Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 45 (10.11.1849)
- Date
- 1849-11-10
- Page
- Seite 199 (sequence 5)
- Language
- German
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199 hatten sich bekanntlich Exccsse gegen die Juden, welche Ln diesem Orte wohnten, zu Schulden kommen lassen. Die Verhandlung dauerte bis diesen Morgen 1 Uhr und endete damit, daß die Geschworenen über die meisten Angeklagten das Nichtschuldig aussprachen. Einige andere erhielten unbedeutende Strafen. In Dortmund beabsichtigt man eine ^mosaischchristliche Vereinökirche" zu begründen, in welcher die zehn Gebote Moses und das Llebesgebot Christi die einzigen Grunddogmen bilden sollen. Frankfurt a. d. Oder, 21. Oktbr. Einen erfreulichen Beweis von der Toleranz der christlichen Bürger des hiesigen Ortes gegen ihre israelitischen Mitbürger lieferte jüngst die Wahl zum Bezirksvorsteher, die in der Stadtverordneten-Versammlung mit Stimmeneinhelligkeit auf den Kaufmann Hrn. A. S. Lewy fiel. Hr. L. wurde als Vorsteher des dritten Stadtbezirks auf 6 Jahre gewählt , und können wir Dieses Faktum um so freudiger begrüßen, da hierorts noch niemals dieses Ehrenamt in die Hände eines Israeliten gelegt wurde. Hr. L. ist Mitglied des hiesigen israel. Gesammt-Vorstandes und war früher zu oftern Malen Mitglied der Stadtverordncten-Versammlrmg. Mag dieser ehrenhafte Mann in dem ihm geschenkten Vertrauen seiner Mitbürger den Lohn seines redlichen, biedern Charakters sehen! Stadtverordneter ist hier noch der praktische Arzt Hr. Dr. Lewenberg und zu den Geschwornen beim hiesigen Schwurgericht gehören der Banquier Hr. M e n d e und der Lotterieeinnehmcr Hr. E l z m a n n. Frankfurt a. O., 29. Oktbr. Der treffliche Aufsatz des Grafen Schlippenbach in seiner Zeitschrift: „Organ des Treubundes für Preußens Frauen und Jungfrauen," der in mehreren Blattern Aufnahme gefunden, erschien auch in den hiesigen (stark konservativen) patriotischen Wochenblatt; doch soll der Aufnahme deffelben von Seiten des Redakteurs anfänglich viele Schwierigkeiten gemacht worden fein. —. Vor einiger Zeit erschien in dem berüchtigten „Sonntagsblatt," der Beilage der Kreuzzeitung, die Replik eines chlen Christen gegen die Verunglimpfungen, mit welchen das Blast die Juden überschüttet; doch war dieselbe mit einem solchen Kommentar des Redakteurs begleitet, daß es um jene schöne Worte wirklich Schade ist, daß sie in jener Cloake erschienen. Königsberg, 20. Oct. Dr. Jacoby ist am 19.Oct. in Königsberg eingetroffen. Er wird, sobald er seine Privatangelegenheiten geordnet hat, sofort seine ärztliche Praxis wieder antreten und es abwarten, ob das jetzige „konstitutionelle" Regiment während des ihm angedrohlen politischen Protestes ihn durch Untersuchungshaft bestrafen wird. Die absolute Regierung hat ihn während feiner beiden früher» Proceffe mit einer solchen Haft verschont. Uebrigens ist uns von anderer Seite her mitgetheilt worden, daß das für ihn bestimmte Haftlokal schon seit mehren Wochen zu seiner Aufnahme eingerichtet sei. (Nat. Z.) — Dr. Jacoby traf heute Morgen hier ein und meldete sich bei dem Stadtgerichtsdirektor Fischer sofort zur Haft. Er ist dem hiesigen Jnquisitoriat überliefert worden, und schon Nachmittags wird seine erste Vernehmung über die stuttgarter Vorgänge durch den Obergerichtsassessor Meyer stattsinden. Sein Prcceß wird demnächst vor das Schwurgericht kommen, das nach etwa fünf Wochen zusammentritt. (D. A. Z.) — Jacoby wurde sofort nach seiner Jnhaftirung verhört, und hat den Antrag auf Entlassung aus der Untersuchungsbafr gestellt. (Nat.Z.) — Aus den Verhandlungen der letzten Versammlung des Arbeitervereins erfährt man, daß Dr. Jacoby, um die gegen ihn schwebende Untersuchung zu Ende zu bringen, bei dem ersten mit ihm abgehaltenen Verhör alle Fragen bejaht habe. Er hofft dadurch noch vor die Assisen im Deeember d. I. zu kommen. (D.Ref.) — Die Voruntersuchung gegen Dr^ Jacoby ist bereits geschloffen; am 5. Decbr. wird sein Prozeß vor die hiesigen Assisen kommen. — Die Haft Jacoby's erregt hier noch immer ein ganz allgemeines Interesse. Seitdem die Voruntersuchung geschlossen, ist es ihm gestattet worden, Besuche im Gefängnisse zu empfangen; von dieser Erlaubniß haben bereits mehrere unserer Notabilitäten Gebrauch gemacht.; — Dr. Joh. Jacoby ist mit seinem Antrag auf Entlassung aus der Untersuchungshaft abschläglich beschieden worden. (Nat. Z.) _ Wien, im Oct. Der pesther Judenge mein de wurde in ihrer vielbesprochenen Strafkontribution nach vielfachen Bitten im Wege der Gnade die Erleichterung zu Theil, daß sie die zu liefernden Gegenstände nicht mehr in natura, sondern in einem Aequivalent baaren Geldes erlegen solle. Freilich braucht man jetzt nach Beendigung des Kriegs keine Monturgegenstände mehr und die Entrichtung in baarem Geld ist eher eine Erleichterung für den Staat als für die Juden! Noch auffallender ist und bleibt es, daß Israeliten von der erprobtesten guten Gesinnung, die der guten Sache mit Wort, Schrift und Lhat dienten, und die zur Zeit, als die Juden in Pesth und Ofen mehr verbrochen haben sollen als alle andern Nationen, außer Landes waren, sodaß man nicht einmal von ihnen sagen kann: „Mit gefangen, mit gehangen", welche überdies eben wegen ihrer kaiserl. Gesinnung die ärgsten Verfolgungen von Seiten der Rebellen zu ertragen hatten, daß diese Israeliten, sage ich, trotz ihrer gerechten Reklamationen, auch nicht ausgenommen werden und unerbittlich und nachsichtslos die drückende Last mittragen müssen. '(Pr.) — Wir sind in der Lage, die erfreuliche Mittheilung zu machen, daß die bekannte und vielbesprochene Angelegenheit der un gar i s ch e n I u d e nk o n tri b u t i o n en in Folge Ministerialbeschlusses in Erwägung gezogen, und die Leistung der auferlegten Lasten bis zum Eintreffen der nothwendigen Auskünfte suspendirt werden wird. (O. Ez.) — Das Ministerium des Innern hat für die durch eine am 17.Sept. in der Stadt Brody ausgebrochene Feuersbrunst verunglückten Einwohner eine allgemeine Sammlung