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Der Orient · 1849-10-27 · Heft 43 (27.10.1849) · p. Seite 190

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 43 (27.10.1849)
Date
1849-10-27
Page
Seite 190 (sequence 3)
Language
German
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- 190 - uvd eine neue Generation, die ein Heerführer im Kriege mit Erfolg brauchen konnte, herangewachsen sein würde. So glaube ich müssen es jetzt die Männer, welche es mit demIudenthume und mit derMenschheit ehrlich meinen, thun. Auf gradem Wege werden wir nichts ausrichten. Wir müssen noch in einer Wüste herumziehen, und das junge Geschlecht durch Verbreitung von Schriften heranzubilden suchen. Oie Aufklärung mutz uns in dieser Wüste die Stelle der sogenannten „Feuer- und Wolkensäule" vertreten, uns überall voranleuchten. In den Gemeinden müssen sich Vereine zur Förderung der Volksaufklärung und zur Verbreitung nützlicher Schriften bilden. Wir wollen nach unfern Kräften beitragen und kein Opfer zu bringen uns bedenken. Einen Aufruf diesfalls werden wir in Oesterreich. Blättern ergehen lassen. Möge die Betheiligung zeigen, daß es uns Ernst ist, um die Verwirklichung unserer Menschenwürde, um den Fortschritt in der Wissenschaft. Meine Briefe werden zwar noch immer den politischen Gang in Oesterreich, so weit er die Juden betrifft, Schritt für Schritt folgen, den Stillstand aber will ich dazu benutzen, um die Aufgabe, die ich mtr in meinen ersten Brief gestellt, &it. lösen. Wien, 11. Oktbr. In einer der letzten Sitzungen des hiesigen Gemcinderaths wurde ein Negierungsdekret verlesen, wonach in Folge des §. 1 der Grundrechte der politische Ehekonsens für die Juden an keine andern als cm die hierüber für alle österreichischen Staatsbürger bestehenden Vorschriften gebunden ist. Die deutsche Zeitung ans Böhmen bringt über die Angelegenheit des Dr. F i sch h o f folgende Details: Fischhof's Prozeß ist in ein neues Stadium getreten. Bekanntlich wurde Fischhof von dem hiesigen Kriminalgericht ab instantia losgesprochen, und die Sache kam, da es sich um Hochverrats) handelte, im weitern Prozeßgange, vor das Kriminalobergericht. Dies hat nun im Laufe dieser Woche m einem Gremium von neun Stimmenden darüber verhandelt und seinen Beschluß gefaßt. Der Referent war mit dem Urtel der ersten Instanz auf Grundlage der vorliegenden Untersuchungsakten einverstanden, glaubte jedoch, daß die Untersuchung nicht vollständig vorgenannten worden sei, indem Fischhofs Wirken in der Permanenz des Reichstags nicht in das Bereich der Untersuchung gezogen worden wäre, und trug demnach weiter darauf an, daß das Kriminalgericht in dieser Beziehung eine neue Untersuchung einzuleiten und über das Ergebniß derselben ein weiteres Erkenntniß zu schöpfen habe. Der erste Theil des Antrags, nach welchem das erstrichterliche Urtel seine Bestätigung erhielt, wurde einstimmig angenommen. Ueber den zweiten Theil gab es eine lebhafte Debatte, indem der Präsident mit Rücksicht auf die konstitutionellen Grundsätze den Zweifel erhob, ob ein gewesener Deputirter rücksichtlich seines Wirkens im Reichstage zur Verantwortung gezogen werden könne, und deshalb vorerst das Ministerium befragt wissen wellte, ob die beantragte Ausdehnung der Untersuchung auf diese Wirksamkeit stattznfinden habe. Dem Präsidenten schlossen sich nar drei Mitglieder des Senats an, und so fiel sein Antrag gegen 5 Stimmen durch. Somarnga soll nichtsdestoweniger später die Ansicht des Ministeriums eingeholt haben, welches nach vorausgegangenem Ministerrathe sich für die Nichtansdchnnng der Untersuchung auf das rcichstägige Wirken, ausgesprochen hat. Da Fischhefs Urtel in zweiter Instanz mit dem erstrichterlichen nicht übereinstimmt, so kommt nun der Prozeß vor den obersten Gerichtshof, für welchen die ministerielle Interpretation maßgebend sein dürste. Ungar n. Pesth, 8. Oktbr. Im Finanzministerium wurde beschlossen, daß die in Ungarn kontributionspsiichtig gewordenen Juden diese Kontribution erst dann erlegen dürfen, wenn das Silber al pari stehen würde, da ein großer Theil in Silber abgetragen werden soll, dasselbe aber für den Augenblick nur mit bedeutenden Kosten herbeigeschafft werden kann. Pesth, 10. Oktbr. Durch die antidynastische Tendenz mehrerer Reden und Broschüren bekannt, zog sich der frühere Prediger der israelitischen Resormsekte, Einhorn, vor wenigen Tagen eine mehrstündige Verhaftung zu. Seine Entlassung erfolgte auf Grund einer von Haynau Unterzeichneten Karte, in welcher ihm als Feldpater der Komorner Besatzung ein 30tägiger Aufenthalt in Ungarn gestattet wird. Wir werden übrigens noch, wenn nicht das Rachesystcm aufgegeben wird, von manchen Verfolgungen der Juden in Ungarn hören. Die Republik Frankreich. Die Monatsschrift „L’Univers lsraelite“ redigirt von S. Bloch, erscheinr nun wieder regelmäßig und das zweite Heft ist uns so eben zugekommen. Für den Zustand der Israeliten in der Republik ist diese Monatsschrift die Hauptquelle, da wir kein anderes jüdisches Blatt von da zu sehen bekommen, und sie genügt auch vollkommen, da bei den Israeliten daselbst in ihrer langgewohnten Freiheit im Ganzen nur über Synagogenwesen und wohlthätige Anstalten zu berichten ist. Ich gebe nun die einzelnen Notizen, Das „Echo "d’Oran“ vom 12. Aug. berichtet aus Tanger, daß ein französischer Jude, wegen einer Lästerung der muhammebanischen Religion 300. Stockschläge erhalten, ohne daß seine Reklamation etwas genützt. Dort also die alte Barbarei, und hier die tiefe politische Versunkenheit, daß Frankreich in seiner Reaktion seine Bürger nicht mehr schützt. — Ein Israelit zu Paris, der nicht genannt sein wollte, hat eine jährliche Rente von. 500 Fr. für die Erhaltung eines achtbaren und frommen Greises, der seit 10 Jahren ununterbrochen in

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