Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 46 (17.11.1849)
- Date
- 1849-11-17
- Page
- Seite 202 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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, — 202 Rede zu halten, mit dem Bemerken, daß eine solche seit der Zeit des vorigen Landrab. nicht gehört wurde. Der Nab. Cu mußte also dem allgemeinen Verlangen Genüge leisten. Die Behauptung des Korrespondenten P., doß nämlich der Rad. Quetsch den Lande, mit der Stelle: TOI "IZDN *niDD O beleidigen wollte, ist nicht richtig. Er wollte nur mit dem Vordersätze auf die ihn ehrende Gemeinde anspielen. Auch ist Hr. P. in größtem Jrrthum, wenn er behauptet, daß Rab. Q. nicht die mindeste Ahnung von Philosophie hat.- Einer,, der das ganze Gebiet des Talmuds mit gelehrter Sagaeität durchdringt, der mehrere philosophische Werke, wenn sie auch in hebräischer Sprache abgefaßt sind, gelesen hat, der hat Ahnung von Philosophie, wenn er auch keine Zeugnisse von Wien oder Prag hat. — Der verehrte Leipziger Prediger Herr A. I e llin ek hat neulich seine Vaterstadt Ungarifch- Brod, bei Gelegenheit der Hochzeit seines jüngsten Bruders, mit einem Besuche erfreuet. Er hielt daselbst geistreiche Reden. — Schließlich habe ich Ihnen in politischer Hinsicht noch des Interessanten zu berichten, daß am 26. d.M. zehn christliche Individuen aus Leipnik, die bei der Plünderung des Israeliten A. Silber stein vorzüglich betheiligt waren, nach Neu titsch ein zum Kriminalgerichte abgeführt wurden; wahrscheinlich werden noch viele diesem Beispiele folgen. Noch ein kräftiger Beweis, daß man jetzt dem Juden mehr Gerechtigkeit widerfahren läßt, ist die Begebenheit, die sich vor Kurzem in Brünn ereignete. Ein jüdischerk. k. Pferdelieferant wurde von einem christlichen Fabrikanten öffentlich geschimpft; er hieß ihn einen Betrüger und Wucherer, wie es die immerwährende Meinung eines Christen ist, daß nämlich die jüdische Lasche das Weltmeer ist, worin alle Flüsse des Geldes gehen, und das Weltmeer wird dennoch nicht voll. Der Lieferant war bei dieser Beschimpfung indolent; weil er sich mit einem solchen niedrigen Menschen nicht abgeben wollte. Als sich aber hernach dem Fabrikanten eine ganze revolutionäre Gesellschaft anschloß, lief, der Jude in fein Quartier. Vor der Lhüre mußte er, Ln der Meinung von dem ihm nachlaufendcn Gesindel tos zu werden, dem Fabrikanten einige tüchtige Stöße beibringen, wodurch aber der Krawall zunahm. Der Wirth verschloß den Juden in seinem Zimmer, und ließ militärische Hilfe herbeischaffen. Ein Offizier, der mit einigen Soldaten kam, ließ sich den Sachverhalt erzählen, und der Fabrikant nebst seinen treuen Anhängern mußten ihm Nachfolgen Der Fabrikant wurde zu ^wöchentlichem, und die andern zu I4tägigem Arrest verurteilt; der Jude hingegen wurde gleich als unschuldig befreit. B. Aus Baiern, Ende Otkbr. Dem „Nürnb. Kourier" wird aus München geschrieben: „Der Gesetzentwurf' „die Emancipation der Juden betr." ist vom Referenten bearbeitet uno wirb wohl in den nächsten Lagen zur Werathung im *) Den Wortlaut desselben theilte ich Ihnen in meinem vorigen Berichte (am 14. d. M.) mit. Ausschüsse kommen. Man kann von einigen Seiten eines Widerspruches gewärtig sein. Der Referent Abg. S charpf, sah sich deshalb veranlaßt, die Grunde für Annahme des Regierungsentwurss noch näher zu entwickeln und namentlich üus den frühern Landtagsverhandlungen vom. Jahre 1819 nachzuweisen, wie dieser Gegenstand eifrig besprochen und in dem Landtagsabschiede .jedesmal Zusicherungen gemacht, aber nie etwas gethan wurde." — Bei der am 18. d. M. in der zweiten Kammer stattgefundenen Bercrthung über den Gesetzentwurf „die Ansaßigmachung und Verehelichung der Schullehrer betr." entspann sich auch ein kurzes Gespräch über jüdische Verhältnisse, dessen Inhalt Manchen der Leser Ihres geschätzten BlattlS nicht uninteressant fein dürfte. Der Ausschuß beantragte nämlich zum ersten Artikel des Regierungs- Entwurfes, welcher lautet: „Jeder wirkliche Schullehrer, welcher in dieser Eigenschaft drei Dienstcsjahre zurückgcletzt hat, erwirbt Kraft des Gesetzes die Anft'ßigmachung mitallen ihren gesetzlichen Folgen in jener Gemeinde, in welcher er bei Ablauf jener Frist angestellt ist" folgende Modifikationen: „Jeder an einer öffentlichen deutschen Schule angestellte wirkliche Schullehrer erwirbt Kraft des Gesetzes, nach drei vom Lage der Ausstellungsurkunde zu berechnenden Dienstjahren die Ansässigkeit u. s. w." Gegen diesen vom Ausschüsse vorgeschlagenen Zusatz spricht sich Morgenstern aus und für die Annahme der ursprünglichen Fassung des Entwurfs, wobei er die israelitischen Schullehrer im Auge hat. AlLiolL stimmt diesem Vorschläge bei, ebenso Dr. Arnheim und Gelbert. Dr. Ruland bemerkt, daß bei den jüdischen Lehrern nur Privatvorträge existiren. Morgenstern: Auch sie hätten ihr Ernennungs-Reskript von der Regierung. Dr. Sepp fragt, wie es denn alsdann gehalten werde, wenn 2 Lehrer (1 für die ralmudischen Juden und der andere für dieNeologen) ausgestellt wären. Morgenstern antwortet hierauf, sein Antrag habe ganz allgemeine Fassung. Dr. Arnheim fragt, wo in Baiern eine solche Trennung existire. Dr. Sepp antwortet: Es sei dies in Fraukfurt der Fall. Arnheim entgegnet, daß Frankfurt nicht zu Baiern gehöre, was Heiterkeit auf Kosten des Hrn. Dr. Sepp veranlaßt. Nach weiterer Debatte wurde die Modifikation des Ausschusses verworfen und der Entwurf der Negierung angenommen. Einem Augsburger Blatte wird aus München vom 26. i Oktbr. geschrieben: „Der Gesetzentwurf über die Emanoipation der Juden soll im dritten Ausschuß auf viele Anstände stoßen. Da nämlich der Gesetzentwurf die volle Gleichberechtigung der Juden mit den Christen ausspricht, so handelt es sich darum, die Juden auch hinsichtlich der Verpflichtungen den Christen gleichzustellm. Da ist man denn auf allerlei Ausnahmszustände gestoßen, welche theils im religiösen Bekenntniß der Juden z. B. der Sabbatsfeier, theils in hergebrachten Rechten und Gewohnheiten derselben (z. B. Schacherhandel) ihren Grund haben. Der Ausschuß ist darüber in Verlegenheit, wie diese Angelegenheit, ohne der religiösen Ueberzeugung zu nahe zu treten u. s. w. zu beseitigen wäre?