Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 42 (20.10.1849)
- Date
- 1849-10-20
- Page
- Spalte 663-664 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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K63 Studien. Kritische Nach- und Dornenlese. 664 4. BB. der Könige. Dies« Bücher sind, verwebt mit denen der Chronik und Auszügen aus anderen, excerpirt in Amt. VN, 14 — X, 9. Ueber die vollständige Austragung derselben und die kleinen Abweichungen vom Texte gilt ganz dasselbe was bei den B. Sam. gesagt worden ist. Die LXX ist hier noch deutlicher zu Grunde gelegt, doch finden sich auch genügende Beweise für daneben stattgehabte Benutzung des Hebräischen. Ausgelassen ist lediglich Folgendes: die Wiederaufbauung von Zericho (1 Reg. 16, 34) obgleich Ant. V, 1, 8 (b<i Josua) angegeben ist, daß er später daraus zurückkommen werde — die Geschichte der Entrückung Ella's (2 Reg. 2) von der nur der kürzeste Inhalt ohne alles Detail angegeben ist — mehrere Wundertaten Elisa's §die ippT ^♦ die Bären 2 Reg. 2, 19—25; die N'OM, Raeman und die kleineren Erzählungen von 4, 8 — 6, 733) — die Worte Jefaja's: nnK nö und rfrm ,inp,> (2 Reg. 20, 1 und 7) — ferner fehlt 2 Reg. 18, 4 —- weil auch 4 Mos. 2!, 4 88., worauf dort Rücksicht genommen wird, weggelasseu ist — endlich i Reg. 15, 13—15 (vgl. unten zur Chronik). — Zusätze finden sich besonders in der Geschichte Salomo's überfeine Weisheit (Vlll, 2, 5) und über die Lempelgeräthe (ibiä. 3, 7). - (Fortsetzung folgt.) Kritische Nach- und Dornenlese. (Schluß.) Dieses aber darf man dem christlichen Schriftsteller wohl zum Vorwurf machen, zumal wenn er, wie es hier der Fall ist, die hohe Stellung des christlichen Glaubens gegen jeden andern aus den angeführten Stellen deducirm will. So wahr alle aus dieser Stelle i^ergeleiteten Folgerungen nämlich sind, hat Hr. Ennemoser damit doch nur — gewiß ohne Absicht — eine Verherrlichung des Iudenthums geschrieben, da Jesus hier nur die Worte des alten Testaments 5 Mos. 6, 5 und 3 M. 19, 18 buchstäblich wiederholt! — Braucht oder darf gar, wie gesagt, Hr. Ennemoser als Katholik das alte Testament nicht zu kennen; so wäre er 33) Havercamp meint, diese letzteren Erzählungen seien in IX, 4 zwischen §. 2 und 3 in den Ausg. und Handschr. nur ausgefallen. Allerdings sage Jof. (§. 1): er wolle die Thaten Elisa's erzählen, nicht: „einige" auch ist vor §. 3 eine Lücke fühlbar; es brauchen aber, des letztere,, Umstandes wegen, doch nur ein paar Zeiten, analog 2 Reg. 6, 8 ergänzt zu werden und nicht alles Uebrige; für ursprüngliche Weglassung der Geschichte der rPDJ)fc£/ scheint ferner der Umstand zu sprechen, daß auch die darauf sich beziehende Erzählung 8, 1—8 fehlt; endlich liegt auch der Grund, worum Losefus hier abgekürzt, sehr'nahe; er wollte dem Glauben seiner heidnischen Leser von einem Manne nicht zu viel Wunder zumuthen. doch bei einer großern Bekanntschaft mit dem neuen nicht in die selbst gegrabene Grube gefallen, da die mit Mt. 22, 36 kovrespondjrende Stelle Mark. 12, 29 vor: Und du sollst Gatt deinen Herrn lieben — als Kuriosum sei nur noch erwähnt, daß Ennemoser ganz mit Luther übersetzt — noch, wie in 5 M. 6, 4. „Höre, Israeli der Herr unser Gott, der Herr ist Einer!" hat. — Am Ende aber haben wir es «gerade dieser Unbekanntschafl allein zu danken, daß Hr. Ennemoser bei der Nächsten-, liebe nicht gar — wie sein Kollege, Dr. Rosas in Wien, siehe Medicinische Jahrbücher der k. k. öfter. Staaten, Juliheft 1842, gethan — Mt. 5, 43 citirt: Ihr habt gehört, daß gesagt ist; du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen; — wir können jedoch auf einen etwaigen Nachtrag der strengsten Wahrheit gemäß versichern, wir haben „vom Feinde hassen" weder je gehört noch im alten Testament gelesen. — Was übrigens Hr. Ennemoser zu solch einer Sinnesänderung gegen Juden bewogen, ist uns ein Räthsel und er damit in vollem Widerspruch gegen seine frühern Ansichten. Wie schön und wahr ist nicht z. B. m seinem frühern Werke: der Magnetismus im Verhältniß zur Natur und Religion — S. 89 die Aeußerung über Moses und die Propheten — in demselben Werke S. 427 heißt es: „die Juden sind auch das einzige Volk der Erde, das fremde Sprachen, besonders angrenzender Länder oder solcher Völker lernt, mit denen es im Verkehr steht, sie sind meist die einzigen Dollmetschcr für Fremde und in dieser Hinsicht eine große Wohlthat." — In der „Geschichte der Magie" citirt Ennemoser S. 71: Franz von Bavider sagt sogar: Nicht blos das Heil,. sondern auch die Wissenschaft kommt von den Juden." Das. 121: „So , sonderte Gott von diesem Stamme — den Abraham aus, welcher in seinen Kindern die wahre Religion des lebendigen Wortes, der wahrhaften Erkennuuß und Liebe Gottes zu erhallen und für alle Geschlechter und Zerren fortzupstanzen bestimmt war. — In dem durch Abraham ausgewählten Volke wurde die wahne Einheit dev Religion foctgepflanzt und aufrecht erhalten." S. 401. „Sehen wir nun zuerst die Geschichte des alten Bundes durch, so sehen wir dieses merkwürdige Volk so einzig dastehen, wie eine leuchWolkensäule in Milte der heidnischen Nacht." 405. „Moses zeigte sich daher über alle Zöglinge sowohl der alten egyptischen Tempelweisheit, als über die neuen Meinungssekten erhaben, indem er, durch göttliches Licht erleuchtet, die Sache nicht einseitig, sondern in ihrer wahren Gestalt und Giltigkeit darstellte; er theilte der Materie ihren Wer-th zu, und stellte den Geist neben sie". — Dies klingt freilich anders; woher aber die Sinnesänderung? Anstatt Hr. Ennemoser unsaubere Motive, wie lokale Rücksichten pflichtmäßiger Treubündler und Judenfresser als Ritter des eisernen Kreuzes Gefälligkeit gegen die Verlags- Handlung, die Aussicht auf eine lobpreisende Recension indem