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Der Orient · 1849-12-08 · Heft 49 (8.12.1849) · p. Seite 215

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 49 (8.12.1849)
Date
1849-12-08
Page
Seite 215 (sequence 5)
Language
German
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215 das Grab I.'s, und ruft ihm zu: Hier liegt ein Jude. Er st a r b fü r D e u t sch la ud s Freiheit.-— — Die Gesellschaft blieb bis nach Mitternacht beisammen und sprach von und über Jellinek. Dr. Fürst machte den Vorschlag, einen Verein zu gründen, der durch K^mmenticung und Läuterung der Ideen H. I.'s, wie sie in dessen Schriften aufbewahrt sind, dessen Namen verewigen soll. BoKkswrtz, im Nvbr. Nekrolog. Unter den zahllosen Opfern, welche die in diesem verhängnißvollen Jahre so sehr um sich greifende Cholera hinraffre, verdient ein Mann namhaft genannt zu werden, dessen Streben und Wirken ihm einen Platz unter den edlen Männern behauplete, die die Annalen des Judenthums aufzuweisen haben. Es ist der bekannte Hr. Aron Low Beer, aus Boskowitz, ein Mann, durch dessen Absterben nicht nur seine nächste Umgebung, seine Gemeinde, sondern Mähren überhaupt einen harten Schlag erlitten. Denn leider müssen wir es uns zu unserer eigenen Schande gestehen, daß wenige Reiche' in Mahren einen solchen Wohlthäcigkeicesinn, einen solchen hochherzigen Geist für alles Gute, Schöne und Wahre in sich bewahren, wie sie sich an diesem Manne repräsentirten. Ich übertreibe gar nicht, wenn ich sage, daß er in seinem Sinne für MildundWehlthätigkeit keine Schranken und Grenzen kannte, — fragen wir nur bei den Waisen und Witwen, bei den Hilfsbedürftigen und Nothleidenden seiner Gemeinde sowohl, als auch die fremder Orte an, und sie werden meine Behauptung argumentiren. Er selbst gehörte zu den Alrkoriservativen im Judenthume, hemmte aber auch den Lauf der Neuerung nicht, insofern sie nicht, wie ein wilder Strom, selbst die Dämme, die Religion und das jüdische Ceremoniell ihr entgegen setzen, mn sich fortriß; vielmehr unterstützte er jedes edle Unternehmen. So half er daselbst die jüdisch-deutsche Schule begründen, und griff ihr mit reichlichen Mitteln unter die Arme, als sie vor Jahren schön zu sinken ansing. Selbst bei der tragischen Geschichte, die sich in Boskowitz beim Erscheinen des Ravb. Chorin und Löw zutrug, hielt er sich neutral. Was seine Person an und für sich betrifft, zeichneten ihn seine wahre Fröminigkeit und sein Wissen im Gebiete des Talmuds aus, und wie ich mir sagen lies, schloß er vor Jahren schon TiD^n .mit einen solennen - Fest. Sein Akußeres strafte auch nicht die Sokratifche und Salomonische Meinung Lügen. Fassen wir diese Momente in eins zusammen, so har Mähren überhaupt und seine Gemeinde insbesondere einen Mann an ihm verloren, der zu den seltenen Erscheinungen gehört. Es wäre zu wünschen, daß wir Mehres über dessen Leben erfuhren könnten. Wollten seine Söhne mir die Daren hierzu in die Hand zu liefern die. Güte haben, so will ich mich dieser Arbeit unterziehen, wn DD D3? P2NM IDn HDN "iDn! E. B. *)f Nächstens werde ich Gelegenheit haben, auf diese Kaste in Mähren zurückzukommen.;; Großherzogthum Baden, me, Nvbr. .Seit 1827 ist in dem Gr. Oberrathe eine Konferenz, für Religions-Angelegenheiten im engem Sinne organisirt, welche aus sämmtlichen weltlichen Mitgliedern des Oberraths und Z Rabbinern besteht. Dieselbe zählt zu ihrem Geschäftskreise Hauptsächlich: die Aufrechthaltung echter israelitischer Religions-Grundsätze; die Erhaltung des l Kultus in seiner Reinheit; die Berathung über allenfalls statthabende Aenderüngen, welche in der Lehre oder in der Anwendung des Religions-Gesetzes vorgeschlagen werden; die Entscheidung über Dunkelheiten der Religions-Gesetze; die Prüfung der Rabbmats - Kandidaten und Schullehrer re. — Von der Wirksamkeit dieser Religions-Behörde hat nran sich im Anfänge viel Ersprießliches versprochen, wie namentlich eine dcrBildung unserer Zeit angemessene Kultus-Ordnung und die Entfernung so vieler gar nicht im Judenthum wurzelnden Sitten und Gebräuche. Von Allem diesem ist jedoch im Verhältniß zum 22jährigen Bestehen jener Religionsbehörde wenig bekannt werden, und man hat dieses allezeit gern de» betreffenden Rabbinern zur Last gelegt, ihrer starren Orthodoxie, ihrer scheinbaren Gleichgiltigkeit für den Verfall der Synagoge rc. In neuerer Zeit sind nun i» Folge des Dahinscheidens früherer Mitglieder der Religions-Konferenz, zwei neue ernannt worden, in den Personen des Bezirks-Rabbiners Geismar in Sinsheim und Rabbiners Schott zu Randegg, Männer, die es theils durch verschiedene Einrichtungen in ihren Synagogen, theils durch öffentliche weiter verbreitete Anssprüche, bewährt haben, daß ihnen die Veredlung dcS Judenthums in seiner innem und äußern Gestallmig wohl am Herzen liege. Dieselben werden indessen zugeben, daß ihre Verpflichtung gegen das Judenthum, durch ihre jetzige Stellung, eine weit höhere und umfassendere geworden sei, und man giebt ihnen hiermit zu bedenken, daß es mit einzelnen Bestrebungen weder ihren speeiellen Gemeinden, noch der badischen Synagoge im Allgemeinen gedient sei, daß durch solche Einzelheiten der schon weit vorgeschrittene Verfall der Synagoge und die gesunkene Achtung vor dem jüdischen Gottesdienste, nicht aufgehalten, vielweuiger geheilt werden; und man fordert sie daher hiermit dringend auf, die Hand ans Werk zu legen, weder vor der großen Aufgabe, noch vor den drohenden Hindernissen zuruckzubeben; mögen sie bedenken, daß die Wiederhersteller des zweiten Tempels in der einen Hand die Kelle, in der andern die scharfe Waffe führen mußten. M. G. Großherzogthrnn Beeden, im Nvbr. Das i» Nr. 11 des Orients vom 17. März mitgetheilte Gesetz über die Aufhebung der Beschränkung staatsbürgerlicher Rechte aus Rücksichten der Konfession, bezieht sich vorläufig nur auf die Gleichstellung in st a a t s b ü rg erlich er Beziehung, also hinsichtlich der Berechtigung auf Staaksdiener-Anstellung und zur Ständewahl, woraus jedenfalls nur sehr wenige Individuen einen wirk-

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