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Der Orient · 1849-11-10 · Heft 45 (10.11.1849) · p. Seite 198

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 45 (10.11.1849)
Date
1849-11-10
Page
Seite 198 (sequence 3)
Language
German
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198 vielleicht als die siebente die Religion ihrer Eltern hinzukommt, die etwa Mennoniten, oder Quäker, oder griechische Katholiken sind. Das ganze Schulgesetz, wie es seinen Grundlinien nach jetzt prcjektirt wird, ist eine Unmöglichkeit, um nicht zu sagen eine Absurdität und Jmmoralität. Man lasse den kirchlichen Gemeinden, was ihnen von Gott und Rechts wegen zukommt, ihre Kirchspielsschulen, und übergebe den Lehrern der Eltern und der Erwachsenen, nämlich den Geistlichen mit dem Kirchenvorstande zusammen, die Aufsicht über die Erziehung; die Aufsicht über den Unterricht aber gebe man technischen Schulinspektoren,- welche aus den tüchtigsten Lehrern gewählt sind. Alles unter Oberaufsicht des Staats." (D.A.Z.) Leipnik, 20. Oktbr. Ich habe in Nr. 39 einen Artikel, der unter anderem auch gegen den hiesigen Nabb. Hrn. S. Quetsch und seine Ämtsthätigkeit sehr harte Beschuldigungen enthält, gelesen. Da ich schon, vier Jahre hier im Kreise dieses Mannes verweile, und daher mit den Verhältnissen vertraut bin, wurde ich so unangenehm überrascht, daß ich, im Bewußtsein und in der Ueberzeugnng von seiner Schuldlosigkeit, es als eine Herabwürdigung ansehen würde, jenen Angriff zu erwidern, wenn nicht zu befürchten wäre diese Imputation.müßte den Charakter des Nabb. Quetsch in der öffentlichen Meinung vielleicht erschüttern. Ich halte es daher für Pflicht, eine Widerlegung jenes Aufsatzes, nicht als einen Gegenangriff, sondern als Verteidigung der verletzten Wahrheit zu geben. „Nun herrscht," heißt es in jenem Artikel „zwischen dem Altorthodoxen und dem Landrabb. Hirsch seit seiner Ankunft, wegen seiner ausgesprochenen Abneigung gegen den Pilpul, eine Spannung". Das Motiv, welches den Recensentcn in der Beurtheilung des R. Quetsch irre geleitet, beruhet auf der Voraussetzung, Hr. Qu. sei ein Altorthodoxer. Das ist aber eine unrichtige Voraussetzung. R. Qu. ist zwar ein religiös frommer Mann im vollsten Sinne des Wortes, Alles bei ihm trägt das Gepräge der Frömmigkeit; welche aber, wie Jeder der ihn kennt mit Offenheit eingestehen wird, durch eine Duldung gemäßigt wird, und artet weder in Ignoranz, noch in Fanatismus, noch in Orthodoxie ans. Ferner heißt es: „Nun war zwischen beiden Heeren der Krieg erklärt, und R. Qu. glaubte als Großmacht der Orthodoxen Repressalien nehmen zu müsstn, er wählte die Kanzel zum Kampfplatze. Er begann mit i’pp'» ’TDl 1ZDN H2DO". Der Berichterstatter führt hier eine Relation betreffs des genannten R. an, in welcher er den bösen Propheten spielt. Er giebt dessen Gesinnungen so an, als hätte ihm eine übernatürliche Erscheinung dieselbe mitgetheilf, oder als wäre er jenem gegenüber und als hätte er in dessen Gestikulation gelesen, daß er bei der Anführung jenes Satzes die Absicht hegte, den Landrabb. in seiner Persönlichkeit anzugreifen. Ich betrachte eine solche Beschuldigung für eine Anmaßung. Warum wollte der Korr, nicht die wahre Ansicht erkennen , daß der Rabb. Qu. blos auf den Vordersatz “□2N ’TDÜ und zwar als Anspielung auf die ihn: von der Nikolsburger Gemeinde zu Thcil gewordene Ehre abzielte, und den Nachsatz nur als Kontrast, um dem Vordersätze ein lebendigeres Kolorit zu