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Der Orient · 1849-11-10 · Heft 45 (10.11.1849) · p. Seite 200

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 45 (10.11.1849)
Date
1849-11-10
Page
Seite 200 (sequence 7)
Language
German
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200 milder Gaben angeordnet. Der Schade beträgt mehr als 1 Mill. Fl., und nahe an 6000 Familien sind brod- und obdachlos geworden. (Wnd.) — Der Kaiser soll bereits gestern den Auftrag gegeben haben, daß die Zahlung'der den ofner und pesther Iudm auferlegten Kriegskontribution vorläufig einzustellm sei. (Ll.) Wien, im Oktbr. Auf die Anfrage des Kriminalgerichtshofes an das Ministerium, ob Dr. Fi sch Hof wegen seines Verhaltens in permamenten Reichstagsausschuß zu verfolgen sei, ist ein verneinender, auf die konstitutionellen Landeseinrichtungen begründeter Bescheid erfolgt. Da nun dies als alleiniger Anstand zur sofortigen Bestätigung der von dem Kriminalgerichte ausgesprochenen Freisprechung erhoben ward, so erwartet man selbe hinnen wenigen Tagen vollzogen zu sehen. — Das Ministerium hat verordnet, daß die Korrespondenz der israelitischen Matrikelführer mit den k. ^Behörden von Entrichtung des Porto befreit bleibe. Doch müssen diese Korrespondenzen auf der Adresse mit der Bemerkung : „in amtlichen Matrikelangelegenheiten" versehen sein. (O. D. P.) München, im Oktbr. Der jetzige Kultusminister, Hr. Ringelmann, beabsichtigt, wie man hört, die Berufung einer israelitischen Ge neralsy n od e zur Berathung einer allgemeinen Synagogenordnung und anderer kirchlichen Angelegenheiten der Israeliten; es soll dies aber erst geschehen, wenn der an die Kammern gelangte Gesetzentwurf über politische und bürgerliche Gleichstellung der Israeliten dort erledigt und als Gesetz publicirt sein wird. (Wzb.Z.) Desterreichifche Nebenländer. Preßburg, 25. Oktbr. Aus Papa geht die Nachricht ein, daß der dortige Oberrabbiner Dr. Leopold Löw in Verhaft genommen und nach Pesth abgeführt worden sein soll. ' (O.C.) Polen und Rußland. Petersburg, 19. Oktbr. Der Kaiser Hai einen vom Ministerkonüte, in Folge einer Vorstellung des FinanzministerS, am 2. Aug. gefaßten Beschluß bestätigt , und demnach verordnet, daß solchen j ü d i s ch e n B i't r g ern und Ackerbauern, die zum Christenthum übergegangen und aus herrschaftlichem Grund und. Boden ansässig sind, die aus ihrer Niederlassung herrührenden Zahlungsreste und Schulden in derselben Art erlassen werden sollen, wie solcher Erlaß den zum Christenthume nbergegangenen Juden, die sich auf der Krone zugehörigem Ländereien niedergelassen haben, gewährt worden ist. (Petersb. Z.) Verlag von C. L. Fritzsche. Der Dorfgeher. Von Leopold Kornpert. (Fortsetzung.) Trotz dev tiefen Erregung begriff Emanuel recht wohl den Unterschied, den Vater und Mutter zwischen ihn machten, der Vater sah einen Bettler in ihm, die Mutter nur eiuen Fremden. „Mich hat Niemand beleidigt," warf er wie halbgesprochen hin. „Aber im Ernst, Gast," sitzte der Dorfgeher weiter, auf wohin wollt Ihr denn eigentlich; ich seh's gern, wenn Ihr noch ein Stück mit mir geht. Bis zum ersten Dorf könnt Ihr noch mit mir gehen." „So weit Ihr wollt," sagte Emanuel unvorsichtig. „Dafür will ich Euch im Dorf ein Haus zeigen, wie Ihr noch keines in der Welt angetroffen habt, ich will Euch zu Rebb Schmut Randar führen, da bekommt Ihr gewiß ein gut Stück Geld auf den Weg uud noch ein Anbeißen dazu. Ganz feine Leute wohnen da drin; kommen auch hundert Bettler gegangen, es kriegt Jeder etwas, und tausend Segen kleben an dem Haus. Der Iud', der hat ein Herz, bei den Bauern bekommt Ihr so nichts." „Ich habe aber doch immer gehört, die Bauern seien gastfreundlich, sie bewirthen gern," verbesserte Emanuel den etwas unverständlichen ersten Ausdruck. „Probirt's nur und geht zu einem hinein, da werdet Ihr das selbst sehen; da werdet Ihr hören wie der Bauer oder die Bäuerin zu Euch sagt: Wir haben nichts, geht nur zum Juden hinüber, der Iud' ist reicher als wir, der Iud' hat unser Gelds Wenn sie Euch nicht das sagen, so heiß' ich nicht Schimme Prager. Der 2UtV kann aber Allen geben, der Jud' besinnt sich nicht wem er rhut geben, und das kommt daher, weil der Iud' ein Herz hat." Emanuel schaute nach diesen starken Worten seinem Va« ter in's Angesicht; es lag eine schone Röthe darauf, des Zornes oder des Spottes; er hatte sie gern seiner Clara gezeigt. Des Interessanten vernahm er übrigens gar Manches, als er so mit seinem Vater dahinzog. Trotz aller Beschränktheit und Vorurtheile, die dem "Sohne zuweilen ein Lächeln entlockten, mußte er über das volle Bewußtsein und den klaren Verstand des Dorsgehers erstaunt sein. Er hätte das hinter der gekrümmten, keuchenden Gestalt nicht gesucht. So verblendet war Emanuel durch seine Lage, so verwirrt durch den Zwiespalt mit sich selbst geworden, daß er oft das natürliche Verhältniß zu seinem Vater vergaß und eine bloß fremde. Person vor sich sah, deren geheimnißvollcs Wesen er durchschauen und durchwühlen mußte, um interessante Berichte für feine Clara zu bereiten! (Fortsetzung folgt). Druck von I. H. Nagel.

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