen kritischen Streifwunde — denn daß Hr. D. in seiner Besprechung des Schoroschim Hrn. L. nicht beleidigt hat, kann sich jeder Unbefangene aus dem LB. des Or. Nr. 2—4 deutlich und klar überzeugen — so selbstvergessen sich selbst eine Blöße geben kann, den schönen talmudischen Satz: „Bira deschatet mineh, al tischde beh Kole“ außer Acht zu lassen, in seinem eigenen geistigen Blut und Fleisch zu wüthen und seinen nun rühmlich bekannten einstigen Schüler — wie dies das Verhältnis) D. zu L. — an dessen Bildung er doch mitgearbeitet, und auf welchen frühere Lehrer, die gegenwärtig als hochgeachtete Rabbinen fungiren, wahrhaft mit selbstbewußtem Stolze zurückblicken , mit derartigen beleidigenden ehrenrührigen und verleumderischen: Schmähnamen zu verfolgen? Es ist unverantwortlich. Was hat Sitten- und Charakterlosigkeit — die doch jedenfalls in Abrede zu stellen — im Gebiete der Literatur zu schaffen mit dem kritischen Zwiespalt, der sich zwischen zwei tüchtigen Männern wie D. und L. bis zur Spmnenfeindschaft entspann , gemein? Wie kann es Hr. L. verantworten und sich selbst so blosstetten, Hrn. D., dessen Talent beurkundende hebräische Gedichte (im Bikkure ha-Jttim) schon in seinem 12. Jahre allgemeine Bewunderung erregten und dessen noch ungedruckte Briefe an beinahe sämmtliche Koryphäen unserer Zeit, ihrem gediegenen fließenden Style nach, den besten der alten Schule sich an-

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