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Der Orient · 1849-11-17 · Heft 46 (17.11.1849) · p. Seite 201

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 46 (17.11.1849)
Date
1849-11-17
Page
Seite 201 (sequence 1)
Language
German
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Berichte, Studien und Kritiken Zehnter Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Tblr. Man abormirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchbandlrngen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Dr. Julius Fürst. Jahrgang. Von dieser Sektschrift erscheinen wöchentlich das Litcraturblatt mitqerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Sonnabend regelmäßig. 1349. Inhalt. Deutschland 's vereinigte Staaten Aus Mahren. Mährische Zustände. Schulwesen. Synagogenstreit. Aus Barerw Gesetzentwurf über die Emancipcrtion der Juden. Aus dem Netzdiftrikt. Vermischte Nachrichten. Traurige Gemeinbezuftände. Frankfurt a. M. Ein Jude erster Stadtphysikus. Königsberg. Untersuchung gegen Dr. Jacoby. Breslau. Jndifferentismus der Gemeindemitglieder für's religiöse Leben. — LB. d.Or. Deutschland's vereinigte Staaten. Aus Mähren, im Oktbr.- Der geistige Fortschritt unserer Jugend hat eine doppelte Bewegung, erstens um die eigene Achse, die man die eingebildete Linie heißt, und zweitens um die Sonne der wahren Aufklärung und Bildung. Zur erstem gehört die Leipniker Jugend, der man unvermurhet eine öfferuliche Schule aufblasen will, in der Einbildung daß sie nützlich und zweckmäßig sein kann. Die Gemeinde hat aber vorläufig weder Geld noch Lehrer noch Lokalität. Das einzige Material, was sie zur Schule hat, besteht in Kindern, und jeder arme Mann versprach es schriftlich 4— 5 bekzutragen. Auch vergißt man, daß solche imaginäre Anstalten, so wie es schon in mehrern Gemeinden der Fall war, einem baldigen Ende entgegen gehen. In besagter Gemeinde bestand auch ein großartiger israelitischer Lese-Verein, aber nur eine kurze Zeit; man hatte nämlich auf einmal so riet gelesen, brS man sich aufgelöset hat, und wenn auch ein Med. Dr. Präsident war, so starb der Verein doch an Gliederreißen, weil sich der größte Theil nur für das Politische interessirde. Der sogenannte is raelitische Lese-Verein hielt kaum Ein jüdisches Blatt oder sonst eine literarische Zeitschrift z der Verein konnte sich also nur so lange wie der ungarische Krieg erhalten. In Holle sch au sind viele Leser, die großes Wohlgefallen an der Wissenschaft haben, und unter denen mehr Eintracht und Sympathie herrschen, diese werden den Verein länger erhalten. Überhaupt ist in der Lcipmker Gemeinde nichts von Dauer. Vor Kurzem hörte man kn der Dortigen Synagoge Choral.Gesänge; jetzt waltet wieder Patriotismus in derselben, da wird wieder i"D^ entweder mit einem Radetzky - Marsch, oder mit einer Jelachich-Polka begleitet. Der vom mährischen Komik« für die Reorganisation der jüdischen Religionsangelegenhttten veröffentlichte Entwurf einer Synagogal-Verfaffung verspricht, daß uns in jeder religiösen Beziehung eine günstigere Zukunft entgegen lächle. Ich muß Ihnen gelegentlich melden, daß sogar in dem Metropolitan - Bethause zu Ni ko Ls bürg am Vorabende des Versöhnungstages gelärmt wurde. Der Hr. Landrabbiner .wollte das ' ntj gesetzlich bei hellem Tage und zwar vor der Predigt reoitiren lasten; da es nach derselben schon finster wäre, da er durch die Predigt einem der Gesundheit nachtheiligen Schweiße ausgesetzt ist, er muß daher nach Hause gehen um sich umzukleiden. Em reicher Mann tritt auf Aneiferung mehrerer voller Wuth auf vor den Landr. mit folgender Interpellation: Wir lassen uns von Ihnen keine Gebräuche, die Ihre Vorgänger, die weiland hochgelehrten Talmudisten, bestehen ließen, ändern." Der Landr. ging vor Verdruß und Aergerniß nach Hause und kam nicht mehr zum Abendgebete. Sie sehen also, wie sich viele mähr. Juden bei jeder Gelegenheit eine unverzeihliche Gemeinheit zu Schulden' kommen lassen. Der Landrabbiner, geschätzt und geachtet, ist nicht im Stande einen unbedeutenden Religionsgebrauch umzuändern. Die Gemeinde NikoLsdurg, vormals die beliebte Residenz des Talmuds und des Pilpuls, die jetzt aber mit der totalen Abschaffung jeder Derascha höchst zufrieden ist, hat den Hrn. Rab. Quetsch, der bei seiner Abreise, aus Bescheidenheit fest entschlossen war, keine öffentliche Rede in Nikolsdurg zu hatten, mit Bitten überhäuft, eine talmudische 46

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