Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 44 (3.11.1849)
- Date
- 1849-11-03
- Page
- Spalte 695-696 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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695 Kritiken. Luzzatto's Bet Ha-Ozar. Aus dem Leben Jbn Sarük's. 69k Geschenke, nicht Belohnungen, nicht das Ansehen Chasdai's, wie Menachem sagt, haben ihn zu dieser Wan-, derung bewogen, sondern nur die vorgegebene Freundschaft und Brüderlichkeit, obgleich Chasdai sich freilich m dem Berusungsschreiben verpflichtete, für alle seine Bedürfnisse zu sorgen und seine Thätigkeit reichlich zu belohnen. Zu Kordova verwandelte sich jedoch die Freundschaft Chasdai's in Gleichgiltigkeit und Kälte, ungeachtet Menachem mit Aufopferung und Miiflmig'iiiifl alle ihm gewordenen literarischen Aufträge gewissenhaft durchfi'ihrte, und wäre nicht Chasdai's Vater, Isaak ben Chasdai, der Patron und Versorger Menachem's geworden, hätte er nicht da die Gönnerschaft, die Freundschaft gefunden, so wäre er fast nutergegangm. Isaak b. Chaödai's Gönnerschaft und Liebe für Menachcm suchte dieser auch Nach Kräften zu belohnen, insoweit ein Schriftsteller es ihnn konnte. In der Synagoge, welche Isaak in Kordova erbauen ließ, befand sich in der Lade eine Schrift, Von Menachem verfaßt und eigenhändig geschrieben, worin sein Leben und seine Thatcn verherrlicht worden, rmd in vielen andern panegyrischen Dichtungen äußerte sich noch die Dankbarkeit. Als Chasdai's Mutter gestorben, kam der trauernde Sohn zu Menachem noch tief in der Nacht, um bei ihm eine Threnedie 2l) rmd Klagelieder nin) Ju bestellen und 'als der Besteller gefunden, daß Menachem noch vorher schon an diese Arbeit gegangen, und schon aus innerem Drange seine Gefühle in Trcmertiedern ergossen, La versicherte er ihm, daß er es ihm stets gedenken welle. Ebenso verfaßte Menachem beim Hinscheiden seines Gönners, Isaak b. Chasdai, des Vaters des Mäccnaten, eine große Anzahl Klagelieder und Threnodien, welche von den Israeliten Kordova's während der ganzen Traucrzeit reeitirt wurden. Außer diesen gelegenheitlichen Arbeiten für die Familie Jbn Schafrüt, außer dem 3TOD auf Isaak, den *rpj£/ und ipj 2D2 auf'das Hmscheiden seiner Frau, Chasdai's Mutier, und vp*?f auf den Tod Jsaak's, hat er eine große Anzahl panegyrischer Lieder und Meliza-Aufsätze über Chasdai geschrieben (-fin nöD, llÄsw HhfS , die in großer Mannigfaltigkeit und in großer Anzahl' zur Verherrlichung Chasdai's cirkulirten. Alle Kunst des hebräischen Styls, allen Glanz der Rhetorik hat er anfgebotcn, alle Reime erschöpft in den panegyrischen Liedern auf Chasdai, und weithin waren diese Ruhmeslieder im Lande verbreitet, den Mäeen verherrlichend. Dabei wurde jede Aufgabe mit Aufopferung und Hingebung gelöst, jeder Auftrag ansgeführt und oft sogar unter den härtesten Entbehrungm seiner Familie. In dieses Leben Mcnachem's zu Kordova, innerhalb welcher Zeit er auch sein Wörterbuch ausgearbeitet, kam urplötzlich ein furchtbarer Riß. Menachem wurde bei Chasdai verläumdet und eines Fehts angeklagt, von welchem man nur das mit Bestimmtheit weiß, daß eS eine Gewiffenssache betraf, über die nur Gott ein Urtheil zusteht, aber nicht den Menschen, ohne daß man eigentlich speeiell weiß, was dieAnklage war. In Folge dieser Vcrlänmdung, ohne die Sache zu untersuchen und ohne zu bedenken, daß es dem Menschen gar nicht ziemt, über dergleichen Sachen-zu richten, ließ Chasdai einst an einem Sabbat den Menachem überfallen, und er wurde persönlich mishandelt, geschlagen, seine Kleider wurden zerrissen, seine Haare auSgerauft, und wenn es auch gerade nicht erwiesen/ daß Chasdai es angeordnet, so ist es doch gewiß, daß er es nicht gemißbilligt und sogar gutgeheißen. Dann hat Chasdai an einem der größten Festtage nmo -jyion Dri)i einen Beseht gegeben, und sein Haus wurde mit Aexteu niedergerissen und zerstört, das Haus, welches sein und seiner verlvaisten Brüder iheueres Erbstück war, und diese Zerstörung wurde nicht etwa durch Mauren, sondern durch Juden am heiligen Festtage vollzogen l Der tiefgekrankte, mißhandelte und beraubte Menachem, ohne Existenz mit seiner Familie, der Gunst von Chasdai's Ettern durch deren schon früheren Hintritt entbehrend, durch das Urtel Chasdai's aus der jüdischen Gemeinschaft fast verdrängt und dem Elende, der Verachtung preisgegeben, wendete sich mit einem Schreiben an Chasdai, von ihm Recht und Billigkeit, Untersuchung des ihm zur Last gelegten verlangend; aber Chasdai schreibt ihm eine nbcrmüthige, schnöde Antwort, worin die Stelle verkam: „Hast du wirklich gefehlt, nun so habe ich dich gezüchtigt', hast du aber nicht gefehlt, nun so habe ich dir (durch das Leiden mit Unrecht) zur Seligkeit verhotftn/^ Diese leichtsinnige, witzelnde Phrase, womit jedes Verbrechen zu beschönigen wäre,"' erschütterte Menachem bis in die innerste Tiefe seiner Seele und er richtete nun ein großes Sendschreiben an ihn, worin er mit hinreißender Beredtsamkeit, m meisterhaftem Style das große Verbrechen zeichnet, das der hochgestellte Chasdai gegenihn verübte, mit erschütternden und überzeugenden Worten das hundertfache Unrecht ihm vor die Seele führte,, das er gegen ihn begangen, und wenn man diöses große Sendschreiben heute nach länger als 900 Jahren durchliest, dieses kunstvolle, mit dem Herzblute geschriebene und mit dem reichsten Farbenschmucke' der Poesie gezierte Schreiben, so erfaßt uns ein eigenthümlicher Zauber und es erfüllt uns. eine tragische - Wehmnth und wir fühlen noch immer für Menachem, die-damaligen wie die heutigen herzlosen Hochgestellten verachtend. Mit 1) Ich weiß nicht, welcher Festtag darunter gemeint sei. Es scheint ftdoch, daß es W) war, da er dieses Fest auch rnyiD rinn und wip nwi nennt. 2) , triyn dm , idid!? -pnwori idd , myn jon Dl?)yn "n> i’n)N’3n -co.