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Der Orient · 1849-10-20 · 42 (20.10.1849) · p. Spalte 665-666

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Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
42 (20.10.1849)
Date
1849-10-20
Page
Spalte 665-666 (sequence 5)
Language
German
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665 Studien. Kritische Nach- und Dornenlese, 666 bekannten Literaturblatt des bekannten Wolfgang Menzel tu dgl. unterzulegen; wollen wir zu seiner Entschuldigung lieber annehmen, daß er sich blos als Tyroler, wie viele seiner Landsleute in diesem Jahre, von st inen, unklaren Gefühlen und Jugendeindrücken hat Hinreißen lassen, später aber, bei ruhiger Ueberlegung zur klaren Einsicht kommen und der Wahrheit die Ehre geben wird«. Wie wenig der wahrhaft ehrenwerthe Mann sich solch eines Widerrufs schämt und zu schämen brauche, hat Anfangs der dreißiger Jahre der Königl. Preußische Geh« Oberregierungsrath und Vortragender Rath im Ministeria des Innern, Karl Screckfuß bewieset. — Apropos, ich habe oben Welfgang Menzel genannt, und dabei die Gelegenheit, einen von Bosheit oder Unverstand den. Juden oft gemachten Vorwurf: der Rachsucht und Unversöhnlichkeit zu widerlegen. Es klingt freilich komisch von Menzel, der nach Adolf Müllners Tode, v o n d e r K a n a i l l e (oder Bestie) die in" Weißensels verreckt gesprochen, oder von der Kreuzzeitung und Sonntagsblatt, die von ihren Feinden in ähnlichen zarten Ausdrücken sprechen, solche Vorwürfe zu vernehmen; doch würde dies uns , die wir das Glück haben, weder Stocknoch andere Knechte im Staate sein zu dürfen noch nicht bewegen, uns mit Kanaillen und Bestien, gleichviel ob verrekter oder lebender einzulassen; die moralische Nothwendrgkeit aber, der blinden Masse den Staar zu stechen und ihr dre Nichtswürdigkeit und Niederträchtigkeit der säubern Chorführer zum abschreckenden Beispiel in ihrer schamlosen Blöße zu zeigen, nöthigt uns, die wir so gern „rein mit dem Reinen" sind, „dem Tückevollen gegenüber unversöhnlich" zu sein. So dient uns gewissermaßen W. Menzel — mit dem wir weder je persönlich bekannt noch sonst auch nur in der geringsten Berührung waren, wo also von Rachsucht gar nicht die Rede sein kann — als Prototyp vieler christlichen, zumeist deutschen Gelehrten, Schriftsteller und Kritiker, die wohl aus gemeiner Rachsucht und Unversöhnlichkeit, besonders den Juden gegenüber, zu den schändlichsten Lügen und Verleumdungen sich Hinreißen und sich es angelegen sein lassen, etwaige Fehler eines Einzelnen, als Laster und Verbrechen der Gesammtheit darzustellen und zu verdammen; — und nur aus diesem Grunde hat er sich der unverdienten Ehre zu erfreuen, seinen der Vergessenheit immer mehr verfallenden Namen von uns noch erwähnt zu sehen. Um unsere Anklage zu begründen, dürfen wir nur auf jede Nummer des Literaturblattes, wo es irgend eine Veranlassung gab, Schmähungen aus Juden anzubringen, Hinweisen. Doch könnte bei Besprechung der Arbeiten von Geistesverwandten, wie Chezy's, Sternbergs und ähnlichen Gelichters, für Menzel noch die Seelen-Sympathie zur Entschuldigung dienen; wir wollen uns daher nicht die Mühe verdrieße lassen, einige Beispiele anzuführen, die in aller Klarheit darthun sollen, in welchen Händen seit langen Jahren das Uttherl über Gut und Schlecht, Hoch oder Niedrig, Schon oder Häßlich gelegen hat. Der Tadel aus solchem Munde könnte wahrlich als Lob gelten! Nr« 125. Literaturblatt. Redigirt von Dr. Wolfgang Menzel. Freitag, 8. Dcbr. 1843. 1) Geschichte der Regierung Ferdinands und Jsabella's der Katholischen von Spanien. William H. Proscott. Aus dem Englischen. 2 Bände» Leipzig, 1842. Brockhaus» Nachdem Hr. M. das Werk als ein sehr ausführliches und gründliches bezeichnet, kommt die Teufelskralle gegen das Ende nach. — „Alle Juden, die nicht sofort das Christenthum annahmen, wurden aus dem Lande verbannt. Ihre ungeheure Anzahl beweist, daß die Besorgnisse der christlichen Staatsmänner vor einer solchen unzuverlässigen, ja feindlichen Masse der Bevölkerung nicht ungegründel gewesen sind, und Hr. Prescott hätte wohl gethan, dies zu bemerken, so wie überhaupt einigermaßen an die Nachtheile zu denken, die noch jedem christlichen Staate durch die wuchernde Ueberhandnahme des Samen Abrahams erwachsen sind. Er schreibt durchaus als Advokat der Juden und ist mit einer Sentimentalität für sie inceressirt, die einem strenghistorischen Werk übel ansteht. Wollte man ihm glauben, so bestünde das ganze Unglück Spaniens darin, daß es von Christen und nicht von Juden bewohnt ist<" — Nein, Herr Menzel! das will man weder glauben, noch der ehrliche Prescott — der keineswegs als Advokat für Juden, sondern für Recht und Wahrheit schreibt — es glauben machen! wohl aber rührt das Unglück Spaniens davon her, daß es durch die Vertreibung der Juden und Mauern ein Unrecht begangen, das der Gott in der Geschichte noch nie ungeahndet hingehen ließ. Auch Sie Herr Menzel und Ihnen ähnliche Judenfresser verfallen keineswegs der allgemeinen Verachtung, weil Sie Juden schmähen; sondern nur weil Sie im blinden Haß, in toller Wulh mit Unrecht schmähen und auch das Ancrkennenswerthe begeifern, darum wendet man sich empört von Ihnen und Ihresgleichen! — Bei Gelegenheit der Besprechung der „Pariser Bilder" äußert sich Menzel ein andermal wieder in seinem Literaturblatt: „Eine Menge Stücke, namentlich Opern, sind (in Paris) ohne alles Verdienst durch bezahltes Lob berühmt geworden, und daß das Publikum es sich gefallen ließ, ist ein sicherer Beweis dafür, daß es schon abgestumpft ist. Der Kenner, der Enthusiast für das Schöne verzweifelt und bleibt aus dem Theater weg, das übrige Publikum folgt blind der Mode. Ein jüdischer Komponist, den das Glück schon von Geburt mit großen Geldmitteln ausgestattet, bestach die Theater durch bedeutende Geldsummen, feine mittelmäßigen Opern glänzend aufzuführen, beklatschen und in allen Journalen loben zu lassen. Diese Spekulation gelang ihm so vollkommen, daß er nachher die bei der Bestechung aufs Spiel gesetzten Summen durch die vielen Aufführungen reichlich wieder gewann und jetzt als ein seelenloser Kunststückmacher und Kompilator ohne einen Funken von wahrem musikalischen Gefühl unter den größten Komponistendes Jahrhunderts glänzt." Ob der falsche Prophet wenigstens noch im Stande ist,

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