geben, anführte? Es heißt ferner: „Er hielt den Landrabb. seiner Verachtung zu gering, donnerte gegen alle Philosophie, warnte vor ihrem Studium, verfluchte sie lind ihre Pfleger". B ereits habe ich gesagt, daß Alles was der Korr, behauptet aus falschen Ansichten hervorgegangen, ohne durch eine Untersuchung . sich überzeugt zu haben. Vor Allem muß ich noch hinzufügeu, daß der Hr. Korr, aller Wahrscheinlichkeit nach für jene Partei so eingenommen ist, welche die talmudische Lehre und die Philosophie für zwei entgegengesetzte Elemente betrachtet; weil ihr jener Schlüssel, der in die innersten Kammern jener Wissenschaft führt, fehlt, weil sie sich, von dem wissenschaftlichen Nimbus geblendet, in ihre höheren Regionen nicht emporschwingen konnte. Der Nabb. Qu. und mit ihm jeder Denkende find anderer Ar,sicht, sie sind von der Idee durchdrungen, daß der Talmud stets als eine Wissenschaft zu betrachten sei, die mit der Philosophie Hand in Hand gehen kann und keineswegs mit ihr im Widerspruche stehe. Niemand wird sich den Glauben aufdrängen lassen, daß der R. Qu. als einer der besten Talmudisten unserer Zeit wie eine Leuchte in dunkler Nacht aufgepflanzt steht, daß ein solcher Mann sich der beschäme!,den Neue aussctzen wird, eine Wissenschaft, die den Menschen veredelt und zu allem, was schön und groß ist, inspirirt, als einen unnützen Gegenstand dem öffentlichen Spott Preis zu geben. Es mag wohl sein, daß er gegen die Philosophistcn und Quasigelchrten, welche, eitel auf ihre kleinlichen Ansprüche, mit so viel Arroganz, Stolz und Uebermuth das Wort nehmen, expektorirt hat, was freilich einen solchen anspruchlosen Mann empören muß; aber nie wird er sich eine Schuld so plumper Natur, uämlich eines Attentats auf die Philosophie zuziehen. „Ich weiß aber" , heißt es weiter, „daß er nicht die mindeste Ahnung von dieser edlen Wissenschaft hat, auch denkt er privatim ganz anders". Gerade das Gegentheil von dem, was der-Korr. hier behauptet, ist die Wahrheit. Ich weiß es recht gut, daß R. Qu. sich mit den großen Philosophen nicht messen kann; aber deswegen ist noch nicht erwiesen, daß ein Mann wie dieser, der die philosophischen Werke den More, des unsterblichen Maimuni, den Knsari, den Jkarim u. dgl. m. inne hat, und welcher den Talmud so trefflich aufgefaßt,' daß ein solcher Mann nicht eher berechtigt sei Anspruch auf einen Kenner der jüd. Religionsphilosophie zu machen, als einer, der kaum anderthalb Jahre ihre Propyläen besuchte und mithin ein Kind dieser Wissenschaft geblieben ist.' Zu bedauern ist, daß manche Menschen sich das Vorrecht anmaßen, literarische Persönlichkeiten in den Vordergrund zu ziehen und sie zum Gegenstände feindlicher Angriffe zu machen. Schließlich kann ich nicht umhin, den Rabb. Qu. auf die in seinem Vortrag zuweilen herrschende Ambiguität , welche gegen seine wohlwollenden Absichten, und gegen seine pflichtgemäße und rechtschaffene Denkungsart Mißtrauen erregt, und-Anlaß zu böswilligen Ausfällen giebt, aufmerksam zu machen; und somit rufe ich ihm sowohl, als dem Korr, den zwei Jahrtausende hindurch, nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis, in allen seinen Bedeutungen sich bewährt gemachten Lehrsatz zu: DDnaia nnn Dran! — I. I. U-. Fulda, 24. Oktbr. Gestern haben unsere Assisen den Prozeß gegen die Einwohner von Steinbach und Burghaun, welche des Landesfnedensbruches angeklagt waren, verhandelt. Die Bewohner dieser Orte

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