Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 42 (20.10.1849)
- Date
- 1849-10-20
- Page
- Seite 186 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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186 darbieten — und ein Scha'rflem zur Erreichung unseres Zweckes beitragen. — In ganz besonderem Vertrauey zu den Gemeinden Israels kommen wir daher, um Hilfe suchend, mv erlauben uns unsere ganz ergebenste Bitte vorzutragen: Sich in Rücksicht auf unser unermeßlich Unglück und Armut!) unser annehmen, und Betrage zur Wiederauf- Lauung unseres Bethauses, so wie unseres Eummcarschulhauses anzunehnren. Und von der festen Ueberzeugung, daß Vorsteher, Rabbiner und Lehrer, zu diesem Zwecke alles anwenden, und mit aller Aufopferung für das Heil leidender Brüder^ wirken werden, zmeiflen wir keinen Augenblick an der Erfüllung unserer BM, sondern sehen in Freuden der Erfüllung derselben entgegen, die wir die Ehre haben uns in tiefster Hochachtung zu zeichnen ganz ergebenst der Vorstand der israelitischen Gemeinde zu Xions Benslau. S. Krrrtz. Lions, 4. Oktober 1849. p. T< Die gesammelten Gaben bitten wir geneigtest unter nachstehender Ädveste und der bezeichrieten Rubrik, da die Portofreiheit zu diesem Zwecke von dem Hohen General-Post-Amr zu Berlin uns bewilligt wurde zu übersenden: An den Korporations - Vorstand der jüdischen Gemeinde „Sam ml ung von m i lden Beiträgen für zu die jüdische Gemeinde in Lions. Laut Lions, Ordre vom 14. August 1848, freies Großhzth. Posen. Der Verleger dieses Blattes, Buchhändler C. L. Fritzsche in Leipzig, ist bereit, Beitrage für'die Gemeinde zu Xions anzunehmen und sie an den dortigen Korporations-Vorstand abzusenden. Deutschland's vereinigte Staaten. Aus Mahren, 19. Sept. (Mährische Briefe. III.) Heute will ich meinen zweiten Brief ergänzen, die Vortheile und den praktischen Nutzen, den die Juden bis jetzt aus ihrer Emancipation gezogen und ziehen, aufzählen- Zuerst kam Amor achemlos zu rennen, den Bogen vor der Brust gespannt, drohte er den Amtsbehörden seine Pfeile abzuschießen. „Lange, sehr lange habe ich geduldet, tausend jugendliche Herzen hat mir der Despotismus entzogen, die heiligen Gefühle, welche ein Gott in die Brust des Menschen gestreut, und dje Entflammung und Näherbringung der Herzen mir beschied, erfrechte man sich mir vorzuenrhalren. Die Tyrannen glaubten, mich ausschließlich zu einem „christlichen" Amor zu stempeln. Die Kurzsichtigen vergaßen, daß die Natur keine Privilegien ertheilt, indem die „geborenen" Barone, Grafen, Fürsten, ja. sogar Prinzen, so^ zur Welt kommen wie ein Plebejer, nur mit dem Unterschiede, daß jene den Lebenstisch gedeckt finden, während dieser erst pflügen, säen, ackern, ernten, dreschen, mahlen und backen muß — um sich kaum satt zu effen. Erhebt er seine Blicke auf eine höhere Stellung, muß er sie erst erklettern, keine Sprosse der angebrachten Leiter überspringen. Jene befinden sich von vorn herein ganz oben. — Doch dies sind nur menschliche Einrichtungen. Die Geschichte .hat keinen Tyrannen aufz« weisen, der vermocht hätte, die Natur zu bändigen, d. h. das was in den Menschen lebt, zu tobten. Pharao ließ die männlichen Nachkommen Abrahams in den Nil werfen, doch die Natur war specisisch leichter als der Abgrund einer Willkürherrschaft. Der Judenknabe Mose schwamm auf der Oberfläche des Wassers, und es mußte grade die Tochter des Pharao sein, welche den Knaben, den Erlöser der Judcri, retten und erziehen lassen sollte. Die Geschichtsperioden gleichen sich nur zu sehr, und so mußte es ein Sprößling des Hauses Habevurg sein, der jugendliche Kaiser Franz Joses, der die unglücklichen Juden, denen das Wasser schon bis zum Mund ging — herauszog, und sagte, auch ohne Wasser, sind die Menschen: Menschen! Ich, der Gort des Hebens, mußie mich bei den „jüdischen" Menschen nur spärlich, verstohlen zeigen, als hätte ich mit den Malach-Hamowes einen Vertrag geschlossen, daß nur wenn er einen abholt, d. h. ein F a m i li e n h a upt, ich dann die „Familie" übertragen kann. Diesen Verdacht weise ich mit Verachtung von mir. Ich stehe mit keinen Monen, mögen es M a- oder D a mon< n sein, in Verbindung. Die Schmach ist von mir genommen, ich bin nicht mehr im Belagerungszustand, denn ich kann meine Waffen frei tragen um zu belagern, und führe ich auch kein grobes Geschütz, so brauche ich doch nicht erst Bresche zu schießen, um das Herz zu treffen." Dies war beiläufig' der Monolog, den Monsieur Amor auf seiner- Reste von Wien nach Mähren führte. Ganz natürlich fuhr er .mittelst Eisenbahn, und zwar auf der 3. Klasse, da die 1. und 2. ihm kein ergiebiges Terrain darbietet. In L u n d e n b u r g stieg er aus. Und so war die Lundenburger Judengemeinde die erste, welche auf Grund der Charte v. 4. März, bei der politischen Amtsbehörde, um Heiraihskoiistnse ansuchte. L linden bürg gehört zum Brunner Kreise, und so frug das Amt beim Kreisamte an wegen dieser Angelegenheit, worauf das Brunner Kreisamt die Weisung ergehen ließ, daß bei den zu erteilenden Heirathsbewilligungen für Israeliten, so wie bei den christlichen Staatsbürger»! vorzugehm sei. So bekamen denn dieHeiraths-Kandidatendie Bewilligung. Das Ung. Ostrauer Amt — im H radischer Kreise — (es gehört so wie das Lundenburger der Fürst Lrchtensteinischen Herrschaft) ahmte