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Der Orient · 1849-12-08 · 49 (8.12.1849) · p. Spalte 769-770

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Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
49 (8.12.1849)
Date
1849-12-08
Page
Spalte 769-770 (sequence 1)
Language
German
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Meraturblatt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Literatur. M49. Leipzig, dm 8. Dcecmber 184«. Inhalt. Kritiken. Kurze Uebersichten. Klein'ß Kalender. Angez. von E—n. Harifut Troja v. Lebensohn. Safa Berura v. Schulmann. Kinat Soferim von Lebensohn. Angez. von Dr. Fürst. — Studien. Ueber den Bibelkanon -es Fl. Josefuis. Von Rabb. A. Treuen fels in Weilkmrq. lForts.) — Literarische Miseellen. Kommentar zum Hohenlied. Bon Kirchheim. Elija Levita. Von S chott. Aur neuesten Geschichte der Juden in Mähren. Entwurf einer SynagogalrBerfassung. (Forts.) — Ankündigungen. Replik. Kurze Uebersichten» 28) Volkskalender' für Israeliten auf das Jahr 5610, Herausgaben von K. Klein. Neuester Jahrgang. .Mit Künstbeilage. Berlin. Stuyr'sche Buchhandlung. (Schluß.) „Dor politische Fortschritt und der religiöse Stillstand be id en Juden", von Dr. Salomon Cohn, Rabbiner zu Oppeln, ist mit biederem Freimuth und besonders in der ersten Hälfte mit vieler Wahrheit geschrieben, scheint mir aber gegen das Ende etwas einseitig zu werden. Daß „Protestanten sowohl wie Katholiken mit ungeschwächter Energie das Werk ihrer Religion fördern und die Organifirung glaubcnszwecklicher Vereine mir ollem Eifer betreiben^ können wir nicht ganz fa und als Vorwurf für pje Juden betrachten § sondern sehen nur jn diesem Vereine, das was sie wirklich und was die meisten Vereine sind; einseitige Absperrung und exkludirende Bestrebungen. Die christlichen Konfessionen sind es so sehr gewohnt in der Politik eine Rolle zu spielen, daß sie, wenn Die erwachende Menschheit dfa Konfessionen an ihren Platz verweilen will, sogleich wieder in Vereine zusammentreten, um so viel es nur angeht, als herrschende Kirche zu erlangen«. Das Judenthum aber ist sxoh, endlich der Zwangsjacke des Staates zu entkommen, und denkt nur daran, sich rein aus sich selbst heraus zu entwickeln, Deshalb will es uns bedünken, stehen jetzt Orthodoxe, Reformer und Vermittler eine Weile still, um sich, da sie den Kreuzweg verlassen können, zu örienliren. Sobald nur vom Judenthum spfmdäußerliche Einflüsse fern gehalten werden, dann ist mir um die Verewigung aller Parteien in ihm, wenn sie cs nur ehrlich meinen, nicht bange. Als eins Anbahnung hierzu kann man den „Entwurf einer Synagogal-Verfassung" aus Mähren betrachten, der, so west ec bis jetzt im Orient mitgetheilt ist, viel Gutes enthält» Noch immer gelten da des sterbenden König JannäuS', Worte: Fürchte nicht die Pharisäer und nicht die Sädduräer rc. —- Das Judenthum überhaupt begünstigt die Vereine nicht. Keineswegs aber, weil es sich isoliren, sondern weil es dLe ganze Menschheit zu einem Verein — der immerhin ohne Festessen, Toaste und Adressen bestehen kann -- verbinden will. Wie komisch klingt es z. B. den Juden, wenn er von dem Freimaurer-Verein liest; „Der Freimaurerorden er» strebt in seiner Hrupttendenz die Verbreitung wahrer Humanität, einer Humanität die den sittlichen Menschen über alle Verschiedenheiten von Rang und Stand hinwegheben fall," — dabei sich aber sagen muß, wie er im Lande der Intelligenz in keiner Loge zugelasssn wird, und damit die Bibeßstellen vergleicht: Du darfst den Armen nicht schonen und das Ansehen des Vornehmen nicht achten — Du sollst den Fremden nicht unterdrücken und dgl. mehr. Höchstens einen Verein konnten wir jetzt den Juden anempfehlen, den, zur Abwehr falscher Beschuldigungen. Wiewohl das Judenthum die Darlegung der vollen Wahrheit schon an und für sich auch erheischt, scheint denn doch, durch die lange Zeit des Druckes, in dm Einzelnen eine gewisse Scheu, eine übertriebene Aengstlichkeit eingezogen zu sein, wodurch Manches verabsäumt und der Bosheit und Niederträchtigkeit freier Spielraum emgeraurnt wird. So z. B« ist uns eine Hauptstadt eines Regierungsbezirks bekannt, Ln der ein Gymnasial-Oberlehrer auf die pöbelhafteste Weise das Gefühl seiner jüdischen Schüler verletzt; „das ist jüdisch deutsch" — „ich lasse mich nicht betrügen" — „Hier ist keine Judenschule" — „Sie werden mir keine falsche Waare em? reden" — dieses sind die gewöhnlichen Redensarten des g«elehrten Jugendbildners und fallen noch schlimmer vorkom? 49

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