Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 47 (24.11.1849)
- Date
- 1849-11-24
- Page
- Seite 207 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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207 benmenschon etwas zu Lhun, an der Zeit, dem Materialismus ein Ende zu machen. Darum wünschen wir, daß auch der Jude nicht müssig die Hände in den Schooß lege gegenüber den großen Bestrebungen unserer Zeit und daher ist es dem geeigneten Zweck entsprechend, wenn wir hierzu Vereine bei den Juden recht bald ins Lieben gerufen sehen. Es bleibt jedenfalls Geiger das Verdienst etwas in Anregung gebracht zu haben, woraus Heilsames entsprießen kann und wir bekennen selbst, daß Geiger wohl einen ttefern Blick in unsere gegenwärtigen Verhältnisse zu thun im Stande ist. — Wahrend er nun in einem gewissen Sinne hin wirkt, ruht sein Rival, Rabbiner G. Tiktin, Orthodox wider Willen, auf den Trümmern der Orthodoxie, wie einst Marius auf den Trümmern Karthagos, uav zehrt vom Namen seiner Ahnen, worauf wir sprechen 2lm<n, — Gleichzeitig erlauben Sie mir vorläufig etwas aus der hiesigen Gemeinde Ihnen mitzurheilen. Von den hier bestehenden wohlthatigen Instituten ziehe ich für jetzt die Industrie- Schule für arme jüdische Mädchen und bcn Frauen-Verein zur Unterstützung armer Schulkinder vorzüglich in Erwägung; erstere dadurch, weil sie durch einen neu gewählten Vorstand in neues Stadium, der Wirksamkeit treten soll, andern deshalb, indem er erst seit Jahresfrist besteht. In der Industrie-Schule werden, wie wir vernommen, arme Mädchen sowohl im Wissenschaftlichen, geleitet von dem wackern Schulmann, Hrn. Bloch und noch einem cmdern Lehrer, als auch in Handarbeit, geleitet von zweien Damen, herangebildet, wodurch den Kindern die Mittel gegeben sind, nicht nur sich allein ihren anständigem Unterhalt zu verschaffen, sondern auch oft in den Stand gesetzt sind, ihren Eltern behilflich unter die Hände zu greifen. Wenn bis jetzt dieses Institut nicht immer den Erwartungen in dem Maaße entsprach, so soll der Umstand dabei obwalten, daß die Lehrer, und Lehrerinnen ein so geringfügiges Honorar beziehen, so daß bei ihrem redlichen Willen und gewissenhaften Fleiße ihnen doch nicht zugemuthet werden kann, mit der größten Aufopferung einem Institute zu dienen, wo selbst der mindere Lohn für die große Anstrengung Ihnen nicht zu Lheil wird. Diesem Uebelstand soll dem Vernehmen nach abgcholsen werden, zumal dieses Institut in Or. Geiger den Revisor, ein Amt, welches Dr. Frankolm bis zum Tode pflichtmäßig verwaltete, und in Hrn. B. Wollheim ein thariges Vorstandsmitglied gewonnen hat. Au Letzterem soll dieses Institut deshalb eine gute Aquisition gemacht haben, indem Hr, Wollheini wie allgemein hier bekannt, ein gemeinnütziger, thätiger Mann, dessen Wirken bei andern wohlthatigen Anstalten von bestem Erfolg gekrönt ist. Hoffen wir, daß es ihm Ernst sein wird, diesem Institute seine volle Aufmerksamkeit zuzuwenden, damit cs zum Wohle der Zöglinge gedeihe. Oer Frauen-Verein für arme Schulkinder zählt nach seinem ersten Jahresbericht 229 Mitglieder, und hat löl Lhaler eingenommen. Präsident ist Dr. L e w y, Stellvertreterin Frau Dr. Geiger, und der Vorstand sucht sich zur Zeit der Wertheilung mit andern wohlthatigen Instituten in Rapport zu setzen. Auch werden Beiträge von Büchern, Schreibmaterialien und Kleidungsstücken angenommen und verwendet. Nach dem Bericht sind erst 89 Lhaler verausgabt und da dieser Verein in der That viel zu leisten verspricht, so möchten wir ihm mehr Rührigkeit von ganzem Herzen anempfth, len. — F. Oesterreichische Nebenländer. Pesth, 7. Nvbr. Gestern erging ein Befehl des Armee-Oberkornmandanten, demgemäß die pesther Juden die nun folgende Rate der ihnen auferlegten Kriegskontribution innerhalb 48 Stunden zu entrichten hätten, widrigenfalls 20 der hervorragendsten Kauflente, darunter die beiden Boseowitz,. Lack'enbacher u. A., als Geißeln gefodert und verhaftet wurden. (Ll.) Italien. Nom, 27. Oktbr. Das Resultat der jüngst im Ghetto auf so empörende Art und mit Anwendung der gewaltsamsten Maßregeln vorgenomnreneo Untersuchung nach dort verborgen sein sollenden, während der Revolution abhanden gekommenen Gegenständen ist sehr mager ausgefallen. Einige Stücke Tuch, welche die Garibaldischen Legionaire in einem Kloster reqüirirt und vor ihrem nothgedrungenen Abzüge mehren unglücklichen Israeliten zum Kauf aufgezwungm hatten, sowie einige Stücke Kupfer, wie sie auf jedem Trödelladeu sich finden, war die ganze Ausbeute, um derentwillen man das Ghetto in Belagerungszustand gesetzt, 4000 Menschen als Diebe behandelt und das Hausrecht auf die gemeinste Weise verletzt hatte. Von Gold-und Silberpaaren , von Kirchengeräthcn und priestertichen Gewändern re. war auch nicht eine Spur zu finden. (O.D.P.) Nom, 31. Oktbr. Die erst vorgestern beendigten Perguisitionen der Judenstadt nach gestohlenem Eigcnthnm der Kardinale und nach Kirchengut, das von republikanischen Libertinern dort verschachert sein sollte, haben zu nichts Erheblichem geführt. Empörend war, wie vorzugsweise die reichsten Juden dabei mitgenommen wurden, obgleich man in Bezug auf sie alle moralischen Garantien in Händen hatte, daß sie bei der Hehlerei nicht im mindesten betheiligt waren. (D.A.Z.) Polen und Rußland. Von der russischen Grenze, 4. Nvbr. Von Seiten der russischen Juden ist eine Deputation von Rabbinern nach Petersburg beordert, angeblich um über Religionsgebräuche zu beratheu, wahrscheinlich aber, um ihre Mitwirkung bei der Erhebung neuer Steuern für die Inden in Anspruch zu nehmen. (B. Z.)