Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 49 (8.12.1849)
- Date
- 1849-12-08
- Page
- Spalte 771-772 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Ta men. Wäre es da nicht Sache der Gemeinde einzuschreiten, schon der Schwachen wegendie beim gänzlichen Jgnoriren von Seiten der Juden ein Zugeständniß anzunehmen geneigt sind? — Die Vision: „Das ewige Leben in der Vergänglichkeit", von Dr. H.S. Hirschfeld, ist sehr malerisch geschrieben, uns aber, offen gestanden, zu visionär. Wie schön auch die den Tönen entsteigenden Engel sind, und wie sehr sie dem Sphärenreigen der Mystik und besonders den, durch das G«ebet entstehenden Engeln in den jüdischen Sagen ähneln — gewähren sie doch im Ganzen zu wenig Anhalt, um zu einer Belehrung oder gar Ueberzeugung auszureichen. Etwas Kräftiger ist: „Freiheit und Gesetz" von demselben. Die „Makäme aus dem Tachkemoni" ist mit der, bei Hrn. Dr. Kämpf schon von den ersten Magmen her bekannten Kunstfertigkeit übertragen. Das Fragment „Spinoza" von Max Ringverräth sehr dichterische Begeisterung und ein warmschlagenides Herz für die Glaubensgenossen und somit für die leidende, ringende Menschheit. Einem Epos: Spinoza, sähen wir gern von' diesem Werf. entgegen; Sabbatai Zewi aber können wir uns als Helden eines Epos nicht gut denken. Die Proben aus „Deborah" passen nicht ganz in das Jahrbuch eines Kalenders, sind aber jedenfalls als für Israeliten mit großer Sorgfalt ausgewählt. — Die Beurtheilung aber aus den C. K. für Böhmen mit Stellen wie z. B.: „Dieser Gedanke ist die Initiative des tragischen Geschickes, das nur das Haupt der Jüdin treffen soll, denn ach — sie stammt ja von dem Volke Ahasveros ab, und der Fluch des Kreuzträgers lastet auf ihr!" — hätte schon wegbleiben sollen. Das Gedicht: Jahrzeitlicht, von Franklspricht einen schönen Gedanken aber nur als Reflexion aus, läßt daher das Gefühl zu kalt. Wir erinnern uns vor längerer Zeit von Düschenthal ein sehr warmes, kindlich herzliches Gedicht: vom Jahrzeitlicht, gelesen zu haben. „Der Schüler der Kabbala" von Frankl ist der Zauberlehrling ins Jüdische übertragen. Hier hängt es nämlich nicht wie bei jenem von was Aeußerlichem, von der Zauberformel, sondern von der Reinheit der Gesinnung ab. Da diese dem Schüler abgehtso muß freilich das Ende tragisch sein. Von der Schönheit der Versisikation darf bei dem Meistersänger des „Colombo" erst kein Wort des Lobes gesagt werden. Von Mannheimers „Nach dem Sturme", kann man nicht viel des Lobes sagen; geeigneter ist noch „Akiba ben Joseph", von demselben. Aehnliches können wir auch nur über „Samba thron", und „Orient und Occident" von David Men dl äußern. Dagegen freuen wir uns: Dichtungen nach dem Midrasch von H. Hamburger, wie wir sie im Orient öfter gefunden, wieder zu begegnen. Auch Ernst Wehli's Uebrrsetzung des ist allerliebst. Sie 772 kann unbedingt als Morgengebet für die Jugend allgemein empfohlen werden. Da wir an em Volksbuch zunächst den Maßstab legen, ob man es nicht blos ohne Nachtheit, sondern mit Nutzen der Jugend in die Hand geben kann; so müssen wir bei der jetzt folgenden Novelle: „Mademoiselle Desir«e, von I. S. Tauber," unser tiefes Bedauern ausfprechen, daß solche in einem Jahrbuch für Israeliten Aufnahme gefunden. In einem der kleinen Wiener Taschenbücher, die zumeist der niedlichen Köpfchen wegen erscheinen, wäre sie eher an ihrem Platze gewesen. Abgesehen von dem Manierirten der ganzen Darstellung, wir wollen nicht einmal alles Verfehlte dem Verf. zur Last legen und gern annehmen, wie manches, z. B. „er war blöde" — nur Druckfehler ist — gehört eine Erzählung, die mit faunenhafter Schlüpfrigkeit j Obsconität ausmalr (siehe Seite 187) in ein Volksbuch, und! zumal in ein Jahrbuch für Israeliten? — Oder soll sie dieser Ehre deshalb hier theilhaftig werden, weil beim Beginn ein politischer Spion, der zufällig Jude ist, im Verlauf sein kokettes Tochterchen und am Schluffe ein Altweiberaberglauben darin vorkommt? — Wir wollen nicht in Abrede stellen, daß es auch sogenannte Juden giebt, die sich dem Allen wirklich ergeben; keineswegs aber als Juden, sondern weil sie eben auf nichtjüdische Weise dem materiellen Treiben der Gegenwart sich zu sehr hingeben. Möge der Verf., der sonst Talent und guten Willen verräth., uns künftig ein echt jüdisches Bild vorführen — d. h. ein solches, wo auch die Fehler, durch die Verhältnisse der Juden entsprungen, immer noch durch das Judenthum in den Schranken der Sitte und Menschlichkeit bleiben und nicht widerlich werden — und wir wollen dann annchmen, daß die vorliegende Novelle nicht blos in Frankreich spielt, sondern auch daselbst entsprungen ist; obzwar „Hepp Juden" und „Handele wos" mehr nach Böhmen weist. Mit wahrem Genuß haben wir dagegen wieder: Die Behandlung der Thiere bei den alten Hebräern, von Professor Wessely gelesen. Was der Verf. von Antithierquä'ler-Verein sagt, ließe sich mit leichter Mühe gegen alle Vereine anbringen. „Man hat sich weniger um Namen als um die Sache gekümmert und so geschah es denn, daß die Sache vorhanden war, ehe man den Namen dafür hatte; im Gegensätze unserer Zeit, der es vor allem um den Namen zu thun ist, unier den sich nicht selten eine Leere birgt, die erst ihren Jnhalr sucht." — Auch einen Bekehr-Berem hatten und brauchten die Juden nicht. Ihr Leben nur soll es ' bewahrheiten: „Wo ist eine Nation, sie mag noch so groß sein, die solche gerechte Satzungen und Rechte hätte, wie diese ganze Lehre!" (Deut. 4, 8.) Das Karlsb ader Judenhospital von Dr. S. Sachs ist mit schöner Beredsamkeit und wahrem Eifer für die gute Sache geschrieben , nur können wie in der Hauptsache nicht mit dem Herrn Verf. iibereinstimmen. Schon unsere Weisen warnten in jeder Beziehung vor dem Zuviel. Kritiken. Klein's Kalender.