Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 45 (10.11.1849)
- Date
- 1849-11-10
- Page
- Seite 197 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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rm-m eir—agf Berichte, Studien und Kritiken Zehnter Das Abonnement auf rin Jahr ist 5 Tblr. Man abonnirt bei allen .öbl. Postämtern und allen solid. Bnchbandlungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von vr. Julius Fürst. Mrgang. Von dieser Zeitschrift erfdieincn wöchentlich das Littraturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Sonnabend regelmäßig. 4L Leipzig, den 10. November 184«. Inhalt. Deutschland's vereinigte Staaten Von der preuß. Weser. Religiöse Richtung der Schule in Preußen. Leipnik. Widerlegung der Beschuldigungen aegeri Rabb. Quetsch 'Fulda. Die Asü'sen. Dortmund. Mos.-chriftl Veremskirche. Franks, a. d. O. Wahl eines jüd. Bezirksvorftehers. Replik eines Christen. Königsberg. Dr. Iacobi's Verhaftuug und Untersuchung. Wien. Die ofen-pesther Kriegskontribution Sammlung für Brody. Dr. Fischhof. München. Berufung einer Generalsynode. — Oesterreich ischeN eben Länder. Brody. Verhaftung des Oberrabbiner Low in Papa. — Polen und Rußland. Petersburg. Verordnung. — Der Dorfgeher. Eine Ghetto-Novelle von Leop. K o mp er t. (Forts.) — LB. d. Or. Deutschland's vereinigte Staaten. Von der preußischen Weser, 27. Oktbr. Um zu zeigen, weiche Richtung mau schon in Preußen einzuschlagcn gedenkt, erlaube ich mir folgende Erpectoration eines Korr, in einem ofsieietlen Blatte hier mitzntheilen. ,,Hat. die Minorität in der Gemeinde keine Rechte? Trägt sie nicht ihren Theil zu den Kommunalmitteln bei? Gewiß ist demnach nimmermehr mit dem Rechte zu vereinigen, daß man Nichtevangelische, z. B. Juden, zu einer Kommunalschule beitragen läßt, in welcher die christliche Religion die Basis der Erziehung ist. Die Erziehung ist die That des ganzen Menschen. Es ist unmöglich/ daß ein Lehrer, der des Tags viele Stunden mit seinen Schülern zusammen ist, die religiös-sittliche Grundlage seines geistigen Lebens verlängne. Man könnte eben so gut verlangen, daß er die Lust nicht ausathmet, die in seiner Lunge ist. Ein Christ wird christlich , ein Jude jüdisch erziehen, mall mag machen was man wolle; selbst in den mathematischen und Schreibestnnden. Unterrichtend abrichtm und abrichtend unterrichten kann er allerdings maschinenmäßig; aber erziehen kann er nur als Persönlichkeit und geistiges Wesen, das seine Signatura, sein Gepräge den Schülern in für Lebenslang unauslöschbarer Weise, aufprägt. In eine Kommunalschule hat jeder Einwohner der Kommun das Recht sein Kind zu schicken. Hat er dieses Recht, so hat er ferner-auch das Recht, zu verlangen, daß sein und seines Kindes religiöser Glaube durch nichts gekrankt wird, was lu der Schule vorkommt. Ein jüdischer Einwohner hat also das Recht, sein Kind in die Koummnasichnle zu schicken, und da er nach seinem Glauben das Nene Testament für eine Lüge hält, so hat er daö Recht, zu verlangen, daß dieses seinem Kinde nicht als mr heiliges vorgeftellt, daß cs vielmehr ganz aus der Schule verbannt werde. Darfein Konununallehrer noch wohl das Lied singen lassen: Jesus, meine. Zuversicht n\"? '??ein. Darf er überhaupt noch geistliche Lieder singen und lernen lassen? Nein. Darf er noch mit seiner Schule beten? Nein. Darf er noch biblische Sprüche und Geschichten aufgeben? Nein. Darf er Luther, oder Loyola, oder Mohammed, oder Moses, oder auch Christus als Muster oder als verabscheuenswerth feinen Schülern hin stellen? Nein. Bei dem einen 9uuiun würde ans dieser, bei dem andern aus jener Ecke der Schule eine Protestation erfolgen. Kann in einer solchen Schule der Lehrer die Geschichte so lehren, wie er sie sittlich aufgesaßt hat? Nein. Denn was er für sittlich und Recht Hält, hält vielleicht ein Viertheil der Kinder für unsittlich und unrecht, z. B. die Reformation. Unterrichtsmaschinen wird man also schaffen, aber keine Erzieher; oder man muß einem jeden Lehrer gestatten, nach seinen individuellen Ansichten zu erziehen; und so tritt der furchtbare Glaubens- und Gewissenszwang für die Kinder und deren Eltern ein, auf den. ich früher hingewieseu habe. Und welche Erziehung wird es in Schulen geben, an denen mehrere verschieden glaubende Lehrer stehen? Ich kenne eine Volksschule, die aus sechs Klassen besteht. Wie man wohl bei den Deputirtenwahlen sicht, daß dieselbe Wahlversammlung einen Absolntisten und beim zweiten Wahlakt einen Demokraten wählt: so kann es also auch in jener Stadt kommen, daß etwa zum Rektor ein Anhänger Uhlich's, zum zweiten Lehrer ein römischer Katholik, zum dritten ein Jude, zum vierten ein Alttutheraner, zum fünften ein Altreformirter, zum sechsten ein UnionSmann gewählt wird. Wehe dann den armen Kindern, die in dem Alter von 6—14 Jahren sechs verschiedene Religionen durchzumachen haben, wenn nicht 45