Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1849-12-01 · 48 (1.12.1849) · p. Spalte 755-756

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
48 (1.12.1849)
Date
1849-12-01
Page
Spalte 755-756 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/8555529-9893953-9894016--6164-3535404
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

755 Kritiken. Kl ein's Kalender. — Jüd. Plutarch. 756 in jedem Lande zugänglich und durch Ersparung des Kalendar. Gabe Gott, daß dieser Rückblick nur der Vergangenheit derstempels zu sehr billigem Preise erschiene. Vielleicht daß die verehrl. Redaktionen der jüdischen Aeirblattcr diesen Gedanken aufnrhmcn und sich in der Ausführung desselben zur Unterstützung jüdischer Ackerbauer vereinigen wollten. Wir aber müssen jetzt, unserem Vorhaben gemäß, zum Klei loschen V-olkskalender zurück und ihn nach Wahrheit und Billigkeit besprechen. . Als Kirnstbeilage präsentirt sich uns das sehr gut ausgeführte Bild des Dr. Leopold Zunz. Wir erlauben uns hiermit unsere physiognomische Muthmaßung niederzuschrciben, daß dieses Bild aus der jüngsten Zeit herrührt. Wenigstens verrathen diese sprechenden, klaren, offenfesten Züge eher dm freisinnigen Volksmann der letzten Jahre, als dm grübelnden, sich gegen die Außenwelt fast absperrenden, tiefsinnigen Gelehrten. Noch glauben wir eine bedeutende Aehnlichkeit zwischen Zunz und Hartwig Wcffelly wahrzunehmen. Dieses eine Bild entschädigt uns vollkommen für viele andere Kalenderb-ildchen, nur vermissen wir einige biographische Mittheilungen hierzu. Bei dem eigentlichen Kalender müssen wir es rühmend hervorheben, daß der deutsche Kalender dis zu Ende des Jahres 1850 fortgesührt^ somit also die Anschaffung noch eines Kalenders für das Jahr 1850 nicht mehr nothig ist. Damit kann zum Theil schon entschuldigt werden, -daß das Jahrbuch für Israeliten gegen andere Kalender gehalten, auch dies Jahr quantitativ geringer ist, wiewohl es schon immer mehr als früher bietet. Warum dieses Jahrbuch nicht eigens für sich mit Bogen l angefangen und so paginirt wird, ist uns nicht klar; ebenso wissen wir nicht, ob in den uns zu Gesicht gekommenen. Exemplaren, die am Schluß sämmtlich von Seite 204 auf Seite 211 übersprangen, ein Defekt oder dieses nur rin Druckfehler war. Mögen diese kleinen Ausstellungen ja nicht als Splitterrichterei, sondern nur als Beweis unseres Interesses für diesen Gegenstand genommen werden, und fo wollen wir uns nun dem Inhalt des Jahrbuches zuwenden. An der Spitze — in jeder Beziehung — zeigt sich uns: Rückblicke auf die Jahre 1.848 und 1849, von Dr. Ludwig Philippson. Bei der anerkannten Meisterschaft des Hrn. Verf. schon von dem Wiener Kalender her erprobt — wäre jedes Wort der Beistjmrmmg überflüßig, doch können wir nicht umhin auf den sichern historischen Ticfblick desselben, mit dem er die allernächste Vergangenheit durchschaut und besonders auf das Seite 82 und 83, übrr die allgemeine Forderung der vollen Gewissensfreiheit. Gesagte, hinzuweilen. Daß dieser Rückblick mehr als ein Viertel des Jahrbuches einnimmt, kann nur als Gewinn.betrachtet werden. Der „Rückblick auf die politischen Zustande der Juden in Altösterr eich, von Soliman von Königsberg, bietet in der gedrängtesten Kürze ein schreckliches und dennoch wieder erhebendes Gemälde von schändlicher Tyrannei einer und muthiger Ausdauer anderer Seitß an gehören möge! leider aber vcrra l hen die aUerneuesten Nachrichten aus Pesth, Prag, Krakau u. s. w., daß noch von Vielen in Oesterreich gern rückwärts gesehen, der „Rückblick" also noch ab und zu als Gegenwart zu befürchten sein wird. In I« W e r t h e i m e r 's „ l* i n D « s i d e r i;i“ stimmen wir ganz eia. Nach unsrem Dafürhallen wäre es gerade jetzt ganz leicht, den Ackerbau bei den Juden einzuführen, wenn nur nicht etwa eine Gesellschaft mit vielem Pomp und Festessen zuvor die Statuten zur Begründung einer jüdischen Ackerbaukolonie besprechen, oder gar ein Gutsbesitzer zu seinem Bortheil eine Dismembration Vorschlägen wollte. Die jüngste Zeit hat nämlich besonders der Mittelklasse der Juden solche Verluste beigebracht und ihnen die innere Hohlheit ihrer nur auf Handel beruhenden Existenz so klar dargethan, daß gewiß Viele sich mit wahrer Lust dem Ackerbau widmen würden, wenn sie nur zum Anfang Unterstützung fänden. Möge man daher nicht die passende Zeit versäumen, sondern mit einiger Sorgfalt kräftige, thü'lige und ehrenhafte Leute aussuchen und ihnen zur Beschaffung eines Grundstückes und des sonst dazu Röthigen einige Beihilfe, mehr aber noch Aufmerksamkeit und Lheilnahme schenken. Sobald erst einige jüdische Ackerbauer sich auf diesem Wege einen ausreichenden und anständigen Lebensunterhalt verschafft haben, dann wird das Beispiel schon bei den anderen genügend wirken. Ich erinnere nur daran, wie oft ein von Juden gänzlich vernachlässigtes Handwerk, sobald es erst einer mit Erfolg ergriffen, plötzlich bei ihnen in Aufnahme kommt — um die Wahrscheinlichkeit meiner Annahme zu begründen. Auch Wcrtheimers Hinweisung nach Amerika scheint mir ganz richtig und wichtig, und jede seiner Aeußerungen hinein warmblütigen, edeln Menschenfreunde und wahren Juden entsprungen, was auch die herrliche Vision: die -ersten Mosistafeln, deutlich kund giebt. (Beschluß folgt.) 29) Jüdischer Plutarch, oder biographisches Lexikon der markantesten Männer und Frauen jüdischer Abkunft (aller Stände, Zeiten und Länder), mit besonderer Rücksicht auf das österreichische Kaiserthum. Zweites Alfabec oder Zweiter Band. Wien, 1848 8. Schnell nach dem ersten Bande, der 1847 erschienen (mit der Jahvzahl 1848), folgte der zweite Wand dieses Plutarchs, und das Urtheil, welches wir über den ersten Band gefällt (LB. 1848 S. 30), gilt auch von diesem, daß der Herausgeber weder über Haltung und Geist, noch über Anlage, Plan und bestimmte Begrenzung, noch endlich über sprachliche Form, Styl und plastische Gewandung sich klar geworden. Von älteren Perfönlichkeiteiten des JndenthumS giebt dieser Band biographische Skizzen über folgende Berühmtheiten des Judenthums: Abraham Jbn Esra, Uriel Acofta, Flavins I o s e s u s, M a i m o n i d e s (Mose b. Maimün), Philo, Spinoza, die aber sämmtlich mißlungen und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.