Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 42 (20.10.1849)
- Date
- 1849-10-20
- Page
- Seite 187 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Mm Beispiele nach, und ließ sich trotz dem, daß das hradi- Wer Krnsaml selbes zur Rechtfertigung zog, wie es sich ßliuterstehen könne — da noch keine neuen Gesetze erfolgt sind, ^eiralhöbewilligungen ohne „Familienstellm" zu ertheilen, nicht ^eirrern Nicht nur das k. k. Kreisamt zll Hradiich, sondern Kriech sehr v i e l e Ani rs b eh örv e n waren der Ansicht — reiner Mtnschenli-ebe und Humanität? — daß die Juden fliöch so wie früh er.nur mittelst eines P arentes heirathen Dürfen. Das hradischer Kreisamt sprach sich bei Gelegenheit siims, von einenG Ungarisch brodec Heirathsbewerber, f wegen des abweislichen Bescheids seiner politischen ^Behörde, Ergriffenen Rekurs dal) n aus: \ „Der §. 121 der Reichsversassung sagt: „Jnsolange keine neuen Gesetze erfolgen bleiben die alteil. in Kraft und Geltung^ u. s. w. Bittsteller wird daher dahin gewiesen, sich j um eine Familienstelle zu bewerben." In Gaja, Bisenz, Strasm'tz, Hollrschau u.' s. w. ging sis eben so. Wie krairkend diese Zurücksetzung einer Gemeinde!gegen eine andere sein muß, kann man sich wohl denken. Und idaß die Behörden im hradischer Kreise und das Kreisamc eines Bessern belehrt wurde, hat dieser Kreis lediglich den Bemühungen des Ungarischbroder Hrn. M. Jellrnek (jüngster Bruder hes in Wien erschossenen Dr. Jellinek, und des Leipziger Predigers) Kaufmann und Lirerat, der sich in. dieser Angelegenheit heim w. s. Landeschef Grafen v. Lazanekr) verwendete, zu verdanken. So ist der erste Widerstand der kleinen Beamten Hin Mähren bezwungen werden. Die Juden heirathen in P Massen d. h. die bereits verheirathet gewesenen sogenannten! „Emigranten" Herr Lt h e n neuerdings auf gesetzliche Weise. Die Altnbuce, um eine Heirathsbewilligung ala. > Oktroy zu erlangen, sind folgende: Bermögenszeugniß, oder Erwerbsfähigkeic, G^burts- und Relig ionszeug n iß, | Militärschein und die Zustimmung der Gemeinde. Hier müssen * wir wieder die traurige Erfahrung machen, es thut dem Zu- P den Niemand so weh — als der Jude. Denn einige Rabbi- | ner in Mähren machen aus ihrer Pflicht ein Geschäft. Sie haben nämlich die Gedurts- und Reti gionszeugnisse auszustellen, und lassen sich für die Dokumente wie z. B. der Ungarischbroder Rabbiner 10 fl. CM. bezahlen, d. h. es wird dem Kandidaten gesagt: „Mein Herr — oder meine Frau, denn auch Frauen kommen, (die der Emigranten) wissen sie was die Zeugnisse kosten? Damit wir dann keinen Verdruß haben, so sage ich'sIhnen gleich, die Zeugnisse kosten 10 fl. CM. „Denn sehen Sie," argumentirt der gelehrte Rabbi, „früher als wir gedrückt'waren, wo nicht jeder das Recht zu heirathen hatte, und der, der es hatte, mußte sichs viel Geld kosten lassen, trugen mir die Zeugnisse 6 fl. 20 kr. CM. ein. Jetzt, wo uns Schem derchu so eine Leschuhe geschickt hat, wo sie so. viel ersparen, glaube ich darf es mir 10 fl. CM. eintrazen. Die Schändlichkeit und Gemeinheit dieser Rabbinerlogrk, glaube ich bedarf keines Kommentar's. Gottlob, daß wir auch einige treffliche Rabbiner haben, als die Herren Fasset, Weiße, .Dr. Duschäk, Neuda, Schmidel, Pfeilbogen, Pollack (in Damboschitz) und Mittrad, welche uns schadlos halten. Beiläufig will ich hier nur bemerken, wie wichtig es für die Juden in Oesterreich ist, gebildete und ordentliche Rabbiner anzustellen, wie die Juden durch solche Rabbis wen in den Augen des Christen gehoben, in ein besseres Licht gestellt werden. Ein Beispiel soll dies beweisen. Der f. k. Kreiskommiffär We sfely, ein durch und durch gebildeter Mann, gewesenes Mitglied des Frankfurter Parlaments, sagte mir bei Gelegenheit, als ich mit ihm über die Judengemeinden in Mähren sprach unter anderem: „Ich muß Ihnen sagen, dieser Lage war bei wir der Gajer Rabbiner Weise, alle Achtung vor diesem Mann. Sein ausgezeichnetes Benehmen, seine Bildung und Sprache überraschten mich. In seiner Gemeinde stellt er die Ordnung her, man kann ihn dm Friedensstifter seiner Gemeinde nennen. Streitigkeiten zwischen Gemeindegliedern schlichtet er selbst, und leistet so dem Staate selbst Dienste. Es wäre zu wünschen daß die mährischen Juden viele solcher Rabbiner hätten." Gott erleuchte die Herzen derer, welche da noch im Finstern gehen! Lissa (Grh. Posen), im Sptbr. In unserer Gemeinde ist bekanntlich die sog. Krupka ganz aufgehoben./ (Vergl. Orient Nr. 26 den Art. ,,Aus dem Netzdistrikt"..)! Vor dem diesjährigen Neujahrfcste ist jedoch in der'. Mitte unseres Vorstandes wieder die Idee aufgetaucht, eine Gef l ü gel - Schlacht - S t e u e r1 ein zu führen; allein die Ausführung-dieser Idee scheiterte an der energischen O pp o si ti on derjenigen Partei, welche immer op p onirend anstrat, wo sie das Wohl der Gemeinde auch nur im Entferntesten gefährdet sicht. — Die Schlachtzettel sollen sogar schon gedruckt gewesen sein. Schade um die unnützen Kosten. — Am 16. d. M. (rurn my) hat hier eine Stadtverordnetenwahs stattgefunden, bei welcher wiederum 3 Bürger jüd. Glaubens , und zwar Zwei als wirkt. Mitglieder des Kollegiums und Einer als stellvertretendes Mitgl. desselben, mitgewählt worden sind. Sie werden dies Toleranz nennen. Meinetwegen. Wie werden Sie aber das nennen, Hr. Red. , wenn ich Ihnen erzähle, daß auf der erwähllten Wahl von hiesigen christlichen Bürgern (und zwar gerade von solchen, die großtentheils von Juden leben) die Aeußernng gethan worden, sie würden nicht in einem Kollegium bleiben, worin Juden S itz u n d S ti m m e haben? Haben Sie für dieses Betragen auch einen Namen? Ich nicht, wahrlich nichts — Als es vor anderthalb Jahren galt, in Schrift und Wort gegen die Forderungen der Polen aufzutreten, da hätten Sie nur sehen sollen, wie man mit den Inden liebäugelte, ja, wie man sie hätschelte und 1) Für die Gans sollte 2 Sgr., für die Henne 6 Pf. Schlachtsteuer gezahlt werden. 2) Die gewählten Herren sind: D. Mankiswicz, L. G. Wiener und S. Potzdamer. Im v. I. sind zwei Juden als SV. gewählt worden, die noch im Kollegium sind.