Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1849-11-03 · 44 (3.11.1849) · p. Spalte 693-694

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
44 (3.11.1849)
Date
1849-11-03
Page
Spalte 693-694 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/8555529-9893953-9894005--6129-3535349
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Studien. Der Bibelkanon des Fl. Iosefus. — Menachem Jbn Sarük. 693 tcrwcrfung Egyptens ganz ad libitum ins 27. Jahr Neb. setzt. Die Angabe über die Tödtung.des Königs von Egypten, welche sich sonst nirgends findet, scheint aus Jer. 44, 30 geschöpft zu sein, welche Stelle Andere auf die Niederlage des Königs Apries durch den Gegenkönig Amast's beziehen. Es geht aus dieser Zusammen stellurig wiederum deutlich hervor, mit welcher Sorgfalt Iosefus das Buch Jeremias benutzt, indem er nicht nur zusammenhängende historische Stücke, sondern auch die zerstreuten, mitunter in prophetischen Aussprüchen latenten — also nur NpVHD zu erlangenden — geschichtlichen Notizen zusammeiigetragen hat. Einem Historiker unserer Zeit wurde Niemand daraus ein besonderes Verdienst machen, für jene Zeit zeigt es aber aus welcher Schule sorgfältiger Bibelforschung Iosefus hervorgegangen. Wir wollten hier schon auf diesen Gesichtspunkt vorläufig aufmerksam machen. — Im Jeremias hat Jos. überall nach dem hebräisch-masoretischen Texte gearbeitet, von dem bekanntlich gerade in diesem Buche die LXX stark abweicht. — (Fortsetzung folgt.) 60) Andere (Jahn) denken bei Jer. 52, 30 an eine Deportation nach der Ermordung Gedalja's (siehe Winer s. w Exil), dabei wäre aber der Zeitraum zwischen beiden Ereignissen (4—5 Jahre) unerklärlich groß. Ich möchte die Auffassung Jos. noch für die wahrscheinlichste halten, das omiT ist nicht dagegen, denn es waren ja nach Egypten kurz vorher gewanderte Judäer. Die Annahme des y"o hat weder eine historische noch eine exegetische Basis. — Diejenigen Schriftstellen übrigens, welche unsere Stelle im Iosefus als einen Beweis für das unbezweifelte Faktum der Eroberung Egyptens durch Nebuk. anführen, haben ganz übersehen, daß Iosefus sich hier nicht aus eine historische, irgend woher geschöpfte Notiz, sondern nur auf Interpretation der im Text genannten Stellen im Jeremias stützt. Selbst Neueste find öfter in diesen Fehler verfallen und haben Iosefus für die biblische Zeit als Quelle angeführt (siehe ein anderes Beispiel in Note 5l), während er in der Regel nur biblische Grellen nach eignem Ermessen — oft auch nach hergebrachter Interpretation —* auffaßr und auslegt. — Noch bemerke ich, daß auch Berosus (bei Jos. X. 11, 1) von einer Unterwerfung Egyptens spricht. Die Erwähnung von holIt} SvqU bei ih m und hier bei Iosefus, könnte auf die Vermuthung führen, daß dieser aus ihm seine Notiz über die Eroberung Egyptens geschöpft habe; aber Berosus sitzt seine Erzählung noch in die Zeit Nabopolassar's, wo Nebuk. nur Mitregent ist. Dieser chronologische Widerspruch würde Josefas nicht entgangen sein, wenn er überhaupt die von Berosus erzählte und die von ihm aus den Propheten eruirte Eroberung Egyptens für identisch gehalten hätte. Bei Berosus selbst ist auch von zwei Unterwerfungen Egyptens die Rede, von denen die eine noch früher stattgefunden haben würde. Bei Besprechung der Stelle des Berosus im Jos. Q. Apion werden wir über das Faktische dieser Eroberung weiter reden. 691 Kurze Ueberfichtev. 16) ’& enpn pis6 wn to nns im , “isind ma tsnso sro mv rai bi bto 'di 'n rnn'pn! -)& mt maibyn 'toi fmopon ■wn i'vij^i D’ip1 □•’pTij) cnsDni ton” nnipipii 'n rpto ono Dp^J. rc. (Fortsetzung von Nr. 33. 34. 35. 36.) Jb n Sarük verfaßte ein ausführliches hebräisches Wörterbuch über die ganze heilige Schrift, das Aramäische in Daniel und ''Esra nicht ausgenommen, und wenn er gleich nicht der erste hebräische Lexikograph war, da er selbst (W. .ln) Sa^adja's Sefer Piteo «irn (Wörterbuch) und Jehuda Jbn Kor ei sch's Arbeit (Art. anführt, so gehört er doch mit zu den ältesten Lerikographen der hebräischen Sprache, welche auf die Bibelexegcse großen Einfluß geübt. Salomo Jbn Pärchen sagt schon im Vorworte seines Wörterbuches von ihn:: „Ich sah das Werk des Menachem Jbn Sarllk in aller Menschen Hände und ste liebten cs sehr" und wie französische, deutsche und italienische Lehrer des 12. und 13. Jahrhunderts (Rasthi, Jos. Kura u. A.) sich seiner bedienten, ist hinlänglich bekannt. Aber ebenso wie sein Wörterbuch erscheint sein Leben, sein Verhältuiß zu Dun ns Jbn Lib rckt und die literarischen Kämpfe mit demselben, sein Verhältuiß zu dem berühmten Mäecn Chasdai b. Isaak, wie zu dessen Vater Isaak b. Chasdai, seine erlittene Unbill, Verfolgung rmd Mishandlnng, stille Stellung als neuhebräischer Stylist und Dichter, seine Ansichten über die Entstehung der hebräischen Vokal- und Aeeentzeichenseine Ansicht über Unsterblichkeit der Seele, Einthcilung der Gebote rc. von nicht geringem Interesse, und in beiden Beziehungen bietet der belehrende Aufsatz Luzzatto'ö vielfache Ausbeute. In Bezug auf-sein Leben erfahren wir, daß Menachem Jbn Sarük zuerst zufrieden und in guten Umständen in einer von Kordova entfernten Gegend Spaniens gelebt, bis der berühmte Mäeen der jüdischen Literatur, Chasdai b. Isaak Jbn Schafrüt, in ihn drängte, zu ihm nach Kordova zu kommen, um durch Unterricht und Schriften den Allbau des Hebräischen in der Umgebung des jüdischen Ministers zu . fördern. Auf den Ruf des Mäeenaten, von dem Charisi rühmt, daß er aus Morgen- und Abendland, aus arabischen und christlichen Ländern, die gelehrtesten und berühmtesten Männer seines Volkes versammelt und Lust an Wissenschaft und Dichtkunst entzündet, verließ Menachem willfährig seine Hcimath, wo er sich wohl befunden, seinen Handel, der ihn ernährte, die Mühsale der Reist wegen Krieg und Hitze nicht achtend, ttitb kam mit Water und Brüdern nach Kordova, wo er sich nun niedergelassen und das Hans welches sein Vater erworben bewohnt hatte. Nicht 44*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